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24. März 2020 | 15:31 Uhr
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Gebeco-Gründer: "So etwas wie jetzt gab es noch nie"

Tschernobyl, 9/11, SARS oder die wirtschaftlichen Folgen der Lehmann-Brothers-Pleite: Gebeco-Gründer Ury Steinweg hat in mehr als 40 Jahren Touristik viele Krisen erlebt. Im "Stern"-Interview erklärt er, warum die weltweite Reisewarnung am Ende ein Segen war und warnt vor den Effekten der Krise in den Reiseländern.

Steinweg Ury

"Die Fluggesellschaften argumentierten, dass sie ja noch nach Italien oder Japan fliegen und keine Reisewarnung vorlag. Dass aber das touristische Programm vor Ort nicht durchführbar und das Risiko für die Teilnehmer unzumutbar war, interessierte die Airlines nicht. Jetzt kommen wir durch die offizielle Reisewarnung aus den Verträgen raus", sagte Steinweg dem "Stern“.

Dennoch: Die Situation sei "existenzbedrohend für den Tourismus", erklärt der Veranstalterchef, der im Juni in den Ruhestand geht: "Angefangen bei Reiseleitern, die von heute auf morgen auf der Straße stehen. In Ägypten, Fiji oder Neuseeland gibt es kein Instrumentarium wie Kurzarbeitergeld und Staatshilfen wie bei uns."

Viele Firmen müssten zudem laufende Kredite bedienen, ohne dass sie den geplanten Umsatz machten. Sein eigenes Unternehmen, an dem TUI mit 50,1 Prozent beteiligt ist, stehe "finanziell gut da" und könne "eine längere Durststrecke überstehen". Für zwei Jahre "ohne jeglichen Umsatz" sei aber auch Gebeco nicht gerüstet.

Um eine Anekdote ist Steinweg auch angesichts der Krise nicht verlegen. So berichtet er von einer Reisegruppe in Neuseeland, die jetzt ihren Urlaub verlängere. "Die wollen länger bleiben und sich Camper vor Ort mieten. Das sind sehr positiv eingestellte Menschen, die auch älter sind und genügend Zeit haben."

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