Saudi-Arabien plant touristisches Mega-Projekt am
Wenn von Tourismus in Saudi-Arabien die Rede ist, geht es fast ausschließlich um Pilgerreisen frommer Muslime nach Mekka. Doch das soll sich schon in wenigen Jahren ändern. Die Regierung des Landes will an einem rund 200 Kilometer langen Küstenabschnitt des Roten Meeres zwischen den Städten Umluj und Al Wajh ein riesiges Tourismusprojekt starten, das nach ihren Vorstellungen "Luxusurlauber aus aller Welt" anziehen soll. Dafür ist unter anderem die touristische Erschließung von 50 Inseln vorgesehen. Insgesamt soll sich die neue Urlaubsregion über 34.000 Quadratkilometer erstrecken – das ist mehr als die Fläche Belgiens. 2019 soll es losgehen, ab 2022 ist geplant, dass Luxusresorts, Wohnanlagen und die gesamte Infrastruktur inklusive Straßen und Flughafen stehen.
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Weg vom Erdöl. Das Tourismusprojekt soll dem arabischen Land helfen, von der einseitigen Abhängigkeit vom Öl loszukommen. Aber ist internationaler Tourismus in einem absolutistisch regierten Staat, in dem eine mittelalterliche Auslegung islamischen Rechts herrscht, Alkohol streng verboten ist, Frauen in der Öffentlichkeit verhüllt sein müssen, nicht Auto fahren dürfen und der Vormundschaft ihrer Männer ausgesetzt sind, in dem Amputation, Steinigung, Auspeitschung und Hinrichtungen üblich sind, überhaupt denkbar?
"Semi-autonomer Status. "Wenn sich das Land in Sachen Alkohol und Bekleidungsregeln nicht ändert, lautet die Antwort nein", sagt Crispin Hawes, der bei dem Londoner Politikberatungsinstitut Teneo für den arabischen Raum zuständig ist, der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Eine Diktatur ist zwar per se für den Tourismus nicht hinderlich – das lehrt die Erfahrung. Allerdings wollen Urlauber Repression und Einschränkungen nicht am eigenen Leib spüren. Deshalb signalisiert ein Dokument, mit dem die saudische Regierung das Projekt ankündigt, die bisher weitgehend unbewohnte Region solle einen "halbautonomen" Status erhalten und auf der Basis "unabhängiger Gesetze und eines rechtlichen Rahmens" geführt werden, der durch ein "vertrauliches Komitee" erarbeitet werde. Zudem sollen Reisende zu der Region visafrei oder auf der Basis von Visa, die sie online ohne große Komplikationen anfordern können, Zugang erhalten.
"Freiere" Zonen. Orte, an denen andere Regeln gelten als im übrigen Land, sind in Saudi-Arabien nicht völlig unbekannt. So sieht etwa der staatliche Ölförderungs- und Weiterverarbeitungskomplex Saudi Aramco aus wie eine amerikanische Vorstadt. Hier mischen sich die Geschlechter, Frauen dürfen Auto fahren und sich in der Öffentlichkeit kleiden, wie sie wollen. Viele hochqualifizierte Expats aus Europa oder Amerika leben in abgeschotteten, eigenen Welten weitgehend außerhalb des Scharia-Diktats.
"Testphase" vor dem Baustart. Gegenüber "Bloomberg" äußert ein politischer Kommentator die Einschätzung, die Regierung wolle die Vorbereitungszeit bis 2019 nutzen, um die Reaktion der Bevölkerung auf die Pläne zu testen. Als Argumentationshilfe könnte ihr dabei die Tatsache helfen, dass die geplante touristische Zone, ähnlich wie in Ägypten, weit entfernt ist von den Städten, in denen sich das traditionelle Leben Leben des Landes abspielt. Zudem rechnet der staatliche Investitionsfond, dem Kronprinz Mohammed bin Salman vorsteht und der das Projekt anschieben soll, mit 35.000 Jobs, die durch den Tourismus zusätzlich entstehen. Ob das genügt, um die religiösen Hardliner im Land zu beruhigen, und ob sich in Saudi-Arabien tatsächlich ein touristisches Konzept umsetzen lässt, das auch für Besucher aus der westlichen Welt oder aus Asien attraktiv ist, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Christian Schmicke