13. Februar 2019 | 16:45 Uhr
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So reagieren Reisebüros auf die Joussen-Ansage

Wenig Begeisterung haben die Ausführungen von TUI-Chef Fritz Joussen zur Zukunft des Vertriebs bei den Reisebüros ausgelöst. Der CEO des Touristikkonzerns hatte im Zuge der Aktionärsversammlung am Dienstag deutlich gemacht, dass er die digitalen Kanäle und vor allem die Buchungen über mobile Endgeräte für komfortabler und in Sachen Vertriebskosten preisgünstiger hält als den stationären Vertrieb. Zugleich kritisierte er, dass TUI viele ihrer Kunden, die sie über Reisebüros generiere, überhaupt nicht kenne.

In Social-Media-Foren wird Joussens Vorstoß heftig kritisiert. Dass der TUI-Chef denke, es handele sich um "seine" Kunden, sei schon eine interessante Sichtweise, schreibt ein Reiseprofi. Wenn Joussen von den Reisebüros deren Kundendaten zur Nutzung haben wolle, solle TUI "doch mal die unnötigen Werbebriefe in der Hauspost bleiben lassen". "Der wird noch merken, wie sehr ihm der stationäre Vertrieb fehlen wird", merkt der Verfasser an.  

Manche Reiseverkäufer appellieren an ihre Kollegen, auf Tui-Buchungen soweit wie möglich zu verzichten. "Man sollte überlegen, TUI aus dem Sortiment zu schmeißen", schreibt einer. "Wir arbeiten daran und entfernen nun schon einmal die TUI-Aufkleber von unseren Schaufenstern." Allerdings merkt derselbe Autor auch an, dass dies in der Praxis nicht immer so leicht sei.

"Null Kosten" bei App-Buchungen?

Für einigen Spott sorgt die Aussage des TUI-Chefs, bei Buchungen über die App seien die Vertriebskosten "praktisch Null". Wie das angesichts der erforderlichen Investitionen in die IT und steigender Anforderungen der Kunden, zum Beispiel an den telefonischen Kundenservice funktionieren solle, sei ihr schleierhaft, schreibt eine Reise-vor9-Leserin und fügt hinzu: "Aber er denkt wohl immer noch in Handyverträgen, statt in Urlaub mit allem drum und dran." Joussen war vom Mobilfunkanbieter Vodafone zu TUI gestoßen.  

Immerhin: Ein Leser hält dem Konzernlenker zugute, dass er immerhin Klartext rede "und nicht wie andere um den heißen Brei herum". Schließlich wollten die meisten Veranstalter ihren Direktvertrieb vorantreiben; nur trauten sich die meisten nicht, das auch öffentlich zuzugeben.

Christian Schmicke

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