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19. September 2019 | 07:00 Uhr
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Reisebüros wollen von Reedereien mehr Infos zu Umweltthemen

Das geht aus einer Umfrage für Counter vor9 hervor, an der rund 250 Vertriebsprofis teilnahmen. Demnach wollen 60 Prozent der Befragten von den Kreuzfahrtanbietern besser mit Wissen zu deren Umweltaktivitäten versorgt werden, die übrigen 40 Prozent fühlen sich für den Verkauf hinreichend informiert.

Kreuzfahrtschiff

70 Prozent der Reiseverkäufer, die sich an der Umfrage beteiligten, informieren sich regelmäßig über das Thema Kreuzfahrten und Umwelt. Weitere 27 Prozent beschäftigen sich nach eigener Aussage gelegentlich damit. Die Informationen aus der Kreuzfahrtbranche zu Umweltthemen werten die Reisebüros unterschiedlich. So schreibt ein Umfrageteilnehmer in einem Kommentar, es wäre "hilfreich, wenn uns die Reedereien eine Übersicht über die Umweltschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen, damit wir nicht alles selbst heraussuchen müssen".

Ein anderer bezweifelt dagegen, dass die Reedereien selbst "als Informationsquellen in Sachen Umweltschutz die beste Wahl" seien, da ihre Aussagen naturgemäß von Verkaufsinteressen geprägt seien. Ein weiterer Vertriebsprofi vertritt die Auffassung, dass die Berichterstattung in den Medien "stark von den Umweltverbänden geprägt" werde, während den Reedereien wenig Gelegenheit gegeben werde, "ihre Sicht und vor allem ihre guten Anstrengungen zu präsentieren".

Der Druck ist gewachsen

Seit die Kreuzfahrt in puncto Umweltschutz in die Kritik geraten ist, hat die Branche allerdings ihre Aktivitäten in Sachen Öffentlichkeitsarbeit auf diesem Gebiet deutlich verstärkt. So engagierte Aida Cruises 2012 die ehemalige Greenpeace-Aktivistin und spätere niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn für Umweltfragen; seit 2018 ist sie beim Mutterunternehmen Costa strategisch beratend aktiv. TUI Cruises holte bereits 2011 die Verkehrsexpertin Lucienne Damm vom Naturschutzbund Nabu als Umweltmanagerin an Bord.

Dennoch geriet die Kreuzfahrt immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Gerade in jüngster Zeit sah sie sich angesichts zahlreicher kritischer Berichte, darunter eine Titelgeschichte im Nachrichtenmagazin "Spiegel", veranlasst, verstärkt aktiv zu werden. So veröffentlichte der Kreuzfahrtverband Clia gerade zum dritten Mal einen Jahresbericht über die Umweltpraktiken der Branche, um "Engagement und Führungsrolle der Mitgliedsreedereien beim Thema Umweltschutz" hervorzuheben. Felix Eichhorn, Chef von Aida Cruises, unterstrich beim Gipfeltreffen der Welttourismusorganisation UNWTO im russischen Sankt Petersburg das Ziel einer "klimaneutralen Kreuzfahrt" und versprach, dass bis Ende 2023 "94 Prozent aller Aida-Gäste auf Schiffen reisen, die vollständig mit emissionsarmem Flüssiggas (LNG) oder, wo möglich, im Hafen mit grünem Landstrom betrieben werden können“.

Und auch mit der Information gegenüber dem Counter soll es vorangehen: So kündigte MSC Kreuzfahrten gerade an, dass man an einem neuen Informationsprogramm für Reisebüros arbeite, das die Umweltmaßnahmen und neuen Technologien für den Counter besser veranschaulichen soll.

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