25. Juli 2018 | 11:39 Uhr
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Greenpeace schlägt wegen des Zustands

Die Umweltschutzorganisation hat zusammen mit der spanischen Organisation Obervatorio de la Sostenibilidad (auf Deutsch: Nachhaltigkeitsobservatorium) den Zustand der Küsten des Landes untersucht und gelangt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß der Urbanisierung entlang der Wasserlinie vielerorts alarmierend sei. Zwar umfasse der Küstenstreifen nicht einmal neun Prozent der Fläche des Landes, doch lebe dort mittlerweile fast die Hälfte der Bevölkerung, heißt es in der Studie "A Toda Costa" (auf Deutsch: "Um jeden Preis“). Rund um Städte wie Marbella oder in der Region Valencia seien die Küstenstreifen fast vollständig zugebaut. Innerhalb der letzten 30 Jahre habe sich der Anteil urbanisierter Flächen vor allem aufgrund einer ungebremsten massentouristischen Entwicklung verdoppelt.

Erhöhte  Überschwemungsgefahr

Das Resultat dieser Entwicklung sei keineswegs nur eine optische Verschandelung der Küste, unterstreicht Greenpeace. Vielmehr führe der massive Verlust von Vegetation und die Betonierung großer Küstenabschnitte vielerorts zur Erosion und verringere zudem die Fähigkeit der Landschaft zur Aufnahme von Niederschlägen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, immer heftigerer Wetterkapriolen und zunehmender Unwetter wachse damit die Überschwemmungsgefahr erheblich.

Die Provinz mit dem höchsten Anteil zugebauter Küste ist laut der Umweltorganisation Katalonien, rund 26 Prozent der dortigen Küstenabschnitte sind davon betroffen. Einen besonders hohen Anteil zugebauter Abschnitte wiesen auch die Provinzen Valencia (23%) und Andalusien (15%) auf. Die Balearen weisen mit rund sieben Prozent noch einen relativ geringen Anteil gefährdeter Küstenstreifen auf. Allerdings sei dort in den vergangenen Jahren die meiste Ufervegetation zerstört worden, kritisieren die Umweltaktivisten.

Falsche Prioritäten

Vor diesem Hintergrund setze auch der staatliche Umgang mit dem wertvollen Ökosystem falsche Akzente. So wanderten noch in diesem Jahr 93 Prozent der öffentlichen Investitionen für den Küstenbereich in Maßnahmen wie die Anlegung von Uferpromenaden und die Gewinnung und Sicherung von Sand an den Stränden. Allein in die Wiedergewinnung des abgespülten Sandes der Strände von Barcelona würden alljährlich 33 Millionen Euro investiert. In den Küstenschutz flössen dagegen nur sieben Prozent der staatlichen Gelder. Greenpeace fordert eine Ausweitung von Schutzgebieten entlang der Küste und eine integrierte Planung, bei der der Schutz der Ökosysteme oberste Priorität genießen solle.

Christian Schmicke

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