4. März 2026 | 15:34 Uhr
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Airbnb finanziert Fond von DTV, Hotelbranche protestiert

Airbnb und der Deutsche Tourismusverband (DTV) legen einen gemeinsamen Förderfonds über eine Million Euro für Tourismusprojekte im ländlichen Raum auf. Aus der Hotelbranche kommt massive Kritik an der Kooperation.

Konflikt Streit Fäuste

Hoteliers und Verbände kritisieren scharf den DTV wegen der Kooperation mit Airbnb

Der Fonds trägt den Namen "Natur Momente – Zukunftsfonds Ländlicher Tourismus" und soll laut Airbnb touristische Nachfrage gezielt in den ländlichen Raum lenken. Projektträger wie Kommunen, Tourismusorganisationen, Naturparks sowie kleine und mittlere Unternehmen können sich um Förderungen von bis zu 100.000 Euro bewerben. Die Bewerbungsphase soll von Juni bis Mitte September 2026 laufen, erste ausgewählte Projekte will eine unabhängige Jury im Oktober bekanntgeben. Förderfähig seien Vorhaben mit Naturbezug und hohem Innovationsgrad, die zur regionalen touristischen Entwicklung beitragen, so Airbnb in einer Pressemitteilung.

Airbnb sieht steigende Nachfrage nach Reisen aufs Land

Airbnb begründet die Initiative mit der wachsenden Nachfrage nach ländlichen Reisezielen. Laut dem Unternehmen entfielen 2025 rund 60 Prozent der von Deutschen auf der Plattform gebuchten Inlandsübernachtungen auf Ziele außerhalb urbaner Zentren. Die Suchanfragen nach Naturreisen seien zwischen 2023 und 2025 um 35 Prozent gestiegen. DTV-Präsident Reinhard Meyer verwies auf fast 500 Millionen Gästeübernachtungen im Jahr 2025, davon rund 275 Millionen allein von deutschen Gästen in Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern. Der Tourismus spiele gerade im ländlichen Raum eine wichtige Rolle, um Beschäftigung, Einkommen und Infrastrukturen zu sichern, so Meyer.

Hotelbranche reagiert mit scharfer Ablehnung

Die Kooperation zwischen dem Plattformkonzern und dem deutschen Tourismusdachverband wird von der Hotelbranche jedoch umgehend scharf kritisiert. Hotelexperte Marco Nußbaum schrieb auf Linkedin, die Partnerschaft sei "grotesk". Eine Plattform, die in vielen Städten weltweit "mitverantwortlich für Wohnraumverknappung, steigende Mieten und massive Regulierungskonflikte" sei, trete plötzlich als Förderer des Tourismus auf. Nussbaum warnte: "Plattformen investieren nie ohne eigenes Interesse." Eine Million Euro sei für ein Unternehmen dieser Größe kein Förderprogramm, sondern "Strategie", um "Narrative zu verändern, politische Beziehungen aufzubauen und gesellschaftliche Akzeptanz zu stärken". Er formulierte zugespitzt: "Der Wolf kommt nicht mehr nur im Schafspelz. Er bringt jetzt auch noch einen Förderfonds mit."

Gereon Haumann, Präsident des Dehoga Rheinland-Pfalz, schloss sich der Kritik an: "Das geht gar nicht! Der DTV sollte sich besser für gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen der klassischen Hotellerie und den Airbnb-Angeboten einsetzen." Haumann äußerte den Verdacht, Airbnb versuche mit der Millionenzahlung genau dies zu verhindern. Er verwies zudem auf die Rolle von Airbnb als Hauptsponsor der ITB in Berlin und fragte: "Wo landen wir, wenn wir alle käuflich werden?"

Otto Lindner, Präsident des Hotelverbands Deutschland (IHA), nannte die Kooperation auf LinkedIn "unglaublich" und kritisierte: "Die Kommunen und Gemeinden kämpfen tagtäglich gegen die durch das Geschäftsmodell von Airbnb verursachten Schäden, und der sie vertretende Bundesverband für Tourismus lässt sich bezahlen."

Pascal Brückmann

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