6. Mai 2019 | 07:00 Uhr
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Wie Best-Reisebüros zu Veranstaltern werden sollen

Eine neue Buchungstechnologie soll den Mitgliedern der Reisebürokooperation Best Reisen dazu verhelfen, als Veranstalter eigene Produkte anzubieten. Ihre Marge könnten die Büros dabei eigenständig kalkulieren, so Best-Vorstand Cornelius Meyer. Dies versetze sie in die Lage, "mit den günstigsten Preisen am Markt mitzuhalten, aber deutlich besser vom Verkauf der Reise zu profitieren als bei der klassischen Vermittlung".

Meyer Cornelius

Will mehr Unabhängigkeit von den Produzenten: Best-Vorstand Cornelius Meyer

Meyer kündigte die Initiative im Rahmen der Hauptversammlung der Kooperation an, die als Aktiengesellschaft konzipiert ist und sich damit im Besitz ihrer Mitglieder befindet. Es gehe darum, unabhängiger von den Handelsherren zu agieren, so der Best-Reisen-Vorstand. Die neue Technologie werde eine "Alternative zur bisherigen Buchungswelt in der Kooperation" darstellen. Sie soll eine schnelle und einfache Zusammenstellung von Reisen gewährleisten, die Reisebüros ihren Kunden als eigenes Produkt anbieten. Das System ziehe aus einem weltweiten Angebotspool das Passende heraus, prüfe es auf Verfügbarkeit, baue es in eine Reise ein und ermittele die Realisierbarkeit vor Ort, kündigt Meyer an: "Diese höchste Flexibilität in Echtzeit wollen wir anbieterübergreifend und veranstalterunabhängig aufbauen."

Zugleich wiederholt der Best-Chef seine Forderung nach einer engeren Kooperation zwischen Produzenten und Vertrieb. "Mittelfristig müssen beide Seiten sich konzentrieren und selektieren, sich also noch bewusster als bisher füreinander entscheiden. Enge Bündnisse aus Produkt und Vertrieb werden am Ende die Gewinner sein", glaubt Meyer. Als Beispiel für künftige Bündnisse nennt er die Kooperation mit Schauinsland Reisen, die seit geraumer Zeit enger wird. Der Veranstalter informiere zum Beispiel Best-Reisebüros, wenn er Reiseunterlagen an gemeinsame Kunden versende. Ähnliche Kooperationen wollten auch andere Veranstalter mit Best Reisen testen. Zudem lege die FTI-Marke Big Xtra exklusiv für Best Reisen "Fundstücke" mit "besonders gutem Preis-Leistungs-Verhältnis" auf, die bereits aktiv genutzt würden.

Veranstalter und Reisebüros müssten sich "wieder verbrüdern und das gemeinsame Wissen über die Kunden besser teilen und einsetzen", so der Best-Chef. Die Debatte um die richtige Vergütung dürfe die Branche "nicht weiter blockieren". Der ausdrückliche Verweis auf die Partner Schauinsland und Big Xtra ist in diesem Zusammenhang wohl auch als Versuch des Kooperationsvorstands zu werten, Best Reisen im Verhältnis zum wichtigsten Veranstalterpartner TUI zu emanzipieren. Mit diesem verbindet die Kooperation eine langjährige „Premium-Partnerschaft“, in den Provisionstabellen von TUI ist sie als eigenständige Kategorie vertreten. TUI-Konzernchef Fritz Joussen hatte zuletzt zum Missfallen vieler Reisebüros seine Präferenz für digitale und mobile Vertriebskanäle betont. Dies könnte für die Führungsetage von Best Reisen, deren Aktivitäten von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden, ein Motiv gewesen sein, sich in Sachen Veranstalterkooperationen breiter aufzustellen.

Christian Schmicke

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