5. Oktober 2023 | 22:07 Uhr
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Wie "Eat Pray Love" den Bali-Ort Ubud verändert hat

Früher ein Muss für jeden Bali-Urlauber: Ein Aufenthalt in Ubud. Auf 74.000 Einwohner kommen mittlerweile drei Millionen Besucher im Jahr, Tendenz steigend. Der Verkehr nimmt zu, die Luft wird schlecht. Was Einheimische denken und wie Toyota Abhilfe schaffen will, das erklärt Euch Reisebürocoach Saskia Sanchez in einer neuen Folge unserer Umweltserie.

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"Seit dem Kinohit 'Eat Pray Love' kommen spürbar mehr Touristen", sagt Taxifahrer Wayan. "Ubud hat sich stark verändert." Im Zentrum reiht sich ein Restaurant, Café, Klamotten- und Souvenirladen an den nächsten. Dazwischen Spas und Hostels, nur ab und zu sieht man einen typischen Warung, ein balinesischer Imbiss, oder einen Laden für Einheimische. Der Ort hat sich komplett dem Tourismus verschrieben, wer hier vor 15 Jahren das letzte Mal war, wird ihn nicht wiedererkennen.

Ob ihm die Veränderung gefällt, frage ich Wayan. Er überlegt und sagt diplomatisch: "Mehr Touristen, mehr sitzen im Auto, aber Arbeit." Vom südlich des Affenwaldes gelegenen Hotel fährt er den Shuttle ins Zentrum. Für die Strecke von Luftlinie gerade mal 700 Meter, braucht er tagsüber gut eine halbe Stunde. Die Straßen sind sehr schmal und oft in schlechtem Zustand, die Autos werden immer größer und breiter. 

Bürgersteige gibt es, aber die sind reine Stolperfallen, zugeparkt mit den Mopeds der Angestellten. Alle fahren hier, niemand geht längere Wege zu Fuß. Die tausenden Angestellten der Läden und Hotels, die jeden Tag von außerhalb ins Zentrum kommen, düsen mit dem Moped, so wie immer mehr Touristen. Das macht was den Verkehr dicht und die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf zehn Stundenkilometer. 

Es gibt öffentliche Busse, aber die stecken auch im Stau fest und gelten deshalb als unzuverlässig. Also fährt man selbst. Auch in Wayans Familie gibt es pro Person ein Moped, damit alle jederzeit zur Schule, zum Einkaufen oder zum Sport fahren können. Seit geraumer Zeit versuchen die Balinesen das durch den Overtourism entstandene Verkehrschaos in den Griff zu bekommen, denn es sorgt nicht nur für Staus, auch die Luftqualität ist schlecht und immer mehr Einheimische leiden an Atemwegsproblemen. 

Verbesserung erhoffen sich alle nun von einem Elektromobilitätsprojekt, das mit 1,7 Millionen US-Dollar von der Toyota Stiftung finanziert wird und seit September sechs Monate lang läuft. Zehn elektrische Shuttle-Busse fahren kostenfrei bestimmte touristische Punkte in Ubud ab. Per App kann man Ein- und Ausstieg wählen und los geht’s. Die Regierung hofft damit langfristig, die Taxi- und Moped-Flut einzudämmen und die Luftverschmutzung zu reduzieren. 

Shuttle-Fahrer Wayan findet die Aktion grundsätzlich gut. "Weniger Verkehr, nicht mehr so viel im Auto sitzen", sagt er. Angst dadurch seinen Job zu verlieren hat er nicht. Sein Hotel liegt außerhalb der Elektrobusrouten.

Du hast Anregungen, Kritik oder eine gute Idee fürs Klima? Dann schreib' uns: redaktion@gloobi.de

Sanchez Saskia Reisebürotrainer Foto privat.jpg

Saskia Sánchez ist freiberufliche Trainerin und Dozentin in der Tourismusbranche. Sie hat über 30 Jahre Erfahrung am Counter und arbeitete unter anderem für TUI, Windrose und Atmosfair. Auf einer Inforeise durch Namibia 2012 wurde sie Fan von nachhaltigem Tourismus und Klimaschutz, seitdem macht sie sich für das Thema stark.
 

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