29. März 2019 | 08:00 Uhr
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Reisebüros zwischen Beratungsgebühr und Rückvergütung

Angesichts schwindender Margen und unbezahlter Mehrarbeit, zum Beispiel bei Flugausfällen und Airline-Pleiten wäre es eigentlich an der Zeit, Kunden die Beratung in Rechnung zu stellen. Darin waren sich die Teilnehmer des DRV-Reisebürotages einig. Skepsis herrschte allerdings, ob sich Beratungsentgelte durchsetzen lassen.

DRV Reisebürotag

Volles Haus und lebhafte Diskussionen: DRV-Reisebürotag 2019 

"Das habe ich schon vor zehn Jahren gesagt", murmelte der frühere Chef der Lufthansa City Center, Klaus Henschel auf seinem Zuschauersitz während der Diskussion aktueller Vertriebsthemen beim Reisebürotag im Düsseldorfer Lindner Hotel am Donnerstag. In der Tat ist das Thema Beratungsgebühr keineswegs neu. Doch angesichts zusätzlicher Belastungen durch das neue Reiserecht und das Chaos im Flugbereich hat es erneut an Brisanz gewonnen. Und so wurde lebhaft diskutiert, ob und wenn ja wie sich Beratungsgebühren im stationären Vertrieb durchsetzen lassen.

Thomas Dippe, Inhaber des gleichnamigen Thomas-Cook-Reisebüros in Potsdam, führte an, dass Gebühren, die in der Schweiz seit Jahren üblich sind, auch in Deutschland kein Ding der Unmöglichkeit seien. Als Vorbild nannte er den Flugbereich, in dem Reisebüros ohne Service Fees kein Geld mehr verdienen und in dem sein Büro das Entgelt gerade erhöht habe. "Die Kunden haben das akzeptiert“, sagt er. Und auch für die Ausarbeitung komplexer Reisewünsche erhebe sein Büro ein Entgelt, das allerdings bei der Buchung verrechnet werde.

Tendenziell zu den Befürwortern von Gebühren zählt auch DRV-Vorstand Andreas Heimann, Chef der DER Reisebüros. Er verweist dabei auf Erfahrungen aus der Schweiz und Österreich. Im preissensiblen Segment und bei einfachen Buchungen werde es allerdings schwierig, den Kunden das zu vermitteln, sagt er.

250 Euro Preisdifferenz jenseits der Schmerzgrenze

Eher skeptisch sieht Reisebüroinhaber Ralf Hieke, der im DRV-Vorstand die mittelständischen Reisebüros vertritt, die Gebührendebatte. Im Flugbereich habe sich die Service Charge zwar durchgesetzt, räumt er ein. Allerdings verschaffe der Aufschlag den Reisebüros zusammen mit der fehlenden Verfügbarkeit mancher Lufthansa-Tarife bei GDS-Buchungen durchaus einen Wettbewerbsnachteil.

Bei Pauschalreisen werde die aktuelle Debatte statt von der Gebührendiskussion gerade von den Gutscheinaktionen von Portalen wie Check 24 und einigen Veranstaltern bestimmt. "Wenn ich dann auch noch eine Beratungsgebühr kassiere, wächst der Preisunterschied von 200 auf 250 Euro", wendet er ein. Das sei für viele Kunden jenseits der Schmerzgrenze. Hinzu komme, dass man sich auch gegenüber anderen Reisebüros schnell aus dem Wettbewerb schieße, wenn diese den Aufpreis für Beratung nicht erheben.

Gutschein-Hype bestimmt den Diskurs 

Die breite Debatte um Gutscheine und Rückvergütungen entpuppt sich als zusätzlicher Hemmschuh für den Versuch, mit Beratungsgebühren die Reisebürokasse aufzubessern. "Ich bin doch schon froh, wenn ich nicht ständig mit der Frage nach Rabatten konfrontiert bin", klagt eine Tagungsteilnehmerin. DRV-Präsident Norbert Fiebig hatte am Morgen in seiner Begrüßungsrede erklärt, der stationäre Vertrieb dürfe sich künftig nicht mehr um jede 299-Euro-Reise bemühen und müsse technisch aufrüsten, um im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus der IT-Sparte zu bestehen. Seinem Ansatz, zu Gunsten der Preisdisziplin auch mal auf den einen oder anderen Umsatz zu verzichten, werden viele Reisebüros unterschreiben. Die Frage, wo die Schmerzgrenze der eigenen Kundschaft in Sachen Preisnachlässe und gebühren liegt, lässt sich allerdings wohl nur individuell beantworten.

Christian Schmicke

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