Bundesbürger reisen häufiger, kürzer und teurer
Die Reiselust der Deutschen hat nach Erkenntnissen der BAT Tourismusanalyse einen Höchststand erreicht. 64 Prozent unternahmen 2025 mindestens eine fünftägige Reise – so viele wie seit 2006 nicht mehr. Der Haupturlaub kostete im Schnitt 130 Euro pro Tag und 1.636 Euro insgesamt.
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Urlaub hat für die Deutschen gerade in Krisenzeiten einen hohen Stellenwert
Trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten bleibt die Reiselust der Bundesbürger laut der Tourismusanalyse hoch. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, spricht von Urlaub als "populärster Form des Glücks auch in Krisenzeiten". Er erklärt, viele gönnten sich Reisen bewusst als Ausgleich zu beruflichen Belastungen und globalen Unsicherheiten.
Inland bleibt wichtig
Ein gutes Drittel der Reisenden blieb 2025 in Deutschland. Mit 35 Prozent lag der Anteil der Inlandsurlaube hoch, wenn auch unter den Spitzenwerten der Vorjahre. Beliebtestes Bundesland war Bayern, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Niedersachsen.
Der Deutschland-Tourismus bleibt insgesamt auf Rekordkurs. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten verzeichneten 2024 insgesamt 496 Millionen Übernachtungen und übertrafen damit knapp den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2019.
Spanien führt Auslandsranking an
Im europäischen Ausland bleibt Spanien das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Dahinter folgen Italien, die Türkei und Skandinavien. Fernreisen spielten ebenfalls eine Rolle: 17 Prozent der Befragten reisten auf andere Kontinente, meist nach Asien. Indes zählt die Tourismusanalyse in diese Sparte auch Mittelstreckenziele wie Marokko, Tunesien oder Ägypten.
Die durchschnittliche Reisedauer hat sich langfristig verkürzt. Lag sie in den 1980er Jahren noch bei 18 Tagen, beträgt sie heute rund 13 Tage. Gleichzeitig verreisen die Deutschen häufiger: 44 Prozent gaben an, mindestens zweimal im Jahr zu reisen.
Urlaub wird deutlich teurer
Die BAT-Analyse zeigt einen kräftigen Anstieg der Ausgaben. Der Haupturlaub kostete im Schnitt 130 Euro pro Person und Tag, acht Euro mehr als im Vorjahr. Die Gesamtkosten stiegen auf durchschnittlich 1.636 Euro. Reinhardt spricht von einem "enormen Sprung".
Besonders stark zogen die Tagesausgaben in Griechenland und Spanien an. In Griechenland stiegen sie um 42 auf 147 Euro, in Spanien um 34 auf 143 Euro. Reinhardt warnt, beide Länder müssten "aufpassen, das Rad nicht zu überdrehen".
Ausblick auf 2026
Für 2026 erwartet die Stiftung erneut ein starkes Reisejahr. 66 Prozent der Befragten haben bereits Reisen geplant, 18 Prozent sind noch unentschlossen. Ein Viertel möchte im Inland bleiben, 42 Prozent planen Reisen ins europäische Ausland, 20 Prozent auf andere Kontinente.
Christian Schmicke
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