26. Juli 2018 | 15:20 Uhr
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Wie der Vertrieb über den

Das Interview mit dem Reise vor9 Magazin, in dem DER-Touristik-Chef Sören Hartmann den Handelsvertreterstatus der Reisebüros "irgendwann" ein Ende voraussagt, hat in der Touristik lebhafte Diskussionen ausgelöst. Der Mittelstandsverband ASR reagierte über seinen Präsidenten Jochen Szech empört. "Hartmann will mit der Idee einer Abschaffung des Handelsvertreterstatus Überlegungen der Konzerne salonfähig machen, bestimmte Produkte exklusiv im Eigenvertrieb anzubieten. Zudem eröffnet dies rechtlich die Option für Veranstalter, den externen Vertrieb auf der Preisebene anzugreifen", kritisiert Szech die Denkansätze des Konzernchefs und gibt sich kampfbereit: "Das werden wir nicht hinnehmen."

Die DER Touristik Group hat mittlerweile mit einer "Richtigstellung" reagiert und bekennt sich "klar und unmissverständlich zu ihren Reisebüro-Partnern. Sie sind in Deutschland unverändert der wichtigste und umsatzstärkste Vertriebsweg." Damit entgegne DER Touristik "einer Unterstellung", dass DER Touristik die Zusammenarbeit mit den Reisebüros infrage stelle. Szechs Behauptung, Sören Hartmann wolle die Idee einer Abschaffung des Handelsvertreter-Status salonfähig machen, entbehre jeder Grundlage. "Das Gegenteil ist der Fall." Aus den Aussagen von Hartmann die Abschaffung des Handelsvertreterstatus in Deutschland oder die Streichung von Provisionen abzuleiten, sei eine Fehlinterpretation des Interviews im Reise vor9 Magazin. "Daran arbeitet die DER Touristik Group nicht und sie beabsichtigt es auch nicht."

In Social-Media-Gruppen laufen die Diskussionen heiß. Einzelne Kommentatoren fordern "eine Entschuldigung an die Reisebüros, denen sie die Existenzgrundlage entziehen wollen". Andere reden sogar von "Krieg" und fordern, sich von Veranstaltern, die den Handelsvertreterstatus in Frage stellten, abzuwenden. Tatsächlich hatte Hartmann im Interview mit dem Reise vor9 Magazin keineswegs erklärt, dass er oder die DER Touristik eine Abschaffung des Handelsvertreterstatus der Vertriebspartner plane. Aber solche Nuancen gehen im emotional geführten Diskurs in der Touristik ja gerne verloren.

Reisebüromitarbeiter als touristische Marken

Eine, die eigentlich gerne scharfe Worte in den Mund nimmt, bleibt in dieser Situation eher gelassen. Vieles von dem, was Hartmann gesagt habe, sei richtig, erklärt Marija Linnhoff, Chefin des Reisebüroverbandes VUSR, im Gespräch mit Reise vor9. Reisebüros müssten ihre Stärken besser hervorheben, pflichtet sie dem DER-Touristik-Chef bei und sieht dafür gute Chancen, denn: "Die eigentliche Marke heißt beim Reisebürokunden nicht Tui oder DER Touristik, sondern Herr Müller oder Frau Schmidt."

Allerdings zäume Hartmann das Pferd von der falschen Seite auf, kritisiert Linnhoff. Denn noch seien große Teile des stationären Vertriebs nicht in der Lage, neue Geschäftsmodelle umzusetzen. In der Schweiz, die Hartmann als Beispiel für die erfolgreiche Durchsetzung von Beratungsgebühren anführe, seien Reiseverkäufer besser qualifiziert und würden besser bezahlt, erklärt die VUSR-Frontfrau und knüpft in ihrer Argumentation an eine Forderung an, die sie schon seit längerem immer wieder erhebt: "Wir brauchen für den Verkauf von Reisen einen Qualifikationsnachweis."

Neue Debatte um Qualifikationsnachweis?

Die Debatte um dieses Thema hatte vor Jahren schon einmal den DRV erreicht, war dann aber im Sande verlaufen. Es sei ein Unding, dass immer noch jeder, dem es in den Sinn komme, Reisen verkaufen dürfe, schimpft Linnhoff – erst recht vor dem Hintergrund der komplexeren rechtlichen Verpflichtungen nach dem Inkrafttreten des neuen Reiserechts. Deshalb und weil die Reisebüros langfristig nur mit besserem Know-how und qualifizierteren Kräften überleben könnten, müsse die Debatte neu aufgerollt werden.

Dabei betont die Verbandschefin, dass sie keineswegs Quereinsteigern den Zugang zur Branche verbauen wolle. Und ein Patentrezept, wie die Qualifikation am besten überprüft werden könne, habe sie auch nicht, räumt sie ein. Um das zu finden, könne man sich ja mal in anderen Ländern umsehen – zum Beispiel in der Schweiz.

"Wir kämpfen für den Handelsvertreterstatus"

Zu einer Verfechterin der schon seit Jahren immer mal wieder diskutierten Wandlung des rechtlichen Status der Reisebüros vom Handelsvertreter zum Makler oder Händler ist Linnhoff aber nicht geworden. Zwar seien die Vergütungen durch die Veranstalter "alles andere als berauschend", sagt sie, aber der Status quo biete immerhin eine gewisse Sicherheit. "Wir werden für den Handelsvertreterstatus kämpfen", kündigt die VUSR-Vorsitzende an.

Christian Schmicke

 

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