14. Januar 2021 | 07:00 Uhr
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"Was macht Tokio für Sie spannend, Frau Bergold?"

Jenny Bergold (Foto) ist studierte Japanologin und bei Lieb Management seit 2016 für die Destination Tokio zuständig. Counter vor9 sprach mit ihr über die Reize und Besonderheiten der Metropole.

Bergold Jenny

Jenny Bergold

Frau Bergold, was verbindet Sie persönlich mit Tokio?

Bergold: Meine Mutter ist Japanerin und kommt aus Tokio. Deshalb war ich schon als Kind oft in Japan und habe bisweilen auch die Sommerferien dort verbracht. Weil mich asiatische Kulturen faszinierten, habe ich Japanologie studiert. Und zum Glück bin ich dann gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, Tokio als touristische Destination zu vertreten.

Wir sprechen also mit einer echten Insiderin. Dann helfen sie unseren Lesern mal auf die Sprünge: Welchen Menschen würden Sie eine Reise nach Tokio ans Herz legen?

Für Menschen, die Interesse an Asien haben, ist Tokio natürlich ein Muss. Davon abgesehen hat die Stadt eigentlich allen Generationen etwas zu bieten. Seien es die Jungen, die sich durch die Popkultur, etwa durch Manga und Anime, angezogen fühlen, oder Ältere, in deren Gedankenwelten Samurai und Geisha-Kultur eine Faszination ausüben. Und dann sind da natürlich alle, die spektakuläre Architektur, Kultur, Museen, Entertainment oder kulinarische Genüsse lieben.

Was sollten Reisende, die nach Tokio kommen, auf jeden Fall im Gepäck haben?

Das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Im Frühling und Frühsommer, wenn es eigentlich schon warm ist, sollte ein warmer Pullover trotzdem nicht fehlen. Und im Hochsommer sollte genug leichte, dünne Kleidung mit von der Partie sein. Wichtig ist es auch, daran zu denken, dass gerade dann Hotels und Shoppingzentren kräftig heruntergekühlt werden. Also: lieber auch bei Hitze etwas Wärmendes im Gepäck haben. Nützlich ist außerdem eine Übersetzungs-App, obwohl man in Tokio gut mit Englisch herumkommt. Und außerdem die praktische Metro-App.

Was dürfen Besucher Tokios auf keinen Fall verpassen?

Wer Lust hat, Geschichte zu erleben, sollte dem Edo Tokyo Museum unbedingt einen Besuch abstatten. Dort erzählt eine Fülle von Ausstellungsstücken, darunter einige in Originalgröße und viele bis ins kleinste Detail originalgetreue Miniaturen, die Geschichte und das Leben in Edo, dem heutigen Tokio, von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis heute. Ich war schon oft dort und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort in Tokio?

Ich liebe die Höhe – deshalb sind der Tokyo Tower und der Sky Tree für mich kaum zu überbieten. Aber ich mag auch die Parks der Stadt sehr. Zum Beispiel die Kyū-Iwasaki-tei-Gärten an der südlichen Ecke des Ueno-Parks. Dort befindet sich die hoch aufragende ehemalige Residenz der Familie Iwasaki, umgeben von üppigen Gärten. Ein toller Ort, um sich eine kleine Pause von der quirligen Großstadt zu gönnen.

Welche falschen Vorstellungen von Tokio begegnen Ihnen besonders häufig?

Viele Neuankömmlinge glauben, die Stadt sei einfach nur schrill, laut und bunt. Das ist sie natürlich auch, etwa in Stadtteilen wie Shibuya oder Ginza. Aber Tokio hat auch sehr entspannte Ecken, viele Parks und Natur. Und die allerwenigsten wissen, dass zu Tokio viele schöne Inseln gehören, auf denen man Urlaub machen kann.

Haben Sie einen besonderen kulinarischen Tipp für Tokio?

Wenn Sie etwas meinen, das manchen überraschen wird, ist gegrillter Aal auf Reis eine spannende Sache. Der kommt traditionell in einer Lackschachtel und ist tatsächlich köstlich. Außerdem werden Besucher, die Sushi nur aus der Heimat kennen, in Tokio eine positive Überraschung erleben. Die Speise wurde in Tokio erfunden und war in der Edo-Epoche so etwas wie Fast Food. Daraus hat sich im Laufe der Zeit eine echte Kunst entwickelt.

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