26. Januar 2026 | 07:00 Uhr
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Tourismus in Kuba zwischen Krise und Hoffnung

Die Karibikinsel hat gerade das schlechteste Tourismusjahr seit zwei Jahrzehnten durchlebt, die Gäste bleiben aus. Trotzdem gibt es zumindest Hoffnung, dass die neue Direktflugverbindung ab Frankfurt sowie die überraschende Währungsreform künftig wieder mehr Touristen aus Deutschland zur Buchung einer Kubareise bewegt.

Havanna Kuba Capitolio

Wolken über den Capitolio, dem Wahrzeichen von Havanna

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Hochrechnungen zufolge werden 2025 insgesamt nur rund 1,8 Millionen Gäste die Insel besucht haben, der niedrigsten Wert seit dem Jahr 2003. Vor der Pandemie zog Kuba noch 4,7 Millionen Besucher jährlich an. Besonders dramatisch fällt der Einbruch bei deutschen Urlaubern aus: Von Januar bis November 2025 reisten laut kubanischer Statistik nur noch 30.945 Deutsche ein, während es im Vorjahreszeitraum noch 59.641 waren. Ein Rückgang von nahezu 50 Prozent. Wie viel touristisches Potenzial in der Region eigentlich steckt, zeigt ein Blick auf die Nachbarinsel: Die Dominikanische Republik verzeichnete im abgelaufenen Jahr mit 11,6 Millionen Besuchern sogar einen neuen Rekord.

TUI und Condor haben sich zurückgezogen, neue Anbieter übernehmen

Für Kuba war die Nachrichtenlage für den deutschen Markt zuletzt gemischt. TUI hat die Karibikinsel mit Wirkung der Sommersaison 2026 aus dem Programm gestrichen, bereits 2025 hatte sich Condor aus dem Kuba-Geschäft zurückgezogen. Umso wichtiger, dass Cubana de Aviación im Dezember 2025 nach über 20 Jahren wieder Direktflüge von Frankfurt aufgenommen hat. Zudem will mit Falk Travel wieder ein deutscher Veranstalter neues Geschäft mit Havanna wagen, zum Neustart sind bei dem Reiseveranstalter zunächst 34 Hotels buchbar.

Dabei kommt auch die Cubana-Verbindung zum Einsatz. Sie operiert wöchentlich nach Holguin mit Weiterflug nach Havanna, während samstags ein Nonstop-Flug in die Hauptstadt angeboten wird. Durchgeführt werden die Flüge mit einer A330-200 der spanischen Plus Ultra, die 287 Passagieren Platz bietet. Noch sind die Flieger nur leidlich ausgelastet. Umso wichtiger, dass die Airline bis dato stabil operiert und wohl auch im Sommer die Verbindung durchfliegen will. Alternativ lässt sich Kuba mit Air France, Iberia oder Air Europa mit einem Umstieg erreichen.

Trotz Energiekrise wird die touristische Infrastruktur bestmöglich versorgt

Die wirtschaftliche Lage des Landes gilt als die schwerste seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Derzeit kann Kuba nur etwa die Hälfte seines Strombedarfs decken, seit Ende 2024 kam es bereits zu fünf landesweiten Blackouts. Außerhalb des Zentrums von Havanna gehören Stromabschaltungen von bis zu 20 Stunden zum Alltag der Bevölkerung. Hinzu kommen eine hohe Inflation sowie ein chronischer Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten. Auch stapeln sich in den Straßen mitunter die Müllberge, weil der Unrat nur noch selten abtransportiert wird.

Für Urlauber relativieren sich diese Einschränkungen allerdings erheblich: Die meisten Hotels haben sich längst mit eigenen Generatoren ausgestattet und können eine zuverlässige Versorgung gewährleisten. Auch viele private Vermieter und Restaurantbetreiber haben in Notstromaggregate investiert. Bei der Treibstoffversorgung werden ausländische Mietwagenfahrer an den Tankstellen bevorzugt behandelt und erhalten in der Regel den benötigten Sprit.

Neue Wechselkurse machen das Reisen einfacher

Eine spürbare Verbesserung für Urlauber ist noch ganz frisch und wirkt sich direkt im Geldbeutel aus: Der kubanische Staat führte im Dezember 2025 überraschend legale Umtauschmöglichkeiten zu realistischen Kursen ein. Zuvor hatten starre staatliche Wechselkurse Touristen gezwungen, ihre Devisen zu extrem ungünstigen Konditionen einzutauschen oder auf den Schwarzmarkt auszuweichen, gerade für unerfahrene Reisende keine realistische Option. 

Kuba Havanna Placa Vieja

Doch ab sofort können Besucher in Wechselstuben an Flughäfen und in großen Hotels ihre Euro oder Dollar zu akzeptablen Kursen tauschen und profitieren damit nun auch von den günstigen Preisen im Land. Zu beachten ist aber weiterhin, ausreichend Bargeld mitzubringen. Die Geldautomaten sind häufig nicht ausreichend bestückt, Kreditkartenzahlungen mitunter nur eingeschränkt möglich.

Gerade für Rundreisende bleibt Kuba ein besonderes Urlaubsziel

Trotz aller Herausforderungen hat Kuba insbesondere für erfahrene Reisende viel zu bieten. Das Land ist Reich an Kultur und Natur und gilt als ausgesprochen sicher. Ernsthafte Delikte gegen Touristen sind sehr selten. Auch fallen die Lebenshaltungskosten für Urlauber überschaubar aus: Ein Essen in einem privaten Restaurant kostet selten mehr als zehn Euro, den kubanischen Mojito gibt es bereits für ein bis zwei Euro. Zudem darf man Kuba inzwischen als den Gegenpol zu den hoffnungslos überfüllten und immer gleichförmigeren Reisezielen in aller Welt bezeichnen. 

Christoph Blaha, der seit 18 Jahren vor Ort für den Freiburger Spezialveranstalter Aventoura tätig ist, erwähnt einen weiteren Aspekt, der für Kuba spricht: die Menschen vor Ort. "Obwohl das Leben für viele Kubaner immer beschwerlicher geworden ist, haben die meisten nichts von ihrer Herzlichkeit gegenüber Besuchern verloren. Es sind gerade diese Begegnungen, die einen Urlaub hier so besonders machen." Um auf die schwierige Marktlage zu reagieren, hat Aventoura die Durchführungsgarantie für Gruppenreisen inzwischen auf vier Personen gesenkt. Selbst bei nur zwei Teilnehmern wird die Rundreise auf Wunsch gegen einen geringen Aufpreis durchgeführt. 

Neben den klassischen Strandhotels, etwa in Varadero, ist das Angebot an alternativen Unterkünften im Land extrem vielfältig: Reisende finden überall im Land sogenannte Casa Particulares, privat geführte Gästehäuser und Apartments, die oft gut ausgestattet sind und zu günstigen Preisen vermietet werden. Diese Unterkünfte ermöglichen nicht nur einen authentischen Einblick in den kubanischen Alltag, sondern bieten auch eine willkommene Alternative für Gäste, die abseits der großen Hotelkomplexe übernachten möchten.

Pascal Brückmann

Lesen Sie in den nächsten Tagen, wie sich die großen Hotelgesellschaften wie Iberostar und Meliá in Kuba aufgestellt haben.

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