18. März 2019 | 08:00 Uhr
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Explorer-Chef fordert mehr Mut zu individuellen Angeboten

Kunden seien dafür offen, auch wenn sie nicht gleich danach fragten, sagt Rüdiger Berger, Geschäftsführer von Explorer Fernreisen, im Interview mit Counter vor9. Der Veranstalter hat sein B2B-Serviceteam für den Fremdvertrieb ausgebaut, um seine Rolle als Ansprechpartner für individuelle Fernreisen zu stärken.

Berger Rüdiger

Will Ansprechpartner für Reisebüros mit Kunden für individuelle Fernreisewünsche sein: Rüdiger Berger

Explorer Ferneisen gehört zu den Pionieren unter den Anbietern individueller Bausteinreisen auf der Fernstrecke. 1970 als Afrika-Spezialist gegründet, betreibt das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf schon lange ein firmeneigenes Filialnetz mit derzeit zwölf Reisebüros. Counter vor9 sprach mit Geschäftsführer Rüdiger Berger über die Herausforderungen in seinem Metier.

Das Gespräch führte Christian Schmicke

Counter vor9: Herr Berger, Explorer Fernreisen ist vielen vor allem durch einen starken Eigenvertrieb geläufig. Vor kurzem haben Sie Ihr Serviceteam für Reisebüros aufgestockt. Bedeutet das einen Strategiewechsel in Sachen Vertrieb?

Berger: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Viele Reisebüros kennen uns noch als Consolidator für Graumarkttickets, wie sie damals hießen. Dieses Geschäft haben wir Anfang der 2000er Jahre zurückgefahren und uns auf individuelle Fernreisen konzentriert. Um den stationären Vertrieb in der Breite zu bedienen, fehlen uns die technischen Anbindungen, wie etwa an Bistro. Aber für Reisebüros, die für ihre Kunden das Besondere abseits der ausgetretenen Pfade suchen, waren wir immer Ansprechpartner. Und weil die Nachfrage dafür gut ist, haben wir unser B2B-Serviceteam ausgebaut.

Was können Sie Reisebüros bieten, was andere nicht haben?

Unser Job beginnt da, wo sich die Generalisten im Markt mit ihren vorkonfektionierten Programmen schwertun. Wenn Sie zum Beispiel mit einem Aborigine zum Uluru im australischen Outback unterwegs sind, ist das ein eindrucksvolles Erlebnis, bei dem Sie viele persönliche Geschichten erfahren, aber das bekommen Sie nicht von der Stange. Dafür gibt es uns.

Von Individualisierung spricht gerade jeder…

Ja, aber damit ist meist eine Art Massenindividualität gemeint. Wir bieten natürlich auch Reisen in bekannte Destinationen an. Aber wer mit uns beispielsweise in die Karibik reist, will keinen reinen Strandurlaub, sondern sucht etwa Inselkombinationen. Und auch im südlichen Afrika sind unsere Unterkünfte und Routen keine Standardangebote.

Unterscheiden sich Ihre Trendziele stark von denen des Gesamtmarktes?

Vor allem im Detail. Der indische Ozean und das südliche Afrika sind auch bei uns sehr gefragt, aber Ziele wie Botswana, Simbabwe oder Mosambik spielen bei uns sicher eine größere Rolle. Und auch individuelle Reisen zu besonderen Tierbeobachtungen gewinnen an Bedeutung – etwa zu den Gorillas in Uganda oder zu den Orang-Utans im indonesischen Kalimantan auf der Insel Borneo.

Die Tourismusbranche stehe vor großen Herausforderungen, wird oft gesagt. Welches sind für Sie als mittelständischer Nischenanbieter die größten Hürden?

Da wir in vielen Ländern aktiv sind, die sich nicht gerade durch große Stabilität auszeichnen, sind politische Krisen und Naturereignisse immer ein Thema. Eine weitere große Herausforderung sind Währungsschwankungen. Wenn Sie Verträge zur falschen Zeit in der falschen Währung abschließen, kann das teuer werden.  Und natürlich beschäftigt uns eine zunehmende Neigung vieler Menschen, sich blindlinks aufs Internet zu verlassen und sich erst an uns zu wenden, wenn sie damit mal auf die Nase gefallen sind.

Ihr Rat für Reisebüros?

Mehr Mut zu aktiven individuellen Angeboten. Die Kunden sind dafür offen, auch wenn sie nicht sofort danach fragen. Und auch in den bekannten Reiseländern finden sich Erlebnisse abseits des Mainstreams, mit denen sie Ihre Kunden in der Beratung beeindrucken können.