Griechenlands Norden setzt auf Slow Travel
Abseits der Kykladen und Athens positioniert sich Epirus als Ziel für entschleunigtes Reisen. Die Region im Nordwesten Griechenlands verbindet Bergdörfer, Schluchten und Klöster mit lokaler Gastronomie und kleinen Unterkünften. Wanderungen durch Zagori, die Vikos-Schlucht oder Meteora führen ohne große Besucherströme durch eine Landschaft, die auf Authentizität und Nachhaltigkeit setzt.
iStock/tashka2000
Während viele Griechenland-Reisen an die Küsten oder zu antiken Stätten führen, wirbt Epirus mit rauer Natur und Stille. Die Region ist geprägt von den Gipfeln des Pindus-Gebirges, klaren Flüssen und abgelegenen Dörfern. Für Reisende, die bewusst unterwegs sind, bietet sie "Authentizität ohne Menschenmassen".
Im Zentrum stehen die Zagorochoria, 46 aus Stein gebaute Dörfer im Wald. Schieferdächer und traditionelle Baukunst prägen das Bild. Ein lokaler Guide bringt die Philosophie auf den Punkt: "We don't rush here." Die Orte seien dafür gebaut, zu Fuß entdeckt zu werden – Schritt für Schritt.
Ein Höhepunkt ist die Skala Vradetou, eine historische Steintreppe, die über Jahrhunderte die einzige Verbindung zwischen Siedlungen war. Wanderer berichten von einem "surrealen Erlebnis" beim Abstieg über die kunstvoll gesetzten Stufen.
Vikos-Schlucht und regionale Küche
Zu den landschaftlichen Fixpunkten zählt die Vikos-Schlucht, die als tiefste Schlucht der Welt gemessen an ihrer Breite gilt. Beim Gang durch das Tal erläutern Guides die Heilpflanzen der Region und die Geschichte der Vikogiatroi, traditioneller Ärzte, die einst mit Kräutern arbeiteten.
Nach den Touren warten familiengeführte Tavernen. Serviert werden Pitas mit wild gesammelten Kräutern, regionale Käsesorten und langsam gegartes Lamm.
Meteora und die Ionische Küste
Weiter südlich ragen die Sandsteinfelsen von Meteora in den Himmel. Die orthodoxen Klöster auf den Felsspitzen gehören zum Unesco-Welterbe. Wer die "Säulen des Himmels" zu Fuß erkundet, erlebt die Anlage ruhiger als bei einer Anreise per Bus.
Den Abschluss bildet die Ionische Küste. Auf Korfu trifft üppiges Grün auf venezianisches Erbe. Die Altstadt mit ihren schmalen Gassen spiegelt italienische, französische und britische Einflüsse. Nach Tagen in den Bergen wirkt das Bad im Meer wie ein Kontrastprogramm.
Nachhaltigkeit als Leitmotiv
Epirus setzt auf kleine Gästehäuser und lokale Anbieter. Wer dort reist, unterstützt Berggemeinden direkt und trägt zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Das Prinzip: langsam gehen, regional essen, Geschichten hören. So positioniert sich der Norden Griechenlands als Gegenentwurf zu stark frequentierten Destinationen – und als Beispiel für eine Form des Reisens, die Natur, Kultur und Wertschöpfung vor Ort verbindet.
Der Artikel basiert auf einem leicht redigierten Bericht von Sofia Mastoridis. Sie ist die Gründerin von der Schweizer Reiseagentur Natura Greca und leidenschaftliche Wanderin mit Wurzeln in Griechenland. Mastoridis konzipiert und begleitet Reisen in kleinen Gruppen, die geführte Wanderungen mit kulturellen Einblicken und regionaler Gastronomie verbinden. Im Mittelpunkt stehen weniger bekannte Regionen wie Epirus, in denen Reisende Landschaft, lokale Gemeinschaften und traditionelle Küche aus nächster Nähe erleben.
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