Geschäftsreisende meiden die Türkei
Bei einer exklusiven Online-Umfrage, an der rund 150 Business-Travel-Experten teilnahmen, erklärten fast zwei Drittel der Befragten, dass sie wegen der politischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei mit einem erheblichen Rückgang der Geschäftsreisen in die Türkei rechnen. Weitere 27 geben an, dass das Geschäftsreisevolumen ihrer Einschätzung nach leicht zurückgeht.
Alarmierte Travel Manager. Von den teilnehmenden Travel Managern erklären knapp 30 Prozent, dass sie keine Reisenden mehr in die Türkei schicken. Ebenso viele geben an, dass Mitarbeiter ihres Unternehmens nur noch in zwingenden Fällen in das Land reisen. 21 Prozent sagen, am aktuellen Geschäftsreisevolumen werde sich in ihrem Unternehmen nichts ändern. 42 Prozent der Travel Manager weisen ihre Geschäftsreisenden an, sich wie vom Auswärtigen Amt empfohlen bei Türkei-Reisen in die Krisenvorsorgeliste der Konsulate und der Botschaft einzutragen. Ein weiteres Drittel rät ihnen ausdrücklich, sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten.
Ein Drittel der befragten Geschäftsreisenden will nun selbst nicht mehr in die Türkei reisen. 36 Prozent sind nur dazu bereit, wenn es unbedingt erforderlich ist. Satte 69 Prozent schätzen die Gefahr, vor Ort Ärger mit den Behörden zu bekommen oder verhaftet zu werden, derzeit als hoch ein.
Zurückhaltende Unternehmen. Offenbar geht die Zahl der Geschäftsreisen in die Türkei bereits seit längerem zurück. Unter den teilnehmenden Geschäftsreisebüros und Travel Management Companies sagen 52 Prozent, ihre Firmenkunden verringerten ihr Reisevolumen Richtung Türkei bereits seit dem Beginn der politischen Auseinandersetzungen. 34 Prozent erklären, dies geschehe erst seit der Verschärfung des Reisehinweises durch das Auswärtige Amt in der vergangenen Woche. 16 Prozent sehen dagegen bei ihren Kunden ein stabiles oder gar wachsendes Geschäftsreisevolumen in das Land am Bosporus.
Besorgte Anfragen. Zudem macht die Entwicklung vielen TMCs und Geschäftsreisebüros zusätzliche Arbeit. Zwar stellen 36 Prozent keine verstärkten Anfrage zur Sicherheit fest. 28 Prozent geben hingegen an, viele Unternehmen seien besorgt, ob sie ihre Mitarbeiter jetzt noch unbesorgt in die Türkei schicken könnten. Ebenso viele erhalten zahlreiche Anfragen von den Reisenden selbst. Etwa die Hälfte der Dienstleister rät ihnen dann von Reisen, die nicht unbedingt erforderlich sind, ab. 22 Prozent raten sogar von allen Reisen ab. Lediglich zehn Prozent sagen ihren Firmenkunden, dass die Mitarbeiter weiter unbesorgt in die Türkei reisen könnten.
Christian Schmicke