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20. Dezember 2019 | 07:00 Uhr
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Katar ist mehr als ein Stopover-Ziel

Der märchenhaft reiche Wüstenstaat am Persischen Golf versucht sich mit hochkarätigen, globalen Sportveranstaltungen wie die Leichtathletik WM 2019 oder der Fußball-WM 2022, als attraktive touristische Destination zu präsentieren. Tatsächlich hat Katar eine ganze Menge jenseits des Sports zu bieten.

Katar Wüste und Wolkenkratzer Foto iStock Ultramarine5

Das sonnenverwöhnte Emirat ist besonders im Winter ein angenehmer Ort, um Frost und Kälte unserer Breiten zu entkommen. Die Strände sind unberührt, das Wasser angenehm, das Essen vielfältig und gut, die Menschen offen. Das haben schon eine Menge Deutsche festgestellt. 2017 waren unter den 2,3 Millionen Touristen in Katar rund 44.000 Deutsche. 2019 sind es von Januar bis November bereits 79.600 Gäste, eine Steigerung von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Insgesamt ist das Urlaubsland Katar auf stetigem Wachstumskurs. Es gab zwar 2017 einen deutlichen Einbruch, als das Emirat in Konflikt mit seinen Nachbarn geriet, die die Grenzen schlossen. Inzwischen entspannt sich die Lage jedoch wieder. Was Katar so attraktiv macht für deutsche Urlauber, ist die kurze Flugzeit von etwa sechs Stunden. 70 Direktflüge bietet Qatar Airways pro Woche nach Doha an. Auf dem Weg nach Asien ist Doha schon länger eine beliebte Stop-over-Destination. Das soll sich in Zukunft Dank internationaler Sportveranstaltungen und einem attraktiven touristischen Angebot ändern. 

Partnerschaft mit DER-Touristik

Intensive Werbung in Europa und Kooperationen mit Aida-Cruises und mit DER Touristik lassen die Zahl der deutschen Touristen weiter steigen.   

Dabei lassen sich in Katar auch mehr als drei Tage verbringen. Die Wüste lockt mit eindrucksvollen Safaris teils mit traditionellen Übernachtungen in den Dünen oder modernem Camping. Allein schon das Binnenmeer Chaur Al-Udaid, ein einzigartiges Naturschutzgebiet und Kandidat als Unesco-Welterbestätte, ist einen Ausflug wert. Nur an wenigen Orten der Welt dringt das Meer so tief in die Wüste vor.

In Katars Hauptstadt Doha hat sich eine lebendige Kunst- und Kulturszene etabliert. Sie bietet Weltklasse-Museen und internationale Spitzenarchitektur – alles ein wenig wie bei den Nachbarn in den VAE, nur weniger hektisch, überschaubarer und freundlicher. Herausragend ist das von Stararchitekt Ieoh Ming Pei entworfene ikonische Museum für Islamische Kunst (MIA). Dort erlebt man 14. Jahrhunderte islamische Kunstgeschichte, didaktisch wunderbar aufbereitet. Zudem hat dort ein Restaurant von Spitzenkoch Alain Ducasse sein Domizil.

Ebenso beeindruckend ist das hervorragende Nationalmuseum von Katar, vom französischen Architekten Jean Nouvel als riesige Wüstenrose konzipiert. Immer wieder stößt man bei Spaziergängen durch Doha auf moderne Kunst.

Atemberaubende Skyline

Die Skyline von Doha, die seit 2004 entstanden ist, ist tagsüber schon sehenswert. Bei Nacht ist diese Spielwiese für Architekten atemberaubend, wenn sich die Skyscraper mit ihren bunten Lichtern im persischen Golf spiegeln. Ganz in der Nähe, auf der Insel "The Pearl" ist ein angenehmes Wohnviertel mit Hochhäusern entstanden. Dort befindet sich auch das Kanat Quartier, das sich mit seinen Kanälen und bunten Häusern an Venedig orientiert.

Der Bauboom hält nach wie vor an. Überall in Doha sind gewaltige Baustellen, die teilweise in Dreischichtbetrieb arbeiten. Bis zur Fußball-WM müssen nicht nur acht Stadien, sondern auch weitere Linien der Doha-Metro fertiggestellt werden, mit der alle WM-Spielstätten erreicht werden könne - es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dies nicht gelingen wird. 

2,3 Millionen Ausländer bei 300.000 Katarern

Insgesamt leben im Emirat 2,3 Millionen Ausländer aus der ganzen Welt, hauptsächlich Arbeitsmigranten. Bei nur rund 300.000 Katarern kann man sich vorstellen, dass man Einheimische nicht so häufig kennenlernt. Dafür trifft man überall auf nette weltoffene Menschen aus Ägypten, Nepal, Indien, Pakistan und vielen anderen Ländern. Sie arbeiten in den vielen Hotels, in den Shoppingmalls, Suks und Restaurants.  

Der Boom hat auch seine Schattenseiten. Angeblich sollen viele Baufirmen ihre Arbeiter im Wüstenstaat wie Sklaven halten. Besonders die Baustellen für die Fußball-WM werden deshalb kritisch betrachtet. Die WM-Organisatoren weisen solche Anschuldigungen zurück. Die Unternehmen, die die acht Stadien und die Infrastruktur in ihrem Auftrag bauen, hätten sich verpflichtet, Mindestlohn zu zahlen und Mindeststandards einzuhalten.

Jeder der 32.000 Arbeiter habe das Recht auf eine saubere Unterkunft mit mindestens vier Quadratmeter Platz, saubere Arbeitskleidung und Krankenversorgung. Die Arbeiter würden jeden Tag zur Baustelle hin- und zurückgefahren. Und die Einhaltung dieser Vorschriften werde staatlich überwacht. Dass es bereits 350 tödliche Unfälle auf den WM-Baustellen gegeben habe, weisen die Organisatoren ebenfalls zurück. Man habe nur Kenntnis von drei Todesfällen.

Thomas Horsmann

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