25. November 2020 | 07:00 Uhr
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Estland geht durch den Magen

Schon mal Moos probiert oder Tannenbaumknospen? Kreative Küchenchefs in Estland bringen auch das auf den Teller. Sie nutzen, was die Natur hergibt, probieren viel aus und treffen offenbar den Geschmack der Zeit. Kein Wunder, dass Gourmets und Foodies von Estland schwärmen.

Estland Tallinn Restaurant Hapsal Dietrich Foto Visit Estonia

Kreatives auf den Teller: Estlands Küchenchefs probieren gerne aus und treffen den Geschmack der Zeit

Eigentlich sind die Esten bekannt für ihre deftige Küche, die sie durch den harten Winter bringt. Aber längst hat sich quer durch das kleine Land eine innovative Gourmet-Szene entwickelt, die Kritiker begeistert und Estland Top-Rankings beschert. Die Chefs nutzen, was Wiesen, Felder, Wälder, Sümpfe und Moore, Meer, Seen und Flüsse aus der Region hergeben. Denn der Este weiß gern, wo sein Essen herkommt.

Superfood und Superfrüchte aus der Region

Die moderne estnische Küche ist ein Mix aus Traditionen und neuen Trends. Russische Einflüsse sind noch präsent mit einer Vielfalt an einheimischem Gemüse, wie rote Beete, Pfifferlinge oder Preiselbeeren. Andererseits dienen essbare Blüten nicht nur als Deko. Ebenso wenig wie frisch gepflücktes Moos aus einem der vielen estnischen Wälder oder junge Tannenbaumknospen. Sie unterstreichen die estnische Seele geschmacklich und sind aus vielen prämierten Restaurants nicht mehr wegzudenken.

Gesund soll es natürlich auch sein. Daher finden sich kleine vitaminreiche Geheimwaffen wie die Superfrüchte Johannisbeere und Heidelbeere aus estnischen Wäldern oder das Multitalent Buchweizen von den Feldern auf den Tellern wieder. Eine Jahrhunderte alte Spezialität ist das landestypische Schwarzbrot, das „must leib". Es wird aus Roggenmehl und Sauerteig gebacken und ist kräftig, dicht und dunkel. Restaurants servieren es gerne zu Suppen oder mit gesalzener Butter als kleine Vorspeise.

Bier, Beerenweine und fermentierter Pilztee

Auch Bier hat in Estland eine lange Tradition. Die jungen Brauer mischen uralte Rezepte der Esten mit neuen Zutaten wie Wachholder, Roggen oder Moos und schaffen so spannende Geschmacksnuancen. Eigenwillig ist auch der Birkensaft-Sprudel. Noch bevor die ersten Knospen den Waldboden durchbrechen, schwärmen die Esten aus und zapfen Saft aus den Birken.  

Ein weiteres Getränk, das zunehmend salonfähig wird, sind estnische Beerenweine. Hier kommen nur Weine aus natürlichen, unbearbeiteten Zutaten ins Glas, auf der Karte stehen trockene Weine aus Beeren, Früchten oder gar Gemüse. Absoluter Trendsetter der letzten Jahre ist Rhabarber.

Und wussten Sie schon, dass Kombucha estnische Wurzeln hat. Zu Zeiten der sowjetischen Besetzung setzen viele Esten literweise Pilztee im heimischen Keller an. Heute ist Kombucha eine hippe und gesunde Alternative zu Softdrinks und mit seinen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aus dem Tallinner Nachtleben nicht mehr wegzudenken.

Ganz eigen wie die Rezepte ist auch die Gastro-Szene, die sie serviert. Vom „Ungru“ auf der Insel Hiiumaa bis zum „180 Grad“ von Sternekoch Matthias Diether in Tallinn. In einer kulinarischen Rundreise durch Estland und einer Top-Ten-Liste für Tallinn stellt Visit Estonia die angesagtesten Locations vor. Eine gute Richtschnur für Gourmets ist auch der White Guide, der die besten Restaurants in den nordischen Ländern auszeichnet. In Estland wurden 82 Locations in den White Guide aufgenommen.

Mehr über das nordische Land erfahren Sie mit unserer Themenwoche Estland auf Reise vor9 und Counter vor9: News, Hintergrund und Tipps für die Beratung im Reisebüro.

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