23. November 2020 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Was ist der größte Denkfehler von Reisebüros über Estland?

Klein, aber oho: Viele Expis kennen Estland vor allem von Ostseekreuzfahrten. Doch das wird der Destination bei weitem nicht gerecht, weiß Evely Baum-Helmis von Visit Estonia. Warum Estland mit anderen beliebten Reisezielen mithalten kann und was Reisebüros darüber wissen sollten, erzählt sie im Interview.

Esland Mann Baden von oben Raba Foto Visit Estonia

Estland hält viele Überraschungen und tolle Fotomotive bereit

Was ist der größte Denkfehler von Reisebüros, wenn es um Estland geht?

Viele Reisebüros glauben, dass Estland und Tallinn nur ein Kreuzfahrtziel sind. Das ist natürlich falsch. Wir haben viel mehr zu bieten als für den sechsstündigen Landgang eines Kreuzfahrers. Schon für Tallinn alleine reicht das bei weitem nicht, um die Geschichte, die Kultur und das Freizeitangebot kennenzulernen. Mit dem Schiff kann man Tallinn nur ein bisschen schnuppern. Der zweite Denkfehler von Reisebüros ist, dass Estland nur aus Tallinn besteht. Estland ist so groß wie die Schweiz oder Niedersachsen. Hier gibt es nicht nur eine schöne Stadt zu entdecken, sondern ein ganzes Land. Inseln, sechs Nationalparks, Wälder, Moorlandschaften, die Peipusseeküste und andere historische Städte wie Pärnu, Haapsalu und Tartu, die europäische Kulturhauptstadt 2024.

Gibt es auf dem Land und den Inseln Unterkünfte?

Ja, man kann in Hotels, wunderschön renovierten Gutshöfen, Gästehäusern, Ferienwohnungen oder auf Bauernhöfen übernachten. Die Unterkünfte sind über Baltikum-Spezialisten oder direkt bei estnischen Incoming-Agenturen buchbar.

Für welche Kunden ist Estland ein geeignetes Urlaubsziel?

Zum Beispiel für Kunden, die mal etwas anderes sehen, aber keine lange Anreise in Kauf nehmen wollen. Direktflüge dauern weniger als zwei Stunden, dann ist man da. Estland passt für Kunden, die keinen Massentourismus wollen, die sich für Geschichte und lebendige Kultur interessieren. Für Menschen, die Natur mit weiten Moorlandschaften, tiefen Wäldern, gutes Essen und die weißen Nächte lieben; der längste Tag im Sommer ist 19 Stunden lang. Oder für diejenigen, die mal den Ostseestrand für alleine haben wollen. Wenn mehr als 50 Leute an einem Strand sind, dann ist er für estnische Verhältnisse komplett überfüllt. Außerdem ist Estland ein sehr familienfreundliches Reiseziel. Und: Immer mehr Unternehmen aber auch Privatleute sind von e-Estonia begeistert und wollen die digitalen Lösungen kennenlernen.

Gibt es auch Menschen, die in Estland falsch am Platz sind?

Eigentlich nicht. Jeder Besucher ist bei uns sehr herzlich willkommen. Mit seinen unterschiedlichen Facetten, Städten und Regionen hat Estland jedem was zu bieten .

Estland wird oft im Rahmen einer Baltikum-Rundreise angeboten. Ist Estland auch ein Stand-alone-Ziel?

Beides macht Sinn. Es gibt viele Veranstalter, die tolle Kombinationen mit verschiedenen Schwerpunkten organisieren. Der Nachteil ist, dass in Estland dann nicht so viel Zeit bleibt. Die Länder des Baltikums sind trotz der engen Bindung doch recht unterschiedlich, was Landschaft und Kultur angeht. Estland eignet sich ideal als Einzel-Destination für eine Tallinn-Städtereise oder für Naturerlebnisreise, inklusive Fahrradtouren, Meereskajakausflügen zwischen den Schären an der Küste und Braunbärenbeobachtung in estnischen Nationalparks. Oder einfach für Ferienhausurlaub auf den Inseln- Erholung pur. Spannend sind auch Kombis von Estland mit dem südlichem Finnland.

Wie viel Zeit sollte man für Estland mindestens einplanen?

Für eine Städtereise nach Tallinn drei bis vier Tage. Um sich ganz Estland anzuschauen, würde ich mindestens acht bis zehn Tage einplanen.

Geführte Rundreise oder selbst fahren?

Das hängt ganz vom Kunden ab. Der eine ist gerne in der Gruppe unterwegs und wünscht sich einen Guide, der ihm alles erklärt, der andere entdeckt ein Land lieber auf eigene Faust. In Estland ist beides möglich. Die Straßen sind sehr gut, es gibt wenig Verkehr und man findet sich leicht zurecht. Die Esten sind ein sehr gastfreundliches Volk und hilfsbereit. Unterkünfte und Fährüberfahrten auf die Inseln würde ich aber vorbuchen, weil insbesondere am Wochenende auch die Esten viel unterwegs sind.

Kommt man in Estland mit Englisch „durch“?

Englisch ist fast die zweite Amtssprache. Damit kommt man überall sehr gut zurecht. Auch die Museen sind zweisprachig. Viele Esten können außerdem ein bisschen Deutsch. Durch Filme mit Untertitel haben sie mehrere Fremdsprachen gelernt. Es funktioniert auch die Körpersprache, man kann gerne auch improvisieren. Die Esten lieben Humor, der auch mal trocken sein kann.

 Wann ist die beste Reisezeit?

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Spa-Hotels, Städte oder Schneeschuh-Touren funktionieren sehr gut auch im Winter. Wer es wärmer haben will, kommt von April bis Oktober.

Wo bekommen Reisebüros Hilfe bei Fragen?

Bei uns. Visit Estonia hat eine Vertretung in Deutschland, mit dem Sitz in Hamburg. Reisebüros können uns mailen an evely.baum@estonia.eu. Infos zu allen möglichen Themen finden Reisebüros auch auf unserer deutschsprachigen Website visitestonia.com/de.

Baum-Helmis Evely Estland Market Manager Foto Visit Estonia

Evely Baum-Helmis ist seit 2006 bei Visit Estonia als Market Manager für die deutschsprachigen Länder zuständig. Sie hat ihren Sitz in Hamburg und vermarktet Estland als Reiseziel und platziert estnische Tourismusprodukte im internationalen Wettbewerb. Baum-Helmis hat in Tallinn und Berlin Sprachen, Literatur und Tourismus studiert. 

Mehr über das nordische Land erfahren Sie mit unseren Themenwochen Estland auf Reise vor9 und Counter vor9: News, Hintergrund und Tipps für die Beratung im Reisebüro.

Anzeige FTI