Geschäftsreisevolumen wächst trotz Rezession
Trotz zweier Rezessionsjahre ist die Zahl der Geschäftsreisen in Deutschland 2025 um 8,3 Prozent auf 116 Millionen gestiegen. Zugleich sanken die durchschnittlichen Kosten pro Reise um 4,8 Prozent auf 418 Euro. Laut der aktuellen Geschäftsreiseanalyse des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) reisen Unternehmen damit häufiger, aber effizienter.
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Trotz digitaler Alternativen bleiben Geschäftsreisen wichtig
Die Zahl der Geschäftsreisen in Deutschland ist 2025 trotz schwacher Konjunktur deutlich gestiegen. Christoph Carnier, Präsident des VDR und hauptberuflich Travel Manager beim Pharma- und Chemiekonzern Merck, wertet das als Signal für die wirtschaftliche Bedeutung persönlicher Kontakte. Geschäftsreisen seien kein "betrieblicher Overhead", sondern ein Frühindikator für Wirtschaftsdynamik. Dass die Reisetätigkeit in zwei Rezessionsjahren wachse, zeige, dass Unternehmen nicht weniger in Beziehungen investierten, sondern selektiver.
Mittelstand prägt den Markt
Getrieben wird die Entwicklung laut VDR vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen. Mehr als drei Viertel aller Geschäftsreisen entfallen laut der Studie auf Firmen mit zehn bis 500 Beschäftigten. Ihre Reisetätigkeit nahm mit 5,6 Prozent fast fünfmal so stark zu wie bei Großunternehmen, während die Ausgaben nur moderat stiegen.
Auch bei den Zielen verändert sich der Markt. Das Wachstum kommt ausschließlich aus Europa. Der Anteil der Geschäftsreisen ins europäische Ausland stieg von 24 auf 30 Prozent, während Reisen in den Rest der Welt auf Vorjahresniveau blieben. Europa werde damit stärker zum "erweiterten Heimatmarkt deutscher Geschäftsbeziehungen", merkt der Verband der Travel Manager an.
Bahn gewinnt im Inland
Bei den Verkehrsmitteln verschieben sich die Anteile weiter. Auf Inlandsstrecken überholt die Bahn das Flugzeug klar und erreicht einen Nutzungsanteil von 52 Prozent. Inlandsflüge kommen nur noch auf 13 Prozent, was indes auch dem verringerten Angebot geschuldet sein dürfte.
Zugleich verlagerten sich die Kosten, stellt der VDR fest. Die Anteile für Hotel und Verpflegung steigen demnach spürbar, während die Transportkosten leicht sinken. Das deute auf einen anhaltenden Effizienzdruck in den Unternehmen hin, besonders im Mittelstand, so der Verband.
Travel Management spart Milliarden
Die Studie misst professionellem Travel Management einen klaren wirtschaftlichen Nutzen bei – was angesichts der Ausrichtung des VDR nahe liegt. 59 Prozent der Unternehmen erzielten mit strukturierten Prozessen Einsparungen zwischen sechs und zehn Prozent, heißt es. Weitere elf Prozent kämen sogar auf zweistellige Werte. Bei einem Marktvolumen von 48,6 Milliarden Euro entspricht das nach VDR-Angaben einem jährlichen Potenzial von rund 3,9 Milliarden Euro.
VDR-Vizepräsidentin Inge Pirner, hauptberuflich für Gräfin Brühl Immobilien aktiv, betont, Reisen seien für viele Beschäftigte ein "relevanter Teil der Beziehungspflege und ein Innovationsmotor". Gleichzeitig bedürfe es klarer Regeln, damit Fürsorgepflicht, Sicherheit und Flexibilität zusammenpassten. Professionelles Travel Management schaffe dafür den Rahmen.
Blended Travel oft ohne klare Regeln
Die Verbindung von Dienstreise und privaten Anteilen ist in vielen Unternehmen angekommen, rechtlich aber oft nicht sauber geregelt. Die Mehrheit toleriere oder fördere Bleisure und Workation, doch 72 Prozent hätten diese Formate noch nicht in ihren Reiserichtlinien verankert, analysiert der Verband. Daraus entstünden Graubereiche bei Haftung, Versicherung und arbeitsrechtlichen Fragen.
Für 2026 bleiben die Unternehmen überwiegend zuversichtlich. 62 Prozent erwarten ein weiteres Wachstum der Geschäftsreisen, nur vier Prozent rechnen mit einem Rückgang. Der VDR sieht darin ein weiteres Indiz, dass Geschäftsreisen in vielen Unternehmen wieder als strategischer Teil von Zusammenarbeit und Geschäftsentwicklung gelten. Dabei weist die Studie darauf hin, dass die Erhebung noch vor Ausbruch des Kriegs im und um den Iran stattfand.
Christian Schmicke
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