2. Juni 2026 | 10:30 Uhr
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Revo wird zerschlagen, 450 Mitarbeiter erhalten Kündigung

Die Tage der insolventen Hotelbetreibergesellschaft Revo Hospitality sind gezählt. Der Konzern wird zerschlagen, sämtliche 450 Mitarbeiter der Zentrale verlieren ihre Jobs. Der Betrieb der Hotels geht weiter, die Arbeitsplätze dort bleiben erhalten. Fünf Hotelgruppen und Investoren teilen sich das Portfolio.

Revo

Die Marke Revo Hospitality wird nach der Insolvenz verschwinden

Fünf internationale Hotelgruppen und Investoren übernehmen rund 120 Hotels der insolventen Revo Hospitality Group, weitere 45 Häuser wurden bereits verkauft, die Zentrale wird geschlossen. Mit dieser Nachricht konfrontierten am Dienstag um 10 Uhr die Geschäftsführer der Eigenverwaltung, Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring, die Revo-Belegschaft. Fast alle 5.450 Arbeitsplätze in den Hotels bleiben erhalten, die 450 Stellen in der Berliner Zentrale jedoch fallen ersatzlos weg. Für rund zehn weitere Hotels wird laut Mitteilung noch eine konkrete Lösung gesucht. 

Die Investmentvereinbarungen sollen bis Mitte Juni unterzeichnet werden. Jeder Käufer übernimmt jeweils ein Einzelportfolio mit Hotels in Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Namen der Investoren sollen zeitnah bekanntgegeben werden, heißt es. Das Interesse an der Gruppe war laut GT Restructuring außergewöhnlich groß: Über hundert Interessenten hätten sich informiert, rund 20 verbindliche Angebote seien eingegangen.

Größte Insolvenz der deutschen Hotelwirtschaft

Mit dem Verkauf endet die größte Insolvenz, die die deutsche Hotelwirtschaft je gesehen hat. Im Januar und Februar 2026 hatten 138 Hotelgesellschaften von Revo beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Revo, bis 2025 unter dem Namen HR Group firmierend, zählte zu den größten Multibrand-Hotelbetreibern in Europa und betrieb Stadthotels sowie Apartments für Geschäftsreisende und Familien im niedrigen bis gehobenen Preissegment in 135 Städten. Im Portfolio finden sich Marken wie H-Hotels, Amedia, Holiday Inn, Ibis, Intercity, Mövenpick, Ramada und Steigenberger. Einzelne Standorte sind bereits geschlossen, darunter das Fourside Plaza Hotel Trier oder das Mövenpick Frankfurt. 

Auslöser der Schieflage war die aggressive Expansion des Unternehmens: 2008 mit einem einzigen Hotel in Leipzig gestartet, zählte die Gruppe von Ruslan Husry 2020 erst 51 Häuser, bevor sie binnen weniger Jahre auf rund 250 anwuchs. Doppelstrukturen, Integrationsprobleme und hinter den Prognosen zurückbleibende Übernachtungszahlen führten in eine Liquiditätslücke, die weder aus eigener Kraft noch über Kreditgeber geschlossen werden konnte. Anfang Januar 2026 sperrte zunächst Accor die Buchungssysteme zahlreicher Revo-Häuser wie Hotel vor9 seinerzeit exklusiv berichtete, kurz darauf folgte der Insolvenzantrag. Im September 2025 hatte Hotel vor9 erstmals berichtet, dass Revo seine Rechnungen nicht mehr pünktlich bezahlen kann.

Promiente Bieter haben sich am Investorenprozess beteiligt

Der Bieterkreis war prominent besetzt. Als Interessent für das Gesamtunternehmen galt nach Recherchen von Hotel vor9 vor allem die luxemburgische Aroundtown, die bereits vor der Insolvenz ein Angebot für eine Mehrheitsbeteiligung abgegeben haben soll. Für die H-Hotels-Gruppe brachte sich die israelische Fattal Hotel Group, Mutter der Marke Leonardo, in Stellung. Auch Alexander Fitz, ehemaliger H-Hotel-Gesellschafter, war als Interessent für Teilportfolios im Gespräch. 

Accor und Wyndham positionierten sich ebenfalls. Wyndham vor allem, um das einst investierte Key Money nicht vollständig abschreiben zu müssen. Der US-Konzern hatte wegen Revo bereits Belastungen von 160 Millionen US-Dollar verbucht, davon 38 Millionen Dollar Abschreibungen allein auf die 2022 von der HR Group erworbene Marke Vienna House.

Schon im März hatte sich abgezeichnet, dass größere Teile des Portfolios den Betreiber wechseln. Nach Hotel-vor9-Informationen hatten 28 Wyndham-Häuser Revo verlassen, darunter 21 Vienna-House-Hotels. Ein erheblicher Teil davon soll an Lombard Estate Capital zurückgefallen sein – die umbenannte frühere Vienna House Capital GmbH, die zum thailändischen Rabbit-Holdings-Konzern gehört und weiterhin von Ex-Vienna-House-CEO Rupert Simoner geführt wird.

Die nicht insolventen Hotels in der Schweiz, Tschechien, Italien und Frankreich werden laut Revo normal weiterbetrieben. Das Fünf-Sterne-Hotel "Seehof" in Davos wird allerdings vorübergehend geschlossen. Auch hier befänden sich die Investorengespräche in der finalen Phase, heißt es.

Pascal Brückmann

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