Airbnb startet noch dieses Jahr mit Hotels in Deutschland
Jesse Stein (Foto), Head of Hotels bei Airbnb, kündigt im exklusiven Interview mit Hotel vor9 den Markteintritt in Deutschland für das neue Hotelsegment noch für dieses Jahr an. Die globale Unterkunftsplattform will gezielt Boutique- und Individualhotels als Partner gewinnen und zunächst in großen Städten ein Hotelportfolio aufbauen.
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Jesse Stein, Head of Hotels bei Airbnb
Jesse Stein kennt beide Seiten. 25 Jahre lang arbeitete er in der klassischen Hotellerie, unter anderem bei Starwood und bei Kimpton Hotels, hier als Vice President Acquisitions and Development. Danach investierte er mehrere Jahre in Hotelimmobilien, bevor er 2020 zu Airbnb wechselte. Bei der Plattform verantwortet er seit Beginn des Jahres als Head of Hotels den Aufbau des gesamten Hotelgeschäfts. In seiner neuen Rolle ist er in diesem Jahr zur ITB nach Berlin gereist und hat eine überraschende Botschaft im Gepäck. "Ich selber war immer mit ganzem Herzen Hotelier. Jetzt bin ich bei Airbnb und kann der Welt sagen: Airbnb liebt Hotels."
Deutschland-Start mit Großstädten noch in diesem Jahr
Aktuell ist das neue Hotelprodukt in fünf Städten live: Los Angeles, San Francisco, New York, Madrid und Paris. Und Stein verspricht: "Wir werden dieses Jahr auch in Deutschland starten." Man werde mit den großen Städten beginnen. Eine konkrete Zahl an Hotels will der Airbnb-Manager nicht als Zielgröße nennen. Es gehe zunächst nicht um Masse, sondern darum, ein Produkt zu schaffen, das für beide Seiten des Marktplatzes funktioniere. Für die Hotelpartner und für die weltweit 650 Millionen Airbnb-Nutzeraccounts.
Auch die Expansion außerhalb von Metropolen etwa in Urlaubsmärkte wie Mallorca sei geplant. Erst kürzlich war Stein persönlich auf der Baleareninsel vor Ort und hat sich einen Eindruck verschafft. Airbnb suche gezielt nach unabhängigen Boutique-Hotels oder Häusern mit regionalem Charakter, erklärt Stein im Gespräch mit unserer Redaktion. Standardisierte Kettenhotels, die in verschiedenen Metropolen mehr oder weniger gleich aussehen, seien nicht das Ziel. "Unsere Kunden kommen zu Airbnb, um einzigartige Erlebnisse zu finden. Ob in einer Ferienwohnung oder künftig eben in einem Hotel", so Stein. Man wolle ausschließlich mit qualitativ hochwertigen Hotels zusammenarbeiten, die zum Markenkern von Airbnb passten.
Keine konkreten Aussagen zu den künftigen Provisionssätzen
Dabei setze Airbnb auf echte Partnerschaft in beide Richtungen, verspricht Stein. Technisch werde die Anbindung über klassische Channel-Manager aufgebaut. Auf die Frage, warum Hoteliers einer weiteren großen Plattform vertrauen sollten, insbesondere angesichts der Marktdominanz von Booking.com, kündigt Stein an, Airbnb werde die Produkt-Roadmap gemeinsam mit den Hotelpartnern entwickeln. "Wir wollen kein Produkt bauen, das nur für eine Seite des Marktplatzes funktioniert", so Stein.
Zu den Provisionssätzen, die Airbnb für Vermittlung von Buchungen von künftigen Hotelpartnern verlangen wird, nennt Stein keine konkrete Zahlen. Nur so viel will er sagen: "Noch kein einziger unserer neuen Partner hat sich über die Provision beschwert. Jeder Partner ist begeistert, unsere Kundenbasis und unsere internationale Nachfrage zu nutzen und seine Erlösströme zu diversifizieren."
Ob Hotels auf Airbnb als eigene Kategorie dargestellt oder gemeinsam mit Ferienwohnungen angezeigt werden, kann Stein noch nicht sagen. Man teste täglich verschiedene Darstellungsformen. Wer aktuell etwa in New York suche, finde bereits Hotels auf unterschiedliche Weise. Das langfristige Ziel sei, mithilfe von KI-gestützter Suche dem Kunden genau das anzuzeigen, was er benötigt. Und künftig immer öfters auch das passende Hotel.
Pascal Brückmann