Anklage gegen Ex-Chef von Itravel, Veranstalter macht weiter
Die Staatsanwaltschaft Köln hat laut einem Bericht des "Stern" den früheren Chef des Luxusreise-Unternehmens Itravel wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung angeklagt. Rund 120 Kunden soll ein Gesamtschaden von etwa 1,25 Millionen Euro entstanden sein. Ein neuer Eigentümer führt den Veranstalter inzwischen weiter.
Itravel
Inzwischen kann man bei Itravel wieder Reisen buchen
Der ehemalige Geschäftsführer hatte mit Itravel wohlhabende Kunden mit individuell zusammengestellten Traumreisen gelockt und prominente Investoren wie Frank Thelen als Geldgeber gewonnen. Doch viele Kunden strandeten ohne gültige Hotelbuchung am Zielort oder mussten ihre Weiterreise auf eigene Kosten organisieren. Reise vor9 hatte mehrfach über den Fall berichtet.
Seit Mai 2024 ist die Firma insolvent. Nun berichtet der Stern (Abo), dass die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer erhoben hat. Sie wirft ihm vor, dass Itravel mangels gültiger Insolvenzversicherung zum Schutz von Kundengeldern überhaupt nicht berechtigt gewesen sei, Reisen zu vertreiben. Dieser bestreitet sämtliche Vorwürfe.
Für die geschädigten Urlauber besteht kaum Aussicht auf Erstattung. Die Insolvenzversicherung weigert sich zu zahlen, weil sie auf eine Luxemburger Tochtergesellschaft ausgestellt war, nicht auf die Kölner GmbH, die die Reisen tatsächlich vertrieb. Mehrere deutsche Gerichte haben das laut Stern inzwischen bestätigt. Ob es zur Eröffnung eines Verfahrens kommt, muss nun das Landgericht Köln entscheiden. Dort heißt es gegenüber Reise vor9: "Das Verfahren befindet sich derzeit im sogenannten Zwischenverfahren. Die Kammer hat bislang noch nicht über die Zulassung der Anklage zum Hauptverfahren entschieden."
Die Marke Itravel samt Reiseveranstalter existiert indes weiter, ein neuer Inhaber führt das Geschäft fort. Auf der Webseite wird aktiv um neue Vertriebspartner geworben. Reisebüros sollen ab der ersten Buchung eine monatliche Bonuszahlung von 2.000 Euro erhalten sowie eine zusätzliche Jahresprämie von 5.000 Euro bei 500.000 Euro Gesamtumsatz sowie eine Provision pro Buchung bei Reisebeginn. Laut der Webseite besteht eine "100 Prozent Reisegeldabsicherung durch die R+V Versicherung".
Pascal Brückmann