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18. Mai 2019 | 07:00 Uhr
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Wie sich ein Reiseleiter auf die Saison vorbereitet

Daniel Himburg ist seit 19 Jahren Reiseleiter, hat in 17 Urlaubszielen gelebt und gearbeitet. Derzeit ist der 40-Jährige als Chef-Reiseleiter der DER Touristik auf Gran Canaria. Im Interview gewährt er einen Einblick in seinen Job als Traum-Erfüller und Kummerkasten, Alleswisser und Eheberater, Beschwerdemanager und Gute-Laune-Macher, pragmatischer Organisator und penibler Schreibtischtäter, Krankenpfleger und Kameramann.

Himburg Daniel

Daniel Himburg ist seit 19 Jahren Reiseleiter

Freuen Sie sich schon auf die Sommersaison, Herr Himburg?
Ja, das tue ich! Ab Ende Juni ist wieder richtig was los hier auf Gran Canaria. Ich bin ein Menschenfreund, lebe für meinen Beruf und brauche den Adrenalin-Kick der Hochsaison. Ich investiere im Sommer sehr viel Energie für unsere Kunden, empfinde es aber als Privileg, an einem Ort leben zu dürfen, wo andere Urlaub machen.

Wie bereiten Sie sich auf die Sommersaison vor?
Derzeit überprüfen mein neunköpfiges Team und ich alle Hotels hinsichtlich der Zimmerausstattung oder der Essensqualität. Gibt es Beanstandungen, arbeiten wir gemeinsam mit den Hoteliers daran, dass in der Saison alles stimmt. Außerdem informieren wir uns zu neuen Ausflügen, erstellen Zeitpläne für die Transfers zu An- und Abflügen und koordinieren die Besuchszeiten in den Hotels, so dass uns die Gäste täglich vor Ort persönlich treffen können. Daneben genieße ich noch ein paar freie Momente – denn die werden im Hochsommer seltener.

Wie lautet Ihre Version einer Job-Beschreibung für das Berufsbild Reiseleiter?
Ganz einfach: Tue alles, um den Gästen die schönste Zeit des Jahres zu bescheren. So simpel das klingt, so komplex ist manchmal der Weg dahin. Als Reiseleiter sind wir vieles in einer Person: Traum-Erfüller und Kummerkasten, Alleswisser und Eheberater, Beschwerdemanager und Gute-Laune-Macher, pragmatischer Organisator und penibler Schreibtischtäter, Krankenpfleger und Kameramann. Geht nicht, gibt’s nicht! In der Beschreibung des Berufsbildes Reiseleiter darf übrigens der Zusatz „alle Angaben ohne Gewähr“ nicht fehlen – denn wir improvisieren laufend und meistern jeden Tag völlig neue Herausforderungen.

Was bedeutet für einen Reiseleiter Erfolg?
Erfolg ist, wenn meine Gäste abends zufrieden ins Bett fallen und nichts davon bemerkt haben, dass mein Team und ich im Hintergrund rotiert haben, um einen sorgenfreien Urlaub zu ermöglichen.

Wie sind Ihre Arbeitszeiten?
Während der Hochsaison bin ich mit meinem Team fast rund um die Uhr im Einsatz: Begrüßung der Gäste am Flughafen, Gespräche vor Ort in den Hotels, Beratung zu Ausflugsmöglichkeiten, Bürotätigkeiten. Hinzu kommen besondere Ereignisse oder Notfälle. Unsere Gäste können uns sieben Tage pro Woche und 24 Stunden am Tag vor Ort erreichen. In der Hochsaison klingelt das SOS-Handy im Schnitt drei- bis viermal pro Woche mitten in der Nacht – denn Krisen kennen keine Öffnungszeiten. 

Was sind denn typische Notfälle?
Einen typischen Notfall gibt es nicht. Wir werden mit vielen verschiedenen Ereignissen konfrontiert: Vom Flugausfall bis hin zum Beinbruch, vom Diebstahl bis zum Ehekrach. Kleine und große Krisen sind Teil unseres Jobs und dankbare Gäste die Entschädigung dafür.

Wie wird man Reiseleiter der DER Touristik?
Rein formal benötigt man eine Berufsausbildung, Kenntnisse in zwei Fremdsprachen und ein hohes Maß an Flexibilität. Denn von Reiseleitern wird erwartet, dass sie weltweit einsetzbar sind. Wichtige Fähigkeiten sind zudem Organisationsgeschick, Stressresistenz, Freude am Service und Empathie. Die Ausbildung eines Reiseleiters beginnt mit einem intensiven Training durch die DER Touristik. Es folgen permanente Weiterbildungen, etwa professionelle Notfalltrainings. Der Alltag eines Reiseleiters ist allerdings die allerbeste Schule – denn das Leben stellt uns kniffligere Aufgaben als jedes Lehrbuch. Und auch ich lerne nach 19 Jahren noch täglich dazu!

(Anm. d. Red.: Das Interview entstammt einer Pressemitteilung von DER Touristik. In der Praxis haben Reiseleiter nicht nur die Aufgabe, als Problemlöser und Wunscherfüller zu arbeiten, sondern sie sind auch gehalten, Ausflüge und sonstige Vor-Ort-Angebote an den Mann oder die Frau zu bringen. Dieser Aspekt ist nicht unwichtig für ihre Vergütung.)

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