11. August 2022 | 20:38 Uhr
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Worauf Reisebüros bei LGBT-Kunden achten sollten

Heidi Thalmeier (Foto) ist Reiseverkehrskauffrau, Betriebswirtin und ehemalige Studiosus-Mitarbeiterin. Sie hat sich 2017 mit der Gründung von Go Holidate selbstständig gemacht, mit dem Ziel schwul-lesbischen Reisenden Urlaub abseits des Mainstreams anzubieten. Warum ein Online-Reisebüro für sie von Anfang an das Richtige war, erzählt sie Counter vor9.

Thalmeier Heidi GF Go Holidate Foto Go Holidate

Heidi Thalmeier setzt mit Go Holidate voll auf die Zielgruppe der LGBT-Reisenden

"Nach 20 Jahren als Angestellte im Tourismus wollte ich eigene Ideen verwirklichen", sagt Thalmeier. Die Touristikerin ist bestens vernetzt in der LGBT-Community und weiß, was die Zielgruppe im Urlaub sucht. Wobei auch das sehr unterschiedlich sei, bisweilen könne man Trends am Alter festmachen. Da gebe es die Jungen, die klassisch Partyurlaub machen wollten, und die etwas Älteren, die dann Kulturreisen wollten. Alles wie sonst auch, nur dass hier die Gruppenreise mit Gleichgesinnten gesucht werde. In dem Fall mit schwul-lesbischen Teilnehmern, das sei den Menschen wichtig, erzählt Thalmeier. Dennoch sei die Zielgruppe alles andere als homogen.

Angebote nur für Frauen sind rar
Es gebe zum Beispiel wenige Hotels die explizit auf Frauen als Zielgruppe gehen, das sei für Männer anders – es gebe einen breiten Markt an Gay-only-Hotels in beliebten Destinationen. Viele ihrer männlichen Kunden achteten darauf, dass Häuser nicht nur Gay friendly ausgewiesen sind, was viele als Marketing-Label nutzten. Gay only oder noch besser von Mitgliedern der LGBT-Community geführte Unterkünfte seien gefragter, weil authentischer. Zudem achteten Männer darauf, dass sie in Erwachsenen-Anlagen gehen, um Familien mit Kindern zu vermeiden. Go Holidate bekomme auch häufig Anfragen von lesbischen Paaren, die vielleicht gerade Nachwuchs bekommen oder adoptiert haben. Die wollten dann meist in Hotels nur für Frauen, weil sie Ruhe und Diskretion suchten.

Lokale Guides geben Sicherheit
Sie habe Go Holidate 2017 gegründet, weil sie lockere Gruppenreisen für Schwule oder Lesben anbieten wollte. "Ich wollte nicht einfach das übliche Reisebüro aufmachen, ich wollte die spezielle Zielgruppe ansprechen", sagt die erfahrene Touristikerin. Gerade kürzlich habe Go Holidate die Hochzeitsreise eines schwulen Paars nach Kolumbien organisiert, da müsse man bei der Auswahl der Locations sehr darauf achten, dass sich die Gäste sicher fühlen können. Dazu arbeite sie mit Agenturen im Land, die zum Beispiel auch LGBT-Guides an die Hand geben. Die kennen wiederum die Szeneviertel, Diskotheken oder eben Gastgeber vor Ort persönlich aus eigener Erfahrung.

Nicht nur LGBT-freundliche Länder als Ziele
Bei der Auswahl der Länder gebe es an sich keine Grenzen. "Ich würde nicht generell davon abraten, in auf den ersten Blick ungeeignete Ziele zu fahren", sagt Thalmeier. Sie biete Destinationen, die etwa wegen des religiösen Hintergrunds kritisch seien, trotzdem an. Es bedürfe dann einer längeren Aufklärung über Dos and Don’ts, der rechtliche Rahmen sollte klar sein.

Online-Reisebüro für Thalmeier die ideale Plattform
Ein Ladenlokal kam für die Inhaberin des Veranstalters und Reisebüros Go Holidate nicht in Frage, zumal die Zielgruppe viel online unterwegs sei, wie sie erklärt. Das Internet biete nun mal Anonymität, die Kunden müssten sich nicht outen. Gerade auf dem Land gebe es immer noch Probleme für queere Menschen ohne Outing, die könnten ja nicht einfach zum Reisebüro im Ort gehen. Auch habe sie Kunden, die noch verheiratet seien oder eben nicht wollten, dass die Familie etwas mitbekomme von der sexuellen Orientierung.

Sabine Schreiber-Berger

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