Burmester will Dertours Hotelangebot um 50 Prozent ausbauen
Ingo Burmester (Foto), der neue CEO der Hoteldivision der Dertour Group, hat erstmals konkrete Wachstumspläne formuliert. Bis zum Jahr 2030 soll das Portfolio von derzeit 120 auf 180 Hotels wachsen. Neue Häuser sollen sowohl für die Eigenanreise, die Mittelstrecke als auch auf der Fernstrecke entstehen. Besonders stark wächst gerade die junge Marke Ananea.
DER Touristik
Ingo Burmester baut die Dertour-Hotelsparte derzeit radikal um
Gäste von HX Expeditions fördern Wissenschaft und Umwelt
HX Expeditions ist ein Vorreiter in Fragen nachhaltiger Seereisen. Als eine der ersten Reedereien hat sie auf Schweröl und Einwegplastik verzichtet. Was sie für achtsame Urlauber besonders interessant macht, sind die zahlreichen wissenschaftlichen Angebote. Hier erfahren Expedienten, was bildungsinteressierten, umweltbewussten Kunden geboten wird. Reise vor9
Ein neues Hotel-Board übernimmt seit März mit und für Burmester die zentralen Funktionen über sämtliche Marken und Standorte hinweg verantworten. Und das sind eine ganze Menge: Aktuell zählt der Konzern 12 Hotelmarken in 15 Destinationen und 5.000 Mitarbeiter. Die 22.000 Zimmer in den 120 Hotels erwirtschaften rund 600 Millionen Euro Umsatz. Burmester will die Steuerung nun markenübergreifend bündeln und gleichzeitig auch den Reisebürovertrieb der (erdgebundenen) DSR-Hotels forcieren – von derzeit fünf auf bis zu 20 Prozent.
Unterstützt wird Ingo Burmester künftig von Sebastian Spratte (Finanzen), Christian Grage (Operations) und Frank Seedorff (Commercial). Ausgenommen von der Integration bleibt die DSR Hotel Holding, an der Dertour mehrheitlich beteiligt ist. Sie soll weiterhin eigenständig vom Standort Hamburg aus gesteuert werden. Die Nachfolge des Anfang im März 2026 ausgeschiedenen DSR-CEO Marek Andryszak ist laut Burmester intern bereits geklärt, sie soll bereits "in Kürze" kommuniziert werden.
Kern der Reorganisation ist die Bündelung der bislang getrennt geführten Bereiche, berichtet Burmester im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Zentralbereich Operations betreut künftig markenübergreifend die Hotelbetriebe der Marken Sentido, Aldiana, Playitas, Ananea und Calimera. Und der Bereich Commercial wird künftig Funktionen wie beispielsweise Brand Marketing, E-Commerce, Revenue Management und Vertrieb zentral steuern.
Im Jahr 2026 stehen neun Neueröffnungen auf dem Programm
Burmester begründet den Schritt mit Synergien in Personalbeschaffung, Betriebsführung und Qualitätskontrolle. Auch die Clubmarke Aldiana, 2022 vollständig übernommen, wird enger eingebunden. Aldiana-Managing-Director Andreas Pospiech rückt ins erweiterte Hotel-Board auf, das Veranstaltergeschäft der Marke wechselt weitgehend zu Dertour Deutschland.
Bis 2030 soll das Portfolio von rund 120 Hotels auf rund 180 Häuser wachsen, ein Plus von etwa 50 Prozent. Für das laufende Jahr sind neun Neueröffnungen geplant, schwerpunktmäßig im Mittelmeerraum, darunter zwei neue Ananea sowie weitere Sentido- und Henri-Standorte. So entsteht etwa ein Henri Country House in Garmisch-Partenkirchen.
Im erdgebundenen deutschsprachigen Raum ist Dertour über die 34 DSR-Betriebe nach eigener Darstellung der größte Leisure-Hotelier. Bei den Betriebsmodellen setzt das Unternehmen auf vier Formen: Eigentum, Pacht, Management und Franchise. Burmester will den Anteil von Management- und Eigentumsbetrieben perspektivisch leicht ausbauen, kündigt er an. "Trotzdem bleibt Franchise für uns ein wichtiges Modell, auch mit Blick auf unser angestrebtes Wachstum."
Aktuell hält die Gruppe sechs Eigentumsanlagen (darunter vier Aldiana-Clubs) und rund 35 Pachtanlagen. "Wir wollen bei passenden Opportunitäten weitere Anlagen zukaufen, sofern sie strategisch und von der Destination her passen", kündigt Burmester an. Jedoch komme der Erwerb von Eigentum für den Konzern nur in risikoarmen Regionen wie Italien, Spanien oder Deutschland infrage; in volatileren Märkten werde Dertour weiter auf Pacht, Management oder Franchise setzen.
Strategischer Wachstumstreiber ist aktuell die 2021 eingeführte Marke Ananea. Burmester verweist auf einen regelrechten "Run" von Hoteleigentümern auf das Konzept, 12 Anlagen werden im Jahr 2026 bereits in Betrieb sein. "Und das, obwohl hier hohe Investitionsanforderungen an Naturmaterialien und Designorientierung notwendig sind."
Ananea greift die Trends von aktuellen Reisebedürfnissen auf
Die Marke sei eine Antwort auf die veränderten Reisebedürfnisse, die Dertour aus 8.000 Einzelbefragungen in 13 Quellmärkten aus dem konzerneigenen European Travel Trend Report abgeleitet hat. Zentrale Ergebnisse: 76 Prozent wünschen sich eine Auszeit von digitalen Medien, 57 Prozent suchen Entspannung, eine gute Stimmung ist ihnen wichtiger als Status.
Wofür die Marke steht und wie das Konzept umgesetzt wird, lässt sich auf Kreta im neu eröffneten Ananea Rocrita ab sofort erleben: minimalistische Architektur, natürliche Materialien, entspannte Eleganz und ein authentischer Bezug zur lokalen Kultur. Alles ist stilvoll und gleichzeitig lässig, die Atmosphäre erinnert nicht an eine klassische Ferienanlage. Weitere vier Ananea-Hotels sind bereits fest in der Planung und sollen ab 2027 eröffnet werden.
Und noch eine weitere Beobachtung lässt sich auf Kreta machen: Von den aktuellen Top-Ten-Hotels nach Umsatz entfallen bereits sieben auf die eigenen Häuser der Dertour-Hoteldivision. Sollte es in naher Zukunft auf der griechischen Insel auch wieder einen Aldiana-Club geben, wären es dann sicher acht von zehn. Der Mix aus Markenvielfalt, Vertriebskraft und Eigenbetrieben verschafft der Dertour Group damit eine Position, die im fragmentierten Leisure-Markt kaum ein anderer Wettbewerber erreicht.
Pascal Brückmann
Hinweis: Mehr zu den Aldiana-Plänen lesen Sie in den nächsten Tagen bei Reise vor9 und Hotel vor9.