So will Iberostar kommende Herausforderungen bewältigen
Iberostar will bis 2028 rund eine Milliarde Euro investieren – vor allem in eigene Hotels, zusätzlich fließen Mittel von Eigentümern gemanagter Häuser. Chief Commercial Officer (CCO) Finn Ackermann (Foto) verspricht im Gespräch mit Reise-vor9 "keine Kompromisse in der Qualität" und verweist auf Rekordwerte bei der Gästezufriedenheit.
Iberostar Hotels & Resorts
Finn Ackermann sieht Iberostar trotz der Turbulenzen in einigen Märkten auf Expansionskurs
Iberostar steht nach eigenen Angaben vor einem großen Investitionsprogramm bis 2028. Im Kern geht es um Investitionen in die Hotels im Eigentum der Gruppe. Dazu kommen – je nach Objekt – Vorhaben von externen Eigentümern, deren Hotels Iberostar über Managementverträge betreibt.
Bei diesen Management-Modellen betont Ackermann im Gespräch mit Reise vor9 den Anspruch an die Marke. Wenn Iberostar außen draufstehe, müsse auch Iberostar drin sein. Genau darin liege der Grund, warum das Unternehmen bei der Qualität derzeit keine Abstriche akzeptiere.
Kosten steigen – Preise werden stärker gesteuert
Die Branche spürt in vielen Märkten eine hohe Unsicherheit, gleichzeitig bleibt die Reisebereitschaft nach Einschätzung Ackermanns stabil. Als Antwort setzt Iberostar auf Resilienz durch Qualität. Die Eigentümerfamilie habe diesen Kurs "seit Jahren, seit Jahrzehnten" geprägt. Für 2025 nennt der Iberostar-CCO Rekordwerte bei der Gästezufriedenheit. Das sei für Iberostar ein Beleg, dass Gäste auch bei höheren Reisekosten bereit seien zu zahlen, wenn die Leistung stimme.
In Spanien, dem Heimatmarkt von Iberostar, beschreibt Ackermann die Lage als von kräftigen Kostensteigerungen geprägt – vor allem bei Löhnen und Inflation. Diese Kosten müsse das Unternehmen grundsätzlich an Kunden weitergeben. Iberostar steuere die Preisspreizung über Revenue-Management: Wer früh bucht, zahle weniger, wer spät bucht, müsse mit höheren Preisen rechnen. Gleichzeitig verweist der erfahrene Touristiker auf eine breite Produktpalette – von Einstiegsangeboten über Premium Selection bis zur Luxuslinie Joia.
Nachhaltigkeit und weniger Abfall als Dauerprojekt
Nachhaltigkeit sei bei Iberostar früh gestartet und werde "authentisch" angegangen, sagt Ackermann. Entscheidend sei die klare Positionierung der Eigentümerfamilie. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf die internationale Rolle von Gloria Fluxà, die in der Welttourismusorganisation vernetzt sei.
Als Beispiele nennt der Manager Vorgaben bei Fisch und Meeresfrüchten aus verantwortungsvollen Quellen. Zudem habe Iberostar das Abfallaufkommen deutlich reduziert: Nach eigener Darstellung liegt es bei rund 20 Prozent dessen, was früher anfiel – ein Ergebnis von proaktivem Management und Ansätzen der Kreislaufwirtschaft.
Beim Thema Lebensmittelverschwendung setzt Iberostar seit einigen Jahren auf ein System, das Rückläufer vom Buffet erfasst. Was aus dem Gästebereich zurück in die Küche kommt, wird gewogen. Die Daten sollen helfen, Mengen besser zu planen; in Destinationen mit Kompostierungsanlagen wird ein Teil der Reste weiterverarbeitet.
KI im Hintergrund, Vertrieb über alle Kanäle
Künstliche Intelligenz sieht Ackermann vor allem im Backoffice, nicht im direkten Gästekontakt. Die Technik könne Prozesse beschleunigen und Effizienz schaffen – mit dem Ziel, mehr Zeit für den Gast zu gewinnen. Gleichzeitig verändert sich aus seiner Sicht die Suche: Weniger Tippen, mehr Spracheingaben über mobile Geräte.
Den Vertrieb steuert das Unternehmen nach Ackermanns Darstellung bewusst breit. Iberostar setze nicht radikal auf Direktvertrieb, aber auch nicht auschließlich auf Reisebüros und Veranstalter. Der Wert liege darin, jeden Kanal professionell zu bespielen – und damit Preisdruck zu vermeiden. In Deutschland hebt Ackermann die Bedeutung der Reisebüros und der Empfehlungskompetenz hervor.
Personal und Kuba als Dauerbaustellen
Beim Personal sieht der Iberostar-Manager zwei Vorteile für sein Unternehmen; die Kultur eines Familienbetriebs und eine hohe Loyalität im Team. Das helfe beim Finden und Halten von Mitarbeitern, auch wenn in vielen Destinationen Arbeitskräfte knapp sind. Steigende Gehälter versteht Ackermann auch als Beitrag zum Wohlstand vor Ort.
Als besonders schwieriges Ziel nennt Ackermann auf Nachfrage wenig überraschend Kuba. Auf der Karibikinsel ist Iberostar mit 18 Hotels präsent. Die Versorgungslage sei dramatisch, die Situation ändere sich teils täglich, sagt er. Iberostar könne derzeit wenig mehr tun, als die Lage zu beobachten. Genannt werden Havanna und Varadero als Standorte, an denen Betrieb möglich ist – bei insgesamt hoher Unsicherheit.
Christian Schmicke
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