Eurowings gibt Senkung der Ticketsteuer nicht ganz weiter
Die Lufthansa-Tochter sieht die Kerosinversorgung für den Sommer gesichert und erwartet keine Flugstreichungen wegen Treibstoffmangels. Zugleich wolle und könne Eurowings die sinkende Luftverkehrssteuer nicht vollständig an Passagiere weitergeben. CEO Max Kownatzki (Foto) verweist auf stark gestiegene Kosten und fordert weitere Entlastungen.
Eurowings
Max Kownatzki hat den Chefposten bei Sun Express Anfang des Jahres gegen den bei Eurowings getauscht
Für das laufende Sommergeschäft sendet Kownatzki ein klares Signal und verspricht einen stabilen Flugbetrieb. Die Versorgung mit Kerosin sei trotz der angespannten geopolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten sicher, es gebe keine Hinweise auf Engpässe. Deshalb werde es im Sommer auch keine Flugstreichungen aufgrund von Kerosinknappheit geben. "Eurowings hat sich Kerosin für 24 Monate gehedgt (gesichert), somit können wir die Garantie geben", sagt der CEO.
Diese Aussage sei für Eurowings zentral, weil sie Planungssicherheit schaffe. Wenn die aktuellen Rahmenbedingungen anhalten, werde die Airline im Gesamtjahr profitabel bleiben.
Steuersenkung wird nicht voll weitergegeben
Bei den Preisen dämpft Eurowings allerdings Erwartungen. Die Absenkung der Luftverkehrsteuer will die Lufthansa-Tochter nicht vollständig an die Passagiere weitergeben. Kownatzki verweist auf einen breiten Kostendruck.
Steuern, höhere Gebühren und die stark gestiegenen Kerosinpreise flössen gemeinsam in den Bruttopreis ein, den Kunden zahlten. Deshalb habe Eurowings auch im Zuge des Iran-Kriegs keine gesonderten Kerosinzuschläge ausgewiesen. Die Kostensteigerungen könne das Unternehmen derzeit nur etwa zur Hälfte an die Passagiere weitergeben. Diese Aussagen des Airline-Chefs lassen wiederum den Schluss zu, dass die Preise für Tickets steigen werden. Auf Nachfrage nannte Kownatzki eine Größenordnung von rund drei Prozent im Durchschnitt. Dies sei schwer zu beantworten, bei der Vielfalt an Zielen und der permanent mit KI im Hintergrund laufenden, dynamischen Preisgestaltung.
Nach Angaben des Managers sind die Kosten in den vergangenen zwei Jahren im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, während die Preise nur einstellig zugelegt haben. Kownatzki verlangt deshalb weitere Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Flughafengebühren in Deutschland. Dann könne Eurowings auch zusätzliche Flugzeuge, etwa in Berlin oder Hamburg, stationieren.
Mallorca zieht wieder an
Die stabilere Einschätzung bei der Kerosinversorgung wirkt sich laut Eurowings auch auf die Nachfrage aus. Zuvor hatte die Unsicherheit über mögliche Engpässe die laufende Sommersaison belastet und zu Buchungszurückhaltung geführt. Inzwischen habe sich das Bild gedreht, so Kownatzki. Für Mallorca, das wichtigste Ziel im Netz der Airline, liegen die Buchungen neun Prozent über dem Vorjahreswert. Noch vor wenigen Wochen hatte dort ein Rückstand von 20 Prozent bestanden. Eine ähnliche Trendwende habe Portugal hingelegt, vom einstelligen Minus zum zweistelligen Plus, so Kownatzki.
Eurowings betreibt am Standort Palma de Mallorca die wichtigste internationale Basis, heißt es von dem Ferienflieger. Eurowings fliegt im Sommer mehr als 400 Mal pro Woche dorthin, und das von 26 Flughäfen aus. Allein ab Düsseldorf stehen elf tägliche Verbindungen nach Mallorca im Programm, betont der Airline-Chef.
CEO bundesweit auf Tour
Max Kownatzki hat in seinen ersten 100 Tagen als CEO nach eigenen Angaben zwölf der 14 Eurowings-Basen besucht. Die Reise durch das Unternehmen sei für ihn auch eine Rückkehr gewesen. "Eurowings war meine erste Station in Deutschland vor elf Jahren", sagt der Manager mit Pilotenlizenz. Der Nachfolger von Jens Bischof im Chefsessel beschreibt eine Airline, die sich in dieser Zeit deutlich verändert habe. Aus einer Low-Cost-Marke sei ein Anbieter geworden, der stärker auf Kundennutzen und Service setze, ist Kownatzki überzeugt.
Sabine Schreiber-Berger
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