Was der Lufthansa-Streik brachte und wie es jetzt weitergeht
Der Streik von rund 4.800 Lufthansa-Piloten und knapp 20.000 Flugbegleitern hat am Donnerstag bundesweit fast 800 Flüge ausfallen lassen. Etwa 100.000 Passagiere waren betroffen. Die Gewerkschaften sprechen von hoher Beteiligung und schließen weitere Arbeitskämpfe nicht aus. Lufthansa drängt auf Verhandlungen.
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In der Lufthansa-Zentrale dürfte nach dem Warnstreik Krisenstimmung herrschen
Besonders stark sind die Drehkreuze Frankfurt und München betroffen, aber auch Berlin, Düsseldorf und Hamburg. In Frankfurt fielen 450 von 1.117 geplanten Flügen aus. In München wurden 275 von 920 geplanten Starts und Landungen gestrichen. Vor Umbuchungsschaltern bildeten sich lange Schlangen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Hohe Beteiligung und Eskalationsdrohung
Seit Mitternacht waren am Donnerstag rund 4.800 Piloten von Lufthansa und Lufthansa Cargo zum Streik aufgerufen. Zudem beteiligen sich knapp 20.000 Beschäftigte der Kabinengewerkschaft Ufo an einem Warnstreik.
Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger spricht von einem erwartungsgemäßen Verlauf. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit meldet eine hohe Arbeitskampfbereitschaft. VC-Präsident Andreas Pinheiro sagt: "Was wir brauchen, ist ein neues Angebot. Die Lufthansa hat sich nicht gemeldet." Weitere Streiks schließt er nicht aus. Wenn es kein Angebot gebe, drehe sich "die Eskalationsspirale immer weiter".
Streit um Renten und Konzernstrategie
Offiziell geht es den Piloten um höhere Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Laut Konzern liegt die durchschnittliche monatliche Rente derzeit bei rund 8.400 Euro. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann weist zusätzliche Forderungen zurück. "Es gibt dafür keinen finanziellen Spielraum", sagt er. Zusätzliche Kosten würden die Schrumpfung der Kernmarke beschleunigen.
Ein Hintergrund des Konflikts ist auch die Konzernstruktur. Neben der Kernmarke Lufthansa Airlines wachsen die Tochtergesellschaften Discover Airlines und City Airlines. Sie übernehmen zunehmend Strecken, während die Kern-Airline unter Kostendruck steht. Für viele Piloten bedeutet das interne Konkurrenz. Die Flugbegleiter streiken offiziell wegen eines offenen Manteltarifvertrags und eines Sozialplans für die auslaufende Lufthansa Cityline.
Perspektive für die Verhandlungen
Lufthansa rechnet damit, den Flugbetrieb am Freitag weitgehend zu normalisieren. Niggemann fordert einen "konstruktiven Dialog" statt Eskalation und betont, man sei jederzeit bereit, die Gespräche mit Ufo und Vereinigung Cockpit fortzusetzen. Die Gewerkschaften signalisieren Verhandlungsbereitschaft – knüpfen diese jedoch an ein verbessertes Angebot.
Christian Schmicke
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