23. April 2019 | 08:50 Uhr
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310 Tote durch Anschläge auf Hotels und Kirchen in Sri Lanka

Unter den Opfern sollen sich mindestens 39 ausländische Touristen befinden, auch ein Deutsch-Amerikaner. Deutsche Veranstalter haben über tausend Gäste im Land und zeigen sich kulant. Das Auswärtige Amt mahnt zur Vorsicht. Hinter den insgesamt acht Bombenattentaten sollen einheimische Islamisten stecken. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen.

Sri Lanka Colombo Straßenszene Foto iStock Foto Aliona.jpg

Straßenszene in Sri Lankas quirliger Hauptstadt Colombo, wo vier Hotels Ziel der Anschlagsserie waren.

Betroffen von der Anschlagsserie am Ostersonntag waren vier Hotels und vier katholische Kirchen. In Colombo waren das Shangri-La-Hotel, das Cinnamon Grand Hotel, das Kingsbury Hotel und ein kleines Hotel im Vorort Dehiwala-Mount Lavinia betroffen. Die meisten Menschen starben bei den Bombenexplosionen in Kirchen in Colombo, Negombo und Batticaloa. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 310 gestiegen, mehr als 500 wurden verletzt, meldet die Süddeutsche Zeitung.

Offenbar ist die Gefahr noch nicht gebannt. An der zentralen Busstation in Colombo wurden gestern zahlreiche Zünder für Bomben entdeckt. Eine Autobombe in der Hauptstadt explodierte, als Fachleute versuchten, sie zu entschärfen, berichtete die FAZ.

TUI-Gäste wollen bleiben

„Alle rund 150 deutschen TUI-Gäste in Sri Lanka sind wohlauf und möchten ihren Urlaub fortsetzen“, heißt es aus Hannover, nachdem alle Kunden vor Ort per SMS kontaktiert wurden. „Wir haben von unseren Gästen keine vorzeitigen Rückreisewünsche erhalten. Eine vorzeitige Heimreise hätten wir für unsere Gäste kostenfrei organisiert“, so TUI auf Anfrage von Reise vor9. Auch in den deutschen Callcentern sei es ruhig. „Wir haben bis dato nur eine Anfrage von besorgten Gästen erhalten, die von ihrem geplanten Urlaub zurücktreten wollten“, heißt es weiter. TUI-Urlauber mit Anreise bis heute könnten ihre Sri-Lanka-Reise kostenlos umbuchen oder stornieren.

DER Touristik passt Rundreisen an

DER Touristik hat derzeit eine „knapp vierstellige Zahl von Gästen im Land“, so der Veranstalter auf Nachfrage. „Alle Gäste sind wohlauf.“ Gästen, die vorzeitig abreisen möchten, sei man selbstverständlich behilflich. „Wir gewähren kostenfreie Umbuchungen und Stornierung für Abreisen bis zum 24. April.“ Das Ausflugsprogramm nach Colombo habe man bis auf Weiteres eingestellt, so DER Touristik.

Thomas Cook rechnet mit Einschränkungen

Thomas Cook hat die betroffenen Hotels in Colombo im Programm. „Allerdings haben wir aktuell keine Gäste in den Häusern untergebracht“, so eine Pressesprecherin. Auch in den nächsten Tagen seien keine Anreisen geplant. „Wir rechnen aktuell mit erheblichen Einschränkungen vor Ort. Gäste, die sich in Colombo und Umgebung befinden, sind dazu aufgefordert, in den Hotels zu verbleiben.“ Aktuell seien mehrere hundert Gäste in Sri Lanka unterwegs. „Rückreisewünsche vor Ort werden kulant behandelt.“ Rundreisen habe man entsprechend der Sicherheitslage vor Ort angepasst, so Thomas Cook. Für alle Sri-Lanka-Abreisen bis einschließlich heute lässt Thomas Cook kostenlose Stornierungen zu.

Von Anschlagsorten fernhalten

Das Auswärtige Amt hat seinen Reise- und Sicherheitshinweise für Sri Lanka verschärft und fordert Reisende auf, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, den Anweisungen der örtlichen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten. In den zwei vergangenen Nächten galt in Sri Lanka eine Ausgangssperre, die eventuell verlängert wird.

In ganz Sri Lanka sei mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen und verstärkten Kontrollen zu rechnen, insbesondere im Bereich der Airports. „Flugreisende sollten spätestens vier Stunden vor Abflug am Flughafen eintreffen. Nach Auskunft der Flughafenbehörde sind Fahrten zum Flughafen mit gültigem Reisepass und Flugticket trotz Ausgangssperre erlaubt“, schreibt das Auswärtige Amt.

Thomas Hartung

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