Busveranstalter erhöhen Preise und tanken im Ausland
Dieselpreise von rund 2,50 Euro pro Liter setzen die mittelständisch geprägte Busreisebranche massiv unter Druck. Verbände fordern steuerliche Entlastung, während Unternehmen bereits Kraftstoffzuschläge erheben und zum Tanken ins Ausland ausweichen.
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Erste Busreiseveranstalter erheben Kraftstoffzuschläge
Die wirtschaftliche Lage in der deutschen Bustouristik hat sich spürbar verschärft. Laut Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband, hat sich die Buchungslage seit Beginn des Nahost-Konflikts verschlechtert. Gleichzeitig belasten die hohen Kraftstoffpreise die überwiegend mittelständisch geprägten Busreiseunternehmen erheblich, so Esser. Rund ein Viertel der Busreiseveranstalter nutze inzwischen verstärkt günstigere Tankmöglichkeiten im Ausland, um die Kosten bestmöglich zu drücken. RDA-Präsident Esser plädiert für eine Neuauflage der Energiepreispauschale, damit Busreisen auch künftig bezahlbar blieben.
Busreiseveranstalter sehen Preisanpassungen als letztes Mittel
Viele Unternehmen sehen sich derzeit gezwungen, die gestiegenen Kosten zumindest teilweise an ihre Kunden weiterzugeben. Laut dem RDA erhebt bereits rund ein Drittel der Busreiseveranstalter Kraftstoffzuschläge, ein weiteres Drittel prüft deren Einführung. Derzeit würden diese Zuschläge von den Fahrgästen noch überwiegend verständnisvoll akzeptiert, berichtet der Verband.
Ein konkretes Beispiel liefert Hafermann Reisen aus Witten. Geschäftsführer Meinhold Hafermann erklärt, sein Unternehmen habe die Preise ab dem 13. April 2026 um vier Euro pro Reisetag angehoben. Das entspreche einer Verteuerung des Reisepreises von etwa 1,5 bis 2,5 Prozent. Die Regelung gelte zunächst für alle Reisen bis einschließlich 31. Mai 2026. "Die Belastungen sind für uns natürlich hoch", so Hafermann.
Strukturelle Benachteiligung gegenüber Schiene und Luftverkehr
Allerdings sind der Kostenweitergabe enge Grenzen gesetzt. Wie der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) betont, werden Reisen langfristig kalkuliert und gebucht. Gleichzeitig müssten die Angebote wettbewerbsfähig bleiben. "Preissteigerungen lassen sich nur begrenzt weitergeben – die wirtschaftliche Belastung bleibt daher bei den Betrieben hängen", so der WBO.
Besonders kritisch bewertet der WBO die strukturelle Ungleichbehandlung der Verkehrsträger: Während Schienenverkehr und Luftverkehr von umfassenden steuerlichen Begünstigungen profitierten, trage der Busverkehr eine unverhältnismäßig hohe Abgabenlast. "Es ist nicht vermittelbar, dass ausgerechnet der umweltfreundliche Busverkehr steuerlich schlechter gestellt wird als andere Verkehrsträger. Hier braucht es dringend eine politische Korrektur", so der Verband.
Pascal Brückmann