10. März 2026 | 18:33 Uhr
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Iran-Krieg treibt Ticketpreise und verlagert Nachfrage

Der Iran-Krieg wirkt sich zunehmend auf den internationalen Reiseverkehr aus. Steigende Kerosinpreise, gesperrte Lufträume und längere Flugrouten erhöhen die Kosten vieler Airlines, einige heben bereits Ticketpreise an. Gleichzeitig verschieben sich touristische Ströme – mit Verlierern und Profiteuren.

Flugzeug Betankung Kerosin

Gestiegene Treibstoffpreise führen zu teilweise kräftigen Preissteigerungen bei Flügen

Der Konflikt im Nahen Osten hat die Treibstoffkosten der Airlines zeitweise kräftig steigen lassen. Der Preis für Kerosin kletterte von rund 85 bis 90 Dollar auf bis zu 200 Dollar pro Barrel. Zuletzt ging er wieder auf etwa 90 Dollar zurück, doch der Ausschlag veranlasst viele Airlines zum Handeln.

Mehrere Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Qantas, SAS und Air New Zealand hätten ihre Ticketpreise erhöht, berichten Nachrichtenagenturen. Kerosin sei nach den Personalkosten der zweitgrößte Ausgabenposten der Branche und mache meist ein Fünftel bis ein Viertel der Betriebskosten aus, schreibt das Fachportal Airliners.

Neben den Treibstoffkosten verändern auch Luftraumsperrungen den Betrieb. Airlines müssen das Konfliktgebiet umfliegen, wodurch Flugzeiten länger werden und mehr Treibstoff benötigt wird.

Konsequenzen für die Nachfrage

Die Unsicherheit im Nahen Osten beeinflusst zugleich die Nachfrage in der Touristik. Neben der Golfregion befürchten Touristiker auch für bislang nicht unmittelbar vom Konflikt betroffene Reiseländer wie die Türkei und Ägypten negative Effekte. Reiseveranstalter wie Bentour oder Coral Travel, die in beiden Ländern stark vertreten sind, versuchen dem mit Flextarifen entgegenzuwirken, mit denen Kunden ihre Reiseentscheidung bei Bedarf bis kurz vor der Abreise noch ändern können.

So sei der Flextarif bei allen Neubuchungen bis zum Monatsende in den Reisepreis integriert, teilt Coral Travel mit. Bentour-Chef Deniz Ugur zeigt sich unterdessen optimistisch, dass die aktuelle Krise die Reisemöglichkeiten der Kundschaft in Richtung Türkei nicht negativ beeinflusst. "Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben keine Auswirkungen auf Reisen in die touristischen Regionen der Türkei", betont er.

Verlagerung nach Westen?

Gleichwohl gibt es Hinweise darauf, dass die Ereignisse die Nachfrage bei Neubuchungen verschieben könnten. So sagte TUI-Deutschland-Chef Benjamin Jacobi bereits in der vergangenen Woche, der Krieg führe zwar nicht zu einem Einbruch bei den Buchungen, verlagere aber die Nachfrage tendenziell in Richtung Westen.

Nach Daten des Technologieanbieters Travelgate legten Hotelbuchungen für Spanien nach Beginn der Eskalation Ende Februar deutlich zu, meldet das spanische Fachportal Hosteltur (Abo). Besonders stark sei der Zuwachs in Katalonien, auf den Kanaren und in Andalusien.

Dauert der Konflikt noch länger an und führt zu anhaltenden Problemen für die großen Drehkreuze in Dubai, Abi Dhabi und Katar, dürfte dies auch Auswirkungen auf Destinationen in Südostasien, Australien oder Neuseeland haben, weil Flugkapazitäten knapper werden und die Preise weiter steigen. Zugleich könnte die Entwicklung andere Ziele, etwa in der Karibik, begünstigen.

Christian Schmicke

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