14. April 2026 | 14:05 Uhr
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Iran-Krieg bedroht Kerosinversorgung in Europa

Europäische Flughäfen warnen wegen des Iran-Kriegs vor einem möglichen Kerosinmangel in Europa. Sollte die Straße von Hormus nicht binnen drei Wochen wieder stabil geöffnet werden, drohe ein systemischer Engpass bei Flugtreibstoff. Die Branche fordert von der EU-Kommission Notfallpläne, mehr Transparenz und eine koordinierte Sicherung der Versorgung vor der Sommersaison.

Flugzeug Betankung Kerosin

Kerosin könnte bald nicht nur zum teuren, sondern auch zum knappen Gut werden

Die europäische Luftfahrtbranche drängt die EU zum Handeln. Hintergrund ist die Blockade der Straße von Hormus durch Iran im aktuellen Krieg mit den USA und Israel. Der Flughafenverband ACI Europe warnt, dass Europa ein systemischer Mangel an Flugzeugtreibstoff drohe, wenn die Passage nicht innerhalb der nächsten drei Wochen wieder in nennenswertem und stabilem Umfang geöffnet werde.

In einem Schreiben an EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas, aus dem die Financial Times zitiert, verweist der Verband auf sinkende Reserven und zusätzliche Belastungen durch die "Auswirkungen militärischer Aktivitäten". Die Sorge um die Verfügbarkeit von Kerosin nehme zu.

Sorge vor Engpässen im Sommer

Nach Angaben von ACI Europe kommt die Warnung zu einem heiklen Zeitpunkt. Mit Blick auf die bevorstehende Urlaubssaison verweist der Verband auf die zentrale Rolle des Luftverkehrs für das gesamte touristische Ökosystem in Europa. Gerade im Sommer wären Versorgungsprobleme besonders folgenreich.

Der Verband fordert deshalb mehr Transparenz über die Versorgungslage in der EU, eine bessere Abstimmung von Angebot und Nachfrage sowie alternative Bezugsquellen. Zudem bringt ACI Europe den Schutz europäischer Lieferketten, koordinierte Einkäufe, mögliche staatliche Unterstützung und vorübergehende Lockerungen von Regeln ins Spiel.

Parallel zu den Flughafenbetreibern ist der Airline-Verband A4E an die EU-Kommission herangetreten. A4E-Vertreter regen in einem aktuellen Positionspapier eine Einkaufsstrategie auf EU-Ebene und den Aufbau einer strategischen 90-Tages-Reserve für Kerosin an, auf die Airlines im Notfall zurückgreifen könnten.

Preise steigen bereits deutlich

Noch ist Kerosin in Europa nicht rationiert. Die Preise haben sich nach Branchenangaben jedoch bereits verdoppelt und schwanken derzeit zwischen 150 und 200 Dollar pro Barrel. Mehrere Fluggesellschaften warnen bereits vor Engpässen und Ausfällen.

In Asien sind die Folgen bereits konkreter. Vietnam hat Kerosin für Flugzeuge bereits rationiert. Auch andere Airlines weltweit reagieren auf die Lage mit höheren Tarifen oder vorsichtigeren Planungen.

Ryanair-Manager Marcel Pouchain Meyer sagte im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, der Konzern beobachte die Entwicklung mit "großer Besorgnis". Zwar habe Ryanair 80 Prozent des Treibstoffbedarfs bis Ende März 2027 über Hedging zum Festpreis abgesichert. Dieselben Absicherungsmechanismen nutzen auch beispielsweise Lufthansa und Condor. Dennoch blieben 20 Prozent Unsicherheit, so Meyer weiter. Flugstornierungen im Sommer könne Ryanair derzeit nicht ausschließen.

Auch der internationale Airline-Verband Iata rechnet damit, dass sich die Lage nur langsam entspannen wird. Selbst wenn der Rohölfluss wieder anlaufe, bleibe das Problem bestehen, weil die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten beeinträchtigt seien. Iata-Chef Willie Walsh sagte laut NTV, es werde noch Monate dauern, bis die Versorgung wieder das erforderliche Niveau erreiche.

Auch Fährverbindungen geraten unter Druck

Die steigenden Treibstoffkosten treffen nicht nur die Luftfahrt. Auch die italienischen Reederverbände Assarmatori und Confitarma warnten vor Angebotskürzungen oder Verbindungsunterbrechungen im Fährverkehr, falls das Preisniveau anhalte, berichtet der Standard unter Verweis auf den italienischen Corriere della Sera. Besonders betroffen wären wichtige Routen nach Sardinien und Sizilien. Die Verbände fordern Unterstützung vom Staat und sehen vor allem Langstreckenverbindungen wie Genua–Olbia oder Genua–Palermo in Gefahr.

Christian Schmicke

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