1. April 2023 | 00:00 Uhr
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Reisebüro-Öffnungszeiten sollen gesetzlich geregelt werden

Die Ampel-Koalition plant, für stationäre Reisebüros Mindest-Öffnungszeiten vorzuschreiben. Hintergrund ist die Ungleichbehandlung zwischen Büros in Einkaufszentren, deren Öffnungszeiten oft vertraglich geregelt sind, und Agenturen an anderen Standorten.

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Reisebüros müssen künftig längere Öffnungszeiten einplanen

Es gehe darum, die Diskriminierung von stationären Reisebüros in Einkaufzentren, die oft an sechs Tagen pro Woche lange geöffnet haben müssen, gegenüber den übrigen Marktteilnehmern im stationären Vertrieb zu beenden, heißt es in einem Entwurf aus dem Bundesjustizministerium, der Counter vor9 vorliegt.

Während der Corona-Pandemie habe sich das Ungleichgewicht weiter verschärft. Viele Reisebüros hätten ihre Öffnungszeiten auch nach dem Ende durch die Pandemie bedingter Einschränkungen drastisch eingeschränkt. "Da macht jeder einfach, was er will", fasst ein Verbandsvertreter, der nicht genannt werden will, die aktuelle Situation zusammen.

9 bis 19 Uhr wird gesetzlicher Standard

Doch das soll sich schon bald ändern. Die Bundesregierung sieht in ihrem Gesetzentwurf vor, dass Reisebüros von Montag bis Freitag mindestens von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein müssen. Am Samstag sind demnach Öffnungszeiten von 9 bis 15 Uhr vorgesehen. Auf diese Weise solle dem „undurchsichtigen Wildwuchs“ bei den Öffnungszeiten entgegengewirkt werden.

Wie Counter vor9 im Gespräch mit politischen Vertretern erfuhr, sind einige Punkte zwischen den Koalitionspartnern, insbesondere zwischen Grünen und FDP, noch umstritten. So drängt die FDP darauf, dass sich Reisebüros von den längeren Öffnungszeiten "freikaufen" können sollten. Für jede Stunde, in der die Büros während der vorgeschriebenen Zeiten nicht geöffnet seien, solle ein fixer Betrag fällig werden. Das werde auch die Einhaltung der Schuldenbremse deutlich erleichtern, heißt es aus dem FDP-geführten Bundesfinanzministerium.

Diskussion um Klimabilanz und Arbeitnehmerrechte

Die Grünen beharren dem Vernehmen nach darauf, dass mögliche längere Öffnungszeiten CO2-neutral bleiben müssten. Diese Bedingung sei klimapolitisch bedeutsam. "Entweder, die Büros bauen eine Wärmepumpe ein oder die Heizungen bleiben in den entsprechenden Zeiträumen aus", erklärt ein Sprecher der Grünen auf Anfrage von Counter vor9.

Der Arbeitnehmerflügel der SPD zeigt sich indes besorgt, dass längere Öffnungszeiten zu Lasten der Mitarbeiter gehen könnten. Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden, heißt es aus dem Bundesarbeitsministerium. Die längeren Öffnungszeiten müssten in jedem Fall durch zusätzliches Personal abgefedert werden.

Klare Aufwertung des stationären Vertriebs

Bis zu einer abschließenden Einigung müssen also noch einige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Klar erscheint indes, dass an der Neuregelung kein Weg vorbeiführen wird. Manche Reisebüroinhaber mag das irritieren. Zugleich sind die Regierungspläne allerdings ein Beleg dafür, dass die aktuelle Bundesregierung den Reisebürovertrieb in Deutschland als Teil der Grundversorgung betrachtet.

Christian Schmicke

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