26. März 2026 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Studie wirbt für CO2-Reduktion durch Flugroutenänderungen

Kleinere Änderungen von Flugrouten könnten die Klimawirkung des Luftverkehrs deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Cambridge. Demnach lässt sich die Erwärmung durch Kondensstreifen schneller und stärker mindern als der zusätzliche CO2-Ausstoß durch Umwege ins Gewicht fällt.

Kondensstreifen Flugzeug

Kondensstreiifen verursachen einen erheblichen Teil der Klimawirkung des Flugverkehrs

Die Studie der Universität Cambridge sieht in der Vermeidung von Kondensstreifen eine kurzfristig wirksame Klimachance für die Luftfahrt. Gemeint sind kleine Abweichungen von der optimalen Flugroute, um Regionen in der Atmosphäre zu meiden, in denen langlebige Kondensstreifen entstehen. Diese tragen nach Darstellung der Forscher erheblich zur Erderwärmung bei.

Für ihre Analyse nutzten die Wissenschaftler ein Klimamodell, das die Temperaturwirkungen von CO2-Emissionen und Kondensstreifen bis 2050 vergleicht. Im Szenario ohne Gegenmaßnahmen würde die Luftfahrt demnach bis 2050 rund 0,04 Grad Erwärmung durch CO2 und weitere 0,054 Grad durch Kondensstreifen verursachen. Der Effekt der Kondensstreifen läge damit über dem der gesamten seit Beginn des Jetzeitalters angesammelten CO2-Wirkung der Luftfahrt.

Frühes Handeln bringt den größten Effekt

Besonders groß ist der Nutzen laut der Studie, wenn Airlines früh gegensteuern. Beginne die Einführung eines Systems zur Kondensstreifenvermeidung zwischen 2035 und 2045 und werde es schrittweise im gesamten Luftverkehr umgesetzt, könnte bis 2050 ein Effekt erzielt werden, der neun Prozent des verbleibenden globalen Temperaturbudgets bis zur Zwei-Grad-Grenze entspricht.

Eine Verschiebung um zehn Jahre würde diesen Beitrag dagegen drastisch verringern. Dann ließen sich laut Studie nur noch zwei Prozent dieses Budgets zurückgewinnen. Die Forscher sprechen deshalb von einem klaren Befund: Das größte Klimarisiko sei nicht die Maßnahme selbst, sondern Untätigkeit.

Mehr Treibstoff fällt vergleichsweise wenig ins Gewicht

Ein zentrales Gegenargument gegen solche Umwege ist der zusätzliche Treibstoffverbrauch. Diesen Punkt hat die Studie ausdrücklich untersucht. Und kommt zu dem Ergebnis, dass die zusätzliche CO2-Belastung durch längere Routen deutlich kleiner ist als der vermiedene Erwärmungseffekt durch weniger Kondensstreifen. Selbst in pessimistischen Szenarien mit deutlich höherem Mehrverbrauch überwiege der Klimaeffekt der Vermeidung, heißt es.

Die Studie wertet die Vermeidung von Kondensstreifen deshalb als eine Maßnahme, die schneller und günstiger eingeführt werden könnte als andere Klimainstrumente in der Luftfahrt. Sie verweist darauf, dass entsprechende Tests bereits in der Praxis laufen.

Noch gebe es Unsicherheiten, etwa bei der Vorhersage der betroffenen Luftschichten, bei der operativen Umsetzung und beim Zusammenspiel mit dem Flugverkehrsmanagement, räumen die Autoren ein. Am Grundbefund ändere das jedoch wenig.

Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin

Newsletter kostenlos bestellen

Ja, ich möchte den Newsletter täglich lesen. Ich erhalte ihn kostenfrei und kann der Bestellung jederzeit formlos widersprechen. Meine E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum Versand des Newsletters und zur Erfolgsmessung genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Damit bin ich einverstanden und akzeptiere die Datenschutzerklärung.