Luftfahrtverbände warnen vor Abfertigungsstaus im Sommer
ACI Europe, Airlines for Europe (A4E) und der Welt-Luftfahrtverband Iata schlagen kurz vor der Sommersaison Alarm: Das Schengen-Einreise-/Ausreisesystem EES verursache weiterhin "signifikante Verzögerungen" für Passagiere. Ohne kurzfristige Maßnahmen drohten im Sommer "schwere Störungen“, mit Warteschlangen von vier Stunden oder mehr.
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Das Schengen-Einreise-/Ausreisesystem EES funktioniert offenbar nicht überall reibungslos
EES wird seit dem 12. Oktober 2025 schrittweise eingeführt und erfasst die Ein- und Ausreise von Nicht-EU-Bürgern im Schengen-Raum digital. Dabei werden Fingerabdrücke und Gesichts-Scans genommen. Nach Einschätzung der Verbände bremst genau dieser Prozess die Abläufe an vielen Airports – und das bereits in der aktuellen Rollout-Phase, in der lediglich 35 Prozent der einreisenden Drittstaatsangehörigen registriert werden müssen. Gemeldet werden "anhaltend übermäßige Wartezeiten" von bis zu zwei Stunden an den Grenzkontrollen.
Verbände nennen drei Hauptprobleme
In einem Schreiben an den zuständigen EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, benennen Airports und Airlines drei Ursachen, die die Verzögerungen verschärfen. Erstens fehle es chronisch an Personal bei den Grenzkontrollen. Zweitens seien technische Probleme ungelöst, besonders bei der Automatisierung der Grenzabfertigung. Drittens nutzten Schengen-Staaten die Frontex-Vorregistrierungs-App bislang nur sehr begrenzt.
Die Verbände argumentieren, dass eine funktionierende Vorregistrierung helfen könnte, Teile der zusätzlichen Prüfungen vor der Ankunft an der Grenze zu erledigen. Doch die geringe Verbreitung der App lasse diesen Effekt bislang weitgehend verpuffen.
Warnung vor Chaos in der Hochsaison
Mehrere Airports haben bereits drastische Wartezeiten gemeldet. In Lissabon wurde das System ausgesetzt, nachdem es zu Wartezeiten von bis zu sieben Stunden gekommen sein soll. Auch aus Madrid, Paris sowie von Flughäfen in Italien und Griechenland seien Warteschlangen von drei Stunden und mehr gemeldet worden. Vor diesem Hintergrund raten Betreiber Reisenden aus Nicht-EU-Ländern, zusätzliche Puffer einzuplanen.
Die Verbände sehen vor allem für Juli und August ein Risiko, wenn an allen Grenzübergängen verpflichtend EES-Registrierungen anstehen. Dann könne die Wartezeit "vier Stunden oder mehr" erreichen. "Es besteht eine völlige Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der EU-Institutionen, dass das EES gut funktioniert, und der Realität", erklärt ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec. Die Einführung müsse flexibel auf betriebliche Gegebenheiten reagieren, auch um den Ruf der EU "als effizientes, einladendes und begehrtes Reiseziel" nicht zu beschädigen.
Forderung nach Aussetzungsmöglichkeit bis Oktober 2026
Kern der Forderung: Schengen-Mitgliedstaaten sollen EES bis Ende Oktober 2026 teilweise oder vollständig aussetzen können. Nach Auffassung der Verbände droht diese Flexibilität zu verschwinden. Unter der in der Verordnung 2025/1534 festgelegten schrittweisen Einführung seien Aussetzungsmechanismen über den frühen Juli hinaus nicht mehr verfügbar. Zudem sei unklar, ob eine Suspendierung unter den Bedingungen des Schengener Grenzkontrollkodexes noch mit der nötigen Flexibilität aktiviert werden könnte.
Christian Schmicke
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