20. Februar 2026 | 20:45 Uhr
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Neue Dehoga-Chefin fordert Tempo bei Bürokratieabbau

Jana Schimke (Foto) ist seit Anfang 2026 Hauptgeschäftsführerin des Dehoga. Im Interview mit Hotel vor9 spricht die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete darüber, mit welchen Themen sie den Dialog mit der Politik sucht – und darüber, dass sie den Verband perspektivisch erneuern will.

Jana Schimke

Hat die Verantwortung bei Dehoga übernommen: Jana Schimke

Frau Schimke, der Dehoga hat zum Jahresende die sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie erfolgreich durchgesetzt. Mit welchen Themen gehen Sie nun in den Dialog mit der Politik?

Jana Schimke: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Politik immer Interesse an gesamtgesellschaftlichen Lösungen hat. Es geht darum, dass die gesamte Wirtschaft profitiert. Hier setzen wir an. Etwa beim Thema Arbeitszeitflexibilisierung, das nicht nur Gastronomie und Hotellerie tangiert, sondern auch bei vielen anderen Wirtschaftsverbänden ganz oben auf der Agenda steht. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, einen Entwurf für eine Wochenarbeitszeit vorzulegen. Diesen Prozess werden wir eng begleiten und unsere Interessen einbringen.

Was sind weitere Forderungen an die Politik?

Natürlich auch der Bürokratieabbau. Hier gilt es, viele unnötige Regelungen abzuschaffen oder Schwellenwerte neu festzulegen, um beispielsweise die Zahl der vorgeschriebenen Betriebsbeauftragten zu reduzieren. Zudem werden wir intensiv auf das Thema Ernährung schauen: Eine Tierhaltungskennzeichnungspflicht auf Speisekarten ist sinnfrei, wird von den Gästen nicht nachgefragt und schafft Bürokratie und neue Regulierung mitten in Deutschlands schwerster Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine solche Regelung lehnen wir ab.

Die Hotellerie in Deutschland blickt trotz hoher Übernachtungszahlen auf eine schwierige wirtschaftliche Lage in vielen Betrieben. Wie erklären Sie das?

Ein differenzierter Blick in die Zahlen des Statistischen Bundesamtes offenbart das Problem. Zwar wurde mit knapp 500 Millionen Übernachtungen im Jahr 2025 ein neuer Rekord erzielt, doch im Detail betrifft das vor allem das Segment der Campingplätze. Dort gab es ein Plus von 4,2 Prozent, während die klassische Hotellerie einen Rückgang von 0,4 Prozent verzeichnete. Praktisch findet also kein Wachstum statt. Betrachtet man den Zeitraum seit 2019, liegt das Plus im Beherbergungsgewerbe über sechs Jahre hinweg lediglich bei 0,4 Prozent. Das sind keine guten Werte, entsprechend ist die Lage in vielen Betrieben angespannt.

Im europäischen Vergleich sind deutsche Hotelpreise auffallend niedrig. Woran liegt das?

Hier spielen sicher auch kulturelle Faktoren eine Rolle. Während bei unseren europäischen Nachbarn für Genuss gerne mehr ausgegeben wird, investieren die Deutschen in Bürokratie, Steuern und Abgaben. Es ist teuer, in Deutschland Unternehmer zu sein. Wenn Betriebe in Schwierigkeiten geraten, liegt das auch an staatlichen Rahmenbedingungen. Das darf nicht sein und da setzen wir als Dehoga an.

Der Hotelverband IHA kämpft seit über einem Jahrzehnt gegen die Vormachtstellung von Booking und hat dabei wichtige Urteile im Sinne der Hoteliers erwirkt. Wie blicken Sie auf diese Auseinandersetzung?

Der Fall Booking zeigt – ähnlich wie das neue Thema KI –, dass Regulierung hinter der technologischen Entwicklung zurückbleibt. Das führt zu Verwerfungen und, wie im Fall Booking, zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Technischer Fortschritt ist wichtig, aber Fairness darf nicht auf der Strecke bleiben. Es darf keine ungerechtfertigten Abhängigkeiten oder Knebelverträge geben. Für die Politik ist das ein vergleichsweise neuer Bereich. Was die Zusammenarbeit mit dem IHA angeht: Die Interessenvertretung im Fall Booking.com wird vom Hotelverband wahrgenommen, wir bilden das Dach, sind der Verband für alle Segmente. Deshalb stimmen wir uns täglich ab.

Der Dehoga ist zweifelsohne der größte Verband für die Gastronomie und Hotellerie. In Berlin buhlen jedoch immer mehr Initiativen, etwa die Lobbyorganisation DZG-Gastwelt, um die Aufmerksamkeit der Politik. Wie gehen Sie damit um?

Ich rate davon ab, andere Organisationen zu verteufeln. Vielfalt belebt das Geschäft und bietet die Möglichkeit zur kritischen Selbstprüfung. Der Dehoga ist der Arbeitgeberverband der Branche. Hier werden Tarifverträge geschlossen und Gesetzgebung flankiert – das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Dehoga. Trotzdem werde ich mit anderen Initiativen das Gespräch suchen. Sich aus dem Weg zu gehen, bringt niemanden weiter.

Wann wird es einen Strategieplan geben, mit dem Sie den Dehoga erneuern und in die Zukunft führen wollen?

Ich bin jetzt im zweiten Monat meiner Tätigkeit. Die Analyse unserer Strukturen nimmt derzeit viel Raum ein, außerdem führe ich zahlreiche Gespräche. Es wird den Zeitpunkt geben, an dem wir eine Strategie für die Zukunft vorstellen. Ein Gerüst dafür habe ich durchaus im Kopf, doch für die Veröffentlichung braucht es noch etwas Zeit.

 Das Gespräch führte Pascal Brückmann

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