14. August 2019 | 07:00 Uhr
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Wann kommt die Konsolidierung im Vertrieb, Herr Orth?

Bei 15 Reisebüroverbünden wird es auf Dauer nicht bleiben, zeigt sich der neue Chef der Lufthansa City Center, Markus Orth, im Interview mit Counter vor9 überzeugt. Er sieht LCC auf der Gewinnerseite, kauft mit der Reisebüro AG weitere Agenturen auf und versucht, Mitglieder anderer Organisationen zum Wechsel zu bewegen.

Markus Orth Lufthansa City Center Geschäftsführer

Markus Orth steht seit März an der Spitze der Franchisezentrale LCC, die in Deutschland 300 Mitglieder hat und knapp 1,6 Milliarden Euro umsetzt. Der Diplomkaufmann startete seine Karriere bei Lufthansa, baute dort unter anderem Lufthansa E-Commerce auf. 2002 wechselte Orth als Vorstand zu Ltur nach Baden-Baden und führte den Last-Minute-Veranstalter von 2008 bis 2016 als CEO.

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Airlines und Veranstalter werden aufgekauft, geben auf oder gehen pleite. Die Konsolidierung in der Reiseindustrie ist in vollem Gange. Wann erleben wir das im Vertrieb?

Wir haben heute 15 Reisebüroverbünde. Im Zuge der Konsolidierung, die wir bei Veranstaltern und Airlines erleben, ist es zwangsläufig, dass wir das auch im Bereich der Vertriebsbündnisse sehen werden. Anders kann der stationäre Vertrieb der Handelsmacht, wie sie zum Beispiel Check24 zunehmend erreicht, nur wenig entgegensetzen. Ausschließen würde ich grundsätzlich gar nichts. Die Konsolidierung wird dazu führen, dass die dominierenden Vertriebsorganisationen Zulauf bekommen.

Welche Rolle sollen die Lufthansa City Center spielen?

Wir sind gut aufgestellt und bieten Qualität, Service, Verlässlichkeit – also gute Voraussetzungen. Wir verstehen uns als Gruppe mit einer deutschen und einer internationalen Organisation. Mit den Standbeinen Touristik und Business Travel sind wir ein starkes Netzwerk und das werden wir auch bleiben. Unsere LCC-Partner sind in der Regel deutlich größer als Reisebüros anderer Vertriebssysteme und haben meist mehrere Betriebsstellen. LCC-Büros in Deutschland beschäftigen über 2.500 Mitarbeiter und haben im Schnitt große Umsatzvolumina.

Das heißt, LCC soll deutlich größer werden?

Ja, wir wachsen mit unserer LCC Reisebüro AG, die Reisebüros kauft. Und wir versuchen, starke Franchisebüros anderer Organisationen von den Vorteilen unseres Systems zu überzeugen.

Wie viele Reisebüros haben Sie schon gekauft?

Die LCC Reisebüro AG hat bis heute sieben Büros übernommen. Wir stehen in Verhandlungen für weitere Zukäufe. Eine Kapitalerhöhung ist auf den Weg gebracht und liefert die Grundlage für die weitere Expansion.

Im Januar haben Sie ausgewählte Reisebüros der Konkurrenz angeschrieben, die Sie gerne für sich gewinnen wollen. Was ist daraus geworden?

Die Reaktionen waren positiv, die Gespräche laufen. Alles in allen glauben wir, dass wir in naher Zukunft weiter wachsen können. Weitere 10 bis 15 Büros kann das System noch vertragen.

Womit wollen Sie die Reisebürounternehmer von einem Wechsel überzeugen?

Wir haben eine schlüsselfertige Plattform und sind eine starke Gemeinschaft. Vor allem in der Technik haben wir einen Vorsprung und bieten allen Partnern eine positive Leistungsbilanz.

Inwiefern?

Nehmen Sie Bridge-IT. Mit unserer Multi-Source-Plattform haben wir als eine der ersten Reisebüroorganisationen Airline-Systeme direkt angebunden. Unsere Franchise-Partner können damit zum Beispiel alle Tarife von Lufthansa und Eurowings buchen. Vor allem für unsere Business-Travel-Büros ein großer Vorteil. Seit kurzem ist über die Bridge-IT zudem das volle Mietwagenportfolio buchbar, die erste Bettenbankanbindung folgt in Kürze.

Was noch?

Unsere Plattform ist keine Einbahnstraße, sie vernetzt auch die Franchisepartner untereinander. Dadurch entsteht in der LCC Group heute schon viel Geschäft mit Eigenveranstaltungen. Zum Beispiel durch unser Global Incoming Network, kurz GIN. Wenn ein Büro in Berlin die Philharmoniker nach Shanghai bringen soll, dann kann das LCC-Büro dort das komplette Incoming übernehmen. Fast 100 unserer Büros arbeiten bei GIN mittlerweile mit. Mit unserem Lima-Gruppen-Tool, das Kontingente verwalten kann, organisieren unsere Franchisepartner jeden Tag rund 30 Reisen, die dann von allen LCC-Büros gebucht werden können. Ein LCC-Partner hat sich auf Antarktis-Kreuzfahrten spezialisiert. Es handelt etwa mit Hapag-Lloyd Cruises Kontingente, Konditionen und exklusive Services für seine Gäste aus und stellt diese Reisen dann über Lima auch anderen LCC-Büros zur Verfügung. So haben viele LCC-Büros neben dem Corporate- und Leisure-Geschäft weitere Standbeine, die sie in die Gruppe einbringen. Ein Büro hat sich auf Krankentransporte spezialisiert. Andere sind als Eventagentur erfolgreich oder im Bereich Luxusreisen. Wir bieten hier einen großen B2B-Marktplatz. Zudem haben wir mit dem Fyne Travel Konzept ein weiteres Vertriebskonzept im Luxussegment geschaffen und werden dies weiter ausbauen.

Am Freitag lesen Sie im Teil 2 des Interviews, wo Markus Orth Versäumnisse der Reisebranche bei der Digitalisierung sieht und wie Reisebüros gegen die Online-Riesen bestehen können.

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