21. Juni 2019 | 07:00 Uhr
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Wie der Aerticket-Chef mit den Airlines abrechnet

Aus seiner Sicht gebe es bislang keinen einzigen Mehrwert, den die Fluggesellschaften mit dem neuen Datenformat NDC angeboten hätten, sagte Rainer Klee (Foto), der Geschäftsführer des Consolidators beim DRV Distribution Day in Frankfurt. Sämtliche Ancillaries wie Sitzplatzreservierungen oder Essen seien auch über die GDS buchbar.

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Hält NDC nicht für den großen Wurf: Aerticket-Chef Rainer Klee

Rainer Klee liebt die Provokation. Und so nutzte er einen Impulsvortrag, den er bei der DRV-Veranstaltung zum Thema NDC hielt, um mit der Produkt- und Vertriebspolitik der Airlines hart ins Gericht zu gehen. Die Strategie, mit der Fluggesellschaften Innovationen vorantreiben, beschrieb Klee so: "Ich nehme dem Kunden die freie Sitzplatzreservierung weg, ich nehme dem Kunden das freie Gepäckstück weg, ich nehme ihm Essen und Getränke weg und führe eine noch schlechtere Boarding-Gruppe ein oder nehme Geld für frühes Boarding. Und dann nehme ich meinen besten Vielflieger-Kunden noch den Lounge-Zugang weg."

So würden aus früheren Qualitäts-Airlines Low-Cost-Carrier, fasst der Aerticket-Chef zusammen, der nach eigenem Bekunden mehrmals in der Woche mit dem Flugzeug unterwegs ist – in Europa ebenso wie auf anderen Kontinenten. Angesichts dieses Urteils verwundert es nicht, dass Klee auch mit der NDC-Strategie der Fluggesellschaften, die in erster Linie auf den Verkauf früher im Reisepreis enthaltener Leistungen abzielt, wenig anfangen kann. Sei eigenes Unternehmen habe zwar früh an der Integration von NDC-Content gearbeitet – zu früh, wie der Consolidator-Chef heute meint. Man habe den Aufwand und die Fallstricke, die dabei aufgetreten seien, unterschätzt. Zudem habe NDC nicht zur Einführung neuer, kundenorientierter Services geführt, sondern im Gegenteil den Qualitätsverfall eher beschleunigt.

Reisebüroerlöse nur über Servicegebühr

Auch dass Reisebüros von Zusatzverkäufen durch NDC in größerem Umfang profitieren könnten, glaubt der Airline-Profi nicht. In Ermangelung einer Vergütung durch die Airlines müssten sie für ihre Verkäufe zusätzliche Servicegebühren kassieren, analysiert er. Damit werde die Kluft zwischen den Tarifen, die zum Beispiel auf der Lufthansa-Website verfügbar seien, und denen der Reisebüros noch größer.

Immerhin: Eine Airline kann Klee ausmachen, die nach wie vor auf eine transparente Vertriebspolitik setze: Den US-Carrier Southwest. Dieser werbe zu Recht damit, dass sich hinter seinen günstigen Tarifen keine versteckten Gebühren verbergen würden.

Christian Schmicke  

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