23. Januar 2026 | 07:00 Uhr
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Wie Aida Cruises wichtige Zukunftsthemen angeht

Im zweiten Teil des Interviews mit Reise vor9 spricht Aida-CEO Felix Eichhorn über die Aktivitäten der Reederei bei der Entwicklung nachhaltigerer Schiffsantriebe, das Thema Overtourism, mögliche neue Zielgebiete und seinen persönlichen Blick auf das Unternehmen.

Eichhorn Felix President Foto Eichhorn Felix President Foto Aida Cruises

Mit den jüngsten Neubauten hat ihr Wettbewerber TUI Cruises das Konzept der Mein Schiff erweitert und macht es nun auch europäischen Gästen zugänglich. Könnte das künftig auch ein Thema für Aida werden?

Wir sehen viel Nachfrage auf dem deutschen und deutschsprachigen Markt. Das ist unser Kernmarkt, darauf fokussieren wir uns und hier sehen wir weiter große Wachstumsmöglichkeiten. Eine gezielte Aktivierung außerhalb der deutschsprachigen Märkte ist nicht geplant und für Aida nicht notwendig.

Die beiden neuen Schiffe werden mit einem "Multifuel“-Antrieb ausgestattet sein. Was bedeutet das konkret?

Wir setzen auf größtmögliche Flexibilität, da der künftige Technologie-Kraftstoffmix noch nicht feststeht. Seit vielen Jahren testen wir neue Technologien, um diese zusammen mit Partnern weiterzuentwickeln. Aida Nova war bekanntermaßen weltweit das erste Kreuzfahrtschiff mit LNG-Betrieb. Wir haben Brennstoffzellen getestet und auf Aida Prima die weltweit größte Batterieinstallation im maritimen Kreuzfahrtsektor mit 10 Megawatt installiert. Zusätzlich haben wir auch Biotreibstoffe in den Praxisbetrieb eingeführt, zunächst als 10 Prozent Beimischung und dann schrittweise auf 100 Prozent erhöht. Das funktioniert sehr gut, aber die Verfügbarkeit des Kraftstoffs ist leider noch begrenzt. Deswegen setzen wir auf Multi-Fuel-Maschinen, weil wir damit größtmögliche Flexibilität erhalten. Es wird sehr wahrscheinlich am Ende nicht die eine Lösung geben, sondern eine Kombination aus LNG, Bio-LNG, vielleicht auch Methanol und vor allen Dingen weiteren strombasierten Kraftstoffen. Die gibt es heute gar nicht oder in Kleinstmengen.

aida kieler woche Feuerwerk Foto Christian Lietzmann

Wie sieht es beim Landstrom aus?

Auch hier sind wir Vorreiter und entwickeln das Thema sehr positiv. 2023 konnten wir bei 65 Hafenanläufen Landstrom beziehen, 2025 waren es schon deutlich über 400 Ladevorgänge, dieses Jahr planen wir über 600. In Nordeuropa erfolgt bereits jeder zweite Anlauf an der Landstromanlage. In Hamburg, Kiel, Rostock sind es sogar fast 100 Prozent, sofern es nicht einmal eine Wartung gibt. Im Mittelmeer hingegen muss sich noch mehr tun, derzeit gibt es lediglich im Hafen von Valletta auf Malta eine Landstromanlage. Dabei müssen bis 2030 laut EU alle großen Häfen mit Landstrom ausgestattet werden. Unsere Schiffe jedenfalls sind dafür ausgerüstet: Wo wir connecten können, connecten wir.

Ein anderes Thema, mit dem die Kreuzfahrt immer wieder konfrontiert wird, ist Overtourism. Welche Lösungen strebt Aida hier an?

Ich bin ein Fan von Fakten. Die Kreuzfahrt selbst stellt auch in sehr beliebten Destinationen immer nur einen sehr kleinen Anteil der Gesamttouristen, meist im einstelligen Prozentbereich. In Dubrovnik etwa haben wir mit dem Bürgermeister ausgewertet, wie viele Gäste in die Altstadt gehen, und ein Slotsystem zur Entzerrung entwickelt. Das wurde dann auf die klassischen Bustouristen ausgerollt. Der Vorteil der Kreuzfahrt ist doch, dass wir nicht überraschend kommen, unsere Termine stehen zwei bis fünf Jahre vorher fest. Das bietet die Chance, die Abläufe aktiv zu managen. Aber die Destination muss hier auch mitwirken. Trotzdem lässt sich sagen, dass es besser wird. Wir sind heute deutlich proaktiver mit den Häfen unterwegs als noch vor zehn Jahren.

Wären möglicherweise private Destinationen wie in der Karibik ein Modell für Europa?

Das ist aktuell nicht notwendig. Wir haben signifikant mehr Häfen in Europa als Kreuzfahrtschiffe. Und unsere Gäste möchten auch die kulturellen Highlights sehen. In der Karibik sind die Nachfrage und das Bedürfnis ein anderes. In Europa haben wir ausreichend Alternativen und viel Nachfrage von Häfen, mehr Geschäft zu bringen, auch in der Nebensaison.

In diesem Jahr feiert Aida seinen 30. Geburtstag, den Großteil der Reise haben Sie aktiv mitbegleitet. Ist für Felix Eichhorn ein Leben außerhalb von Aida überhaupt noch vorstellbar?

Ich habe im Jahr 1999 gestartet, also bin ich jetzt schon deutlich mehr als 25 Jahre dabei. Damals hatten wir unter der Marke Aida ein Schiff im Einsatz und knapp 35.000 Gäste pro Jahr. Etwas andere Zeiten. Aber ehrlich gesagt ist das heute immer noch ein absoluter Traumjob. Die Vielfalt der Themen macht den Reiz aus. Wir sind Hotelier, betreiben 15 Theater, fast 150 Restaurants, ebenso viele Bars, 11 Clubs, Spas und mehr als 30 Shops. Wir sind aber auch Reiseveranstalter und Reederei, was einen ganz anderen Blick in die Schifffahrt aber auch Technologie und Nachhaltigkeitsthemen ermöglicht. Und rekrutieren, trainieren und beschäftigen weltweit fast 20.000 Mitarbeiter. Diese Breite ist einzigartig. Und ich lerne auch heute noch jeden Tag dazu. Es macht Spaß und es wächst und es ist eine positive Branche: Wir möchten unseren Gästen ein einzigartiges Urlaubsprodukt bieten, um die schönste Zeit des Jahres bei uns zu verbringen. Ganz ehrlich, es gab bisher keinen Job, wo ich sagen würde, jetzt würde ich tauschen wollen.

Das Gespräch führte Pascal Brückmann

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