25. Juni 2026 | 13:59 Uhr
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Deutscher Reisesicherungsfonds halbiert Entgelte ab November

Der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) senkt zum 1. November die Entgelte für Reiseveranstalter von 0,5 auf 0,25 Prozent des absicherungspflichtigen Pauschalreiseumsatzes. Zudem sinkt der sogenannte Startwert für Sicherheiten von sieben auf fünf Prozent. DRV, Dertour Group und TUI begrüßen den Schritt, verlangen aber weitere Reformen.

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Damit halbiert der DRSF die Beiträge erneut. Zum Start des Fonds hatten Veranstalter noch ein Prozent ihres Pauschalreiseumsatzes eingezahlt. Nach Angaben des DRSF spart die Branche dadurch jährlich 70 Millionen Euro. Zugleich verändert der Fonds das System der Sicherheitsleistungen. Der Startwert sinkt von sieben auf fünf Prozent. Die Bandbreite reicht künftig von ein bis neun Prozent des Pauschalreiseumsatzes des zurückliegenden Geschäftsjahres. Bisher lag sie bei fünf bis neun Prozent.

Bonität soll stärker zählen

Die neue Spanne soll es ermöglichen, die Bonität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen stärker zu berücksichtigen. Nach Handelsblatt-Informationen sollen Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, Umsatzrendite und Liquidität in die Berechnung einfließen. Vor allem bonitätsstarke Veranstalter könnten dadurch entlastet werden.

Das Volumen der zu stellenden Sicherheiten sinkt nach DRSF-Angaben zum neuen Absicherungsjahr einmalig um 560 Millionen Euro. Dieses Geld bleibt den Unternehmen als Liquidität erhalten. DRSF-Geschäftsführer Andreas Gent spricht von einem Gesamtpaket, das die Reisebranche "spürbar und zielgerichtet" entlaste.

Verbände beziehen Position

Der Deutsche Reiseverband (DRV) begrüßt die Absenkung. Der Verband hatte sich nach eigenen Angaben intensiv für niedrigere Entgelte und eine geringere finanzielle Belastung der Reiseveranstalter eingesetzt. DRV-Präsident Albin Loidl nennt die Halbierung "ein positives Signal für die Reisewirtschaft".

Für den Verband ist die Entscheidung aber nicht das Ende der Debatte. Bei der Überprüfung des Finanzierungsplans im kommenden Jahr sollten weitere Schritte möglich werden, sofern sich der Fonds weiterhin positiv entwickelt. Dazu zählt der DRV weitere Entlastungen bei den Entgelten und eine erneute Prüfung der Sicherheiten.

Wenig überraschend sieht der Verband VUSR die Sache anders. Chefin Marija Linnhoff hält die Senkung der DRSF-Entgelte zwar für einen richtigen ersten Schritt, sieht darin aber keine echte Entlastung der Reiseveranstalter. Die Belastungen durch den Fonds blieben erheblich, heißt es. Kritik übt der VUSR an der Konstruktion des DRSF, dessen Mitgesellschafter der Verband gerne wäre. Gefordert werden eine unabhängige Aufsicht, etwa durch die BaFin, sowie eine "grundlegende Neuordnung" des Fonds.

Veranstalter wollen mehr Tempo

Auch die Dertour Group begrüßt die Anpassungen, fordert aber zusätzliche Reformen. CEO Christoph Debus nennt die Absenkung der Entgelte und die Anpassung der Sicherheiten "wichtige und überfällige Signale". Debus fordert weitere Absenkungsschritte, eine moderne Kapitalanlagerichtlinie für die eingezahlten Mittel und eine strukturelle Weiterentwicklung des Fonds. Zudem wirbt er für ein DRSF-Qualitätssiegel, das den Schutz der Pauschalreise für Kunden sichtbarer machen soll.

TUI spricht von einem "guten Zwischenschritt", hält die Entlastung aber ebenfalls nicht für ausreichend. Der Konzern fordert, staatlich verordnete Kosten für Reisen müssten weiter sinken. Eine Absenkung der DRSF-Entgelte auf null sei möglich, ohne den Schutz der Kunden zu gefährden, heißt es aus Hannover.

Kapitalanlage rückt in den Fokus

TUI verweist darauf, dass dem Fonds rund eine Milliarde Euro zur Absicherung zur Verfügung stehe. Bei einer professionellen und wertschaffenden Anlagestrategie könne das Fondsvermögen durch Verzinsung weiter wachsen. Das würde aus Sicht des Konzerns stärkere Entlastungen ermöglichen als zusätzliche Beiträge der Kunden.

Der DRSF arbeitet bereits an seiner Kapitalanlage. Der Fonds hat einen zweiten Vermögensverwalter ausgewählt und steht dazu in Abstimmung mit dem Bundesjustizministerium. Zudem liegt dem Ministerium ein Vorschlag für eine neue Kapitalanlagerichtlinie vor, die erstmals einen Aktienanteil vorsieht. In die Prüfung würden auch Fachleute des Bundesfinanzministeriums, des Wirtschaftsministeriums und der Bafin einbezogen, heißt es.

Christian Schmicke

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