FTI
11. November 2019 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Sind Pauschalreisen nach Cook-Pleite am Ende, Herr Schiller?

Die Cook-Insolvenz hat tausende Urlauber gefrustet, viele zahlen trotz Sicherungsschein drauf. Was macht das mit dem Ansehen der Pauschalreise und was muss die Reisebranche jetzt tun? Reise vor9 fragte dazu Ralph Schiller, Geschäftsführer der FTI Group.

Schiller Ralph FTI Group Managing Director

Ralph Schiller, Geschäftsführer der FTI Group, registrierte nach der Cook-Pleite einen Schub an neuen Buchungen

Die Thomas-Cook-Pleite hat vielen Kunden den Urlaub vermasselt, Hunderttausende verlieren Geld. In die Pauschalreise am Ende?

Nein, definitiv nicht. Vielleicht hat das Image der Pauschalreise gelitten, aber auch das steht heute noch nicht fest. Die Vorteile einer Pauschalreise reduzieren sich nicht allein auf den Insolvenzschutz…

…sondern?

Die Veranstalterreise hat viele weitere Vorteile. Sie ist heute so flexibel wie eine individuell gebuchte Reise und bietet trotzdem Sicherheit. In Krisen, bei Naturkatastrophen, politische Unruhen – wir helfen in solchen Fällen und sind für die Kunden da. Da gab es auch in jüngster Vergangenheit einige Ereignisse auf der Welt, bei denen Veranstalter dies unter Beweis stellen konnten.

Es sind aber auch Leute stehengeblieben und mussten in Hotels noch einmal bezahlen.

Das stimmt, aber das waren Einzelfälle ganz am Anfang. Vielleicht, weil die Kommunikation unglücklich war und einige Hotels glaubten, kein Geld von der Versicherung zu bekommen. Nachdem dies aber klar war, gab es meines Wissens keine Probleme mehr.

Spürt FTI seit der Pleite von Thomas Cook eine Zurückhaltung bei den Buchungen?

Nein, die gibt es nicht. Im Gegenteil, viele Cook-Kunden haben nach der Insolvenz neu gebucht, auch bei uns. Als die Reisen bis Ende des Jahres abgesagt wurden, gab es einen ähnlichen Effekt.

Viele Cook-Kunden werden trotzdem Geld verlieren.

Niemand weiß heute genau, wie groß der Schaden wirklich ist, der nicht abgedeckt ist. Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstalterreise einen Fall, wo die 110-Millionen-Grenze der Insolvenzabsicherung gerissen wird und Kunden eines insolventen Veranstalters nicht ihr ganzes Geld zurückbekommen. Das ist natürlich nicht gut, aber zumindest erhalten sie überhaupt etwas zurück. Dies war bei bisherigen Pleiten von Airlines oder Hotels nicht der Fall. Man sollte nicht vergessen, dass Reiseveranstalter meines Wissens nach die einzigen Unternehmen sind, die sich gegen ihre eigene Insolvenz absichern.

Was muss die Branche tun, um das Vertrauen in die Pauschalreise wieder zu stärken?

Ich halte nichts von vorschnellem Aktionismus. Wir müssen erst einmal schauen, ob und wenn ja was für ein Imageschaden wirklich entstanden ist.

Und was ist mit der künftigen Absicherung?

Sicherlich muss das jetzige Modell der Insolvenzversicherung auf den Prüfstand. Der DRV hat eine Arbeitsgruppe zum Thema Insolvenzversicherung gebildet. Das Thema ist aber komplex. Es gibt schon heute nur zwei Versicherer, die ein Produkt dafür anbieten. Wenn der Versicherungsbetrag noch höher ausfällt als heute, muss man schauen, ob es überhaupt noch einen Versicherer gibt, der dieses Risiko absichert.

Und wenn, dann wird’s auf jeden Fall teurer.

Eine höhere Absicherung würde natürlich mehr Geld kosten und am Ende auf die Reisepreise umgelegt.

Wann sind hier Vorschläge zu erwarten?

Ich glaube nicht, dass sich die Reisebranche da allzu lange Zeit lassen kann.

Was sollen Reisebüros verunsicherten Kunden sagen?

So wie wir das mitbekommen, wird am Counter weniger die Pauschalreise als solche in Frage gestellt. Da geht es eher darum, mit welchem Veranstalter kann ich noch verreisen? Das heißt, die Verlässlichkeit des Anbieters dürfte künftig eher den Ausschlag geben.

Das Interview führte Thomas Hartung

Anzeige