11. September 2026 | 13:12 Uhr
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Warum Soloreisen für Sunwave kein neuer Trend sind

Den viel beschworenen Boom bei Soloreisen hält Sunwave-Chef Ralph Benecke (Foto) teilweise für eine Frage neuer Begriffe. Der Spezialveranstalter beobachtet mehr Aufmerksamkeit für das Segment, sieht aber keinen grundlegend neuen Markt. Dass große Veranstalter Soloreisen stärker entdecken, betrachtet Benecke eher als Chance denn als Bedrohung.

Benecke Ralph

Nach Einschätzung von Sunwave-Chef Ralph Benecke haben sich in den vergangenen Jahren weniger die Kundenerwartungen als die Begrifflichkeiten im Geschäft mit Alleinreisenden verschoben 

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Sunwave organisiert seit rund 25 Jahren Reisen für Singles und Alleinreisende. Für Benecke hat sich dabei weniger die Zielgruppe als die Sprache verändert. Früher sei vor allem von Singlereisen gesprochen worden, später von Alleinreisenden und inzwischen zunehmend von Soloreisenden.

Auch die Erwartungen haben sich verschoben. Während früher bei vielen Gästen die Partnersuche eine Rolle gespielt habe, stünden heute Gemeinschaft, gemeinsame Erlebnisse und soziale Kontakte im Vordergrund. Sunwave erhebe nicht, ob Teilnehmer tatsächlich Single, verheiratet oder in einer Beziehung sind, betont er.

Kleine Gruppen statt großer Kontingente

Ein Kern des Produkts sind nach Beneckes Worten möglichst homogene Gruppen. Sunwave arbeitet deshalb mit Alterskorridoren wie 25 bis 45 oder 40 bis 65 Jahren und versucht bei vielen Reisen zunächst, Plätze jeweils zur Hälfte für Männer und Frauen vorzuhalten. Garantieren lasse sich eine ausgeglichene Verteilung allerdings nicht.

Auch bei der Gruppengröße setzt der Veranstalter Grenzen. Gruppen mit 20, 30 oder 40 Teilnehmern hält Benecke für das Segment für wenig geeignet. Bei klassischen Flugreisen ins Mittelmeer mit Mietwagen und Aktivitäten seien 16 bis 18 Personen eine sinnvolle Obergrenze, Fernreisen könnten bereits ab acht Teilnehmern stattfinden.

Einzelzimmer bestimmen den Hoteleinkauf

Beim Einkauf bevorzugt Sunwave kleinere, häufig familiengeführte Hotels. Ziel sei, mit der eigenen Gruppe einen relevanten Teil der Gäste zu stellen und dadurch etwa Essenszeiten und Abläufe besser auf sie abstimmen zu können.

Besonders wichtig sei eine ausreichende Zahl an Einzelzimmern. "Einzelzimmer, Einzelzimmer, Einzelzimmer", fasst Benecke die Anforderung zusammen. Halbe Doppelzimmer bietet Sunwave allerdings auf Wunsch an, die Nachfrage danach habe nach der Pandemie wieder zugenommen. Das wirtschaftliche Risiko einer nicht vollständigen Belegung trägt dabei der Veranstalter.

Der passende Hoteleinkauf sei entsprechend arbeitsintensiv. Benecke berichtet von einer Suche in der Schweiz, bei der er 13 Häuser prüfte, bevor er ein Hotel mit 24 verfügbaren Einzelzimmern fand. "Der gute Einkauf sorgt im Endeffekt für den Erfolg", sagt er.

Nahost-Krise verschiebt Nachfrage

Bei den Reisezielen unterscheidet sich die Sunwave-Kundschaft laut Benecke kaum vom übrigen Markt. Der Nahost-Konflikt traf insbesondere Reisen über Doha und Dubai. Die Nachfrage nach Fernreisen ging zeitweise deutlich zurück, während Deutschland, Österreich und die Schweiz im Sommer stärker gefragt waren.

Fernreisen bleiben dennoch ein wichtiger Bestandteil des Programms. Vor Ort arbeitet Sunwave bevorzugt mit kleineren inhabergeführten Agenturen zusammen.

Große Veranstalter erhöhen die Aufmerksamkeit

Die wachsende Beschäftigung großer Veranstalter mit Soloreisen beunruhigt Benecke nicht. Als Thomas Cook 2008 einen eigenen Singlereisen-Katalog auflegte, habe dies das gesamte Segment bekannter gemacht und auch Spezialisten zusätzlichen Schub gegeben, sagt er.

Für kleinere Anbieter komme es allerdings darauf an, flexibler zu bleiben und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Sunwave verkauft einen großen Teil der Reisen direkt; Empfehlungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Reisebüros haben bislang einen kleineren Anteil am Vertrieb. Benecke würde sich wünschen, dass mehr Agenturen die spezialisierten Anbieter kennen.

Beim Wachstum setzt Sunwave auf Zurückhaltung. Zuwächse von 50 oder 100 Prozent seien nicht das Ziel. Benecke bevorzugt es, mit seinem Unternehmen "ein wenig und stetig" zu wachsen und wäre zufrieden, wenn das Unternehmen in diesem Jahr das Ergebnis des Vorjahres erreicht.

Christian Schmicke

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