Meininger wächst mit Hybridmodell und Gruppenreisen
Die Meininger Hotels kombinieren Budgethotel-Service mit Hostel-Elementen wie Gemeinschaftsbereichen und Mehrbettzimmern. Das Hybridmodell soll unterschiedliche Gästesegmente ansprechen – von Familien über Backpacker bis zu Schulklassen. Im Reise-vor9-Podcast erklärt Malin Widmarc-Nilsson (Foto), verantwortlich für Sales, Marketing, Revenue und E-Commerce, das Modell.
Meininger Hotels
Meininger-Managerin Malin Widmarc Nilsson sieht im Gruppengeschäft das wichtigste Segment für die Kette
Meininger Hotels setzt auf ein Modell zwischen klassischem Budgethotel und Hostel. "Wir kombinieren den Service und Komfort internationaler Budgethotels mit den lebendigen Bereichen aus der Hostelwelt", sagt Widmarc-Nilsson im Reise-vor9-Podcast. Zu diesen Elementen zählten Gemeinschaftsräume, Gästeküchen, Spielbereiche oder Kids Corners. Die Häuser sollen Orte sein, an denen Gäste zusammenkommen und miteinander in Kontakt treten.
Ein zentraler Baustein des Konzepts ist die flexible Zimmerstruktur. Neben Einzel- und Doppelzimmern bietet Meininger auch Vier- und Sechsbettzimmer sowie Betten in Schlafsälen an. Alle Zimmer verfügen über ein eigenes Bad. "Damit verbinden wir mehr Privatsphäre mit der Flexibilität, die man aus Hostels kennt", erzählt die Managerin.
Viele Zielgruppen unter einem Dach
Das Modell richtet sich bewusst an verschiedene Gästesegmente. Zu den typischen Gästen zählen Solo-Reisende, Paare, Familien, Freundesgruppen und Backpacker. Auch Geschäftsreisende übernachten in den Häusern, bilden jedoch nicht den Schwerpunkt.
Ein wichtiges Standbein ist das Gruppengeschäft. Schulklassen und Sportgruppen dominieren dieses Segment deutlich. "Schulklassen machen mehr als 95 Prozent unserer Gruppen aus", so Widmarc-Nilsson. Insgesamt entfallen rund 20 bis 25 Prozent der Buchungen und Umsätze auf Gruppen.
Die Nachfrage konzentriert sich vor allem auf die Monate März bis Juni sowie September und Oktober. Gleichzeitig fallen rund die Hälfte aller Gruppenübernachtungen in die Nebensaison. Das sorgt laut Widmarc-Nilsson für eine stabile Grundauslastung, besonders unter der Woche.
Operative Herausforderung Gruppen
Die Unterbringung großer Gruppen erfordert eine genaue Planung. Typische Gruppengrößen liegen bei 30 bis 60 Personen, größere Gruppen können mehr als 100 Gäste umfassen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Belegungsplanung. Intern spreche man manchmal von "Tetris-Spielen", sagt die Meininger-Managerin. Ziel sei es, Mehrbettzimmer möglichst vollständig zu belegen und damit nicht nur die Zimmer-, sondern auch die Bettenauslastung zu optimieren. Gruppenpreise werden deshalb pro Person und nicht pro Zimmer kalkuliert.
Auch im Hotelbetrieb sind klare Prozesse wichtig. Gruppen werden häufig auf separaten Etagen untergebracht, um mögliche Konflikte mit Individualgästen zu reduzieren. Beim Check-in erklärt das Personal zudem Hausregeln und stimmt Abläufe mit den Gruppenleitern ab.
Expansion bleibt auf Europa fokussiert
Meininger betreibt derzeit 36 Hotels in 26 europäischen Städten und zehn Ländern. Mittelfristig will das Unternehmen auf rund 50 Häuser wachsen.
Bereits konkret geplant sind neue Hotels in Barcelona und Edinburgh, die in diesem Jahr eröffnen sollen. Für das kommende Jahr stehen unter anderem Straßburg und Madrid auf der Liste. Weitere Projekte sind unter anderem in Dublin, Porto und Kiel vorgesehen.
Bei der Standortwahl spielen zentrale Lagen in Städten mit guter Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle. Zudem müssen sowohl touristische Nachfrage als auch verschiedene Gästesegmente vorhanden sein. "Europa ist unser Hauptfokus", sagt Widmarc-Nilsson. Außerhalb des Kontinents plant das Unternehmen vorerst keine Expansion.
Christian Schmicke
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