Reisesuche verschiebt sich vom Zielort zum Reisewunsch
Erez Bousso (Foto), Chef des IT-Start-ups Move, das hierzulande unter der Marke Holiday Heroes auftritt, sieht die klassische Suche nach Reiseziel und Termin als Auslaufmodell. Viele Kunden starteten ihre Urlaubsplanung heute mit Wünschen, Stimmungen und flexiblen Vorgaben, sagt er. KI beschleunige diesen Wandel.
Move
Erez Bousso sieht einen Wandel von klassischen Reisesuchen zu intentionsbezogenen Systemen
Die Reisebuchung verschiebt sich nach Einschätzung von Bousso, dem Gründer und CEO des israelischen IT-Start-ups Move und der Tochtergesellschaft Holiday Heroes, von der klassischen Suche zur Beschreibung eines Reisewunsches. Kunden kämen seltener mit einem festen Ziel und einem konkreten Termin auf eine Plattform, erklärte er beim Jubiläumsevent des IT-Dienstleisters CFM in Seligenstadt. Sie formulierten vielmehr, was sie erleben wollten: "warm, nicht zu touristisch, flexibel im August, passend für Kinder eines bestimmten Alters".
Bousso sprach von einem Wandel, der bereits vor einigen Jahren begonnen habe und durch KI nun deutlich beschleunigt werde. Die Branche arbeite jedoch vielfach noch mit Systemen, die für eine andere Logik gebaut seien. Suchmasken fragten nach Ziel, Datum und Zimmerzahl. Viele Nutzer wollten aber zunächst keine Entscheidung über ein Ziel treffen.
Nur wenige Nutzer starten mit festem Ziel
Holiday Heroes stützt diese Einschätzung auf eigene Daten aus B2C- und B2B-Buchungen. Demnach seien 47 Prozent der Nutzer beim Reiseziel flexibel. Weitere 31 Prozent hätten zwar feste Reisedaten, aber kein festes Ziel. Nur 15 Prozent starteten mit fixer Destination und festem Termin.
Für Bousso ist das ein Kernproblem der heutigen Infrastruktur. Sie sei im Wesentlichen für diese 15 Prozent gebaut. Die Mehrheit der Nutzer suche anders. Sie liefere kein Suchwort, sondern ein Briefing. Dieses Briefing enthalte Emotionen, Wünsche und Einschränkungen.
Holiday Heroes habe diese Entwicklung schon 2022 beobachtet. Nutzer seien in einer Sitzung mehrfach auf die Startseite zurückgekehrt und hätten immer wieder das Reiseziel geändert. Daraus sei die Entscheidung entstanden, die klassische Suchbox zu entfernen und stärker nach Reiseabsichten zu fragen.
Nach Angaben von Bousso stieg die Online-Conversion, also die Umwandlung von Suchen in Buchungen, bei Pauschalreisen im eigenen System von 0,5 Prozent in der klassischen Suche auf 1,2 Prozent, nachdem Holiday Heroes auf einen absichtsbasierten Ablauf umgestellt hatte. Mit generativer KI und natürlicher Sprache erreiche das Unternehmen inzwischen vier Prozent.
Reisebüros nutzen KI anders als Endkunden
Der Chef des Start-ups unterscheidet deutlich zwischen Endkunden und Reiseprofis. Reisende beschrieben ihre Wünsche emotionaler und oft schrittweise. Sie begännen etwa mit einer kurzen Vorgabe und entwickelten die Suche im Dialog weiter.
Reisebüros formulierten dagegen deutlich konkreter. Sie nutzten KI stärker wie ein Formular und lieferten früh viele Anforderungen für den Kunden mit. Daraus folge, dass ein KI-Produkt für B2C nicht automatisch für B2B passe. Im Reisebüro gehe es stärker um Effizienz, klare Vorgaben und schnelle Umsetzbarkeit. Bei Endkunden gehe es zunächst um Inspiration und Dialog.
Christian Schmicke
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