Riverside Luxury Cruises
13. Mai 2024 | 07:00 Uhr
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Private Rundreisen sind mit Marco Polo kein Hexenwerk

Viele Reisebüros scheuen davor zurück, für Kunden private Rundreisen maßzuschneidern. Veranstalter wie Marco Polo Individuell machen dies jedoch für Expedienten leicht – und teuer ist es auch nicht. Ein Trip ins Baltikum zum Beispiel sieht dann je nach Interessen und Budget bei jeder Buchung ein bisschen anders aus.

Estland Tallinn Stadtführung Foto Hartung.jpg

Private Stadtführerin Katre Sonobe weiß mehr über Tallinn und seine Menschen als im Reiseführer steht

Fast wären wir daran vorbeigelaufen. "Get a free Hug", steht auf dem handgeschriebenen Schild in der engen Gasse. Aber Maija Baltmane kennt Rigas verwinkelte Altstadt in- und auswendig. Die Lettin ist Tourguide und schlendert heute mit uns durch ihre Hauptstadt. 

Die kostenlosen Umarmungen gibt’s in einem versteckten Bistro, dem "Most Romatic Café in Old Town". Die "Kafe‘teka Parunasim" ist ein uriger Ort mit unverputzten Backsteinmauern und Accessoires, die vom Flohmarkt oder aus dem Museum stammen könnten. In der Ecke steht ein altes Klavier mit allerlei Krimskrams dekoriert. Doch deshalb lotst uns Maija nicht hierher, sondern wegen der leckeren "Homemade Cakes", ein echter Geheimtipp.

Von Jugendstil, Goethe und der Markthalle in Riga

Maija arbeitet für Marco Polo Individuell. Der Veranstalter nennt seine Reiseleiter Scouts. Das passt, denn ohne sie hätten wir viele interessante Orte und Infos verpasst. Wir sind zu dritt und laufen durch das historische Zentrum von Riga (Foto unten). Maija erzählt aus der Geschichte Lettlands und vom großen Einfluss der Deutschen. Jugendstil und Goethe, die Gilde und überall deutsche Inschriften an den Häusern. Zum Abschluss ein Besuch der Markthalle mit Kostproben frisch aus dem Meer.

Zwei Wochen sind wir unterwegs mit dem Mietwagen, kreuz und quer durch das Baltikum. Eine Gruppereise ist nicht unser Ding, die ganze Zeit einen Reiseleiter an der Seite wollten wir auch nicht und die festgelegten Routen aus dem Katalog passten nicht ganz zu unseren Interessen. Genau hier setzt das Konzept von Marco Polo Individuell an.

Lettland Riga Gildehaus iStock Xantana.jpg

Nur jeder zehnte Routenvorschlag wird unverändert gebucht

"Wir haben einen Katalog, der Routenvorschläge macht. Die sind aber nur ein Vorschlag", sagt Marco-Polo-Chef Matthias Schwotzer. "Nur etwa zehn Prozent übernehmen diesen Reisevorschlag unverändert. 90 Prozent der Reisen werden maßgeschneidert." Vorschläge für eine Individualisierung liefern Schwotzers Kollegen gleich mit. Ein weiterer Vorteil: "Wir bieten die meisten Reisen mit 365 Abreisen im Jahr, wann immer man will."

Selbstfahrer-Touren waren bei Marco Polo Individuell bisher allerdings eher die Ausnahme. "Wir können Marco Polo Individuell für etwa 90 Länder anbieten, rund 70 davon sind im Katalog", sagt Schwotzer. "Unser Standard ist ein Privatwagen mit eigenem Fahrer; das funktioniert wunderbar in Ländern, in denen Service nicht ganz so viel kostet, etwa in Asien. Oder dort, wo sich die meisten Reisenden nicht trauen, selbst zu fahren, wie zum Beispiel in Peru."

In westlichen Ländern ist das anders. "Wir fangen sukzessive an, Marco Polo Individuell in Europa aufzubauen." Nach Island und Osteuropa kam zuletzt Norwegen dazu. "Die entscheidende Frage ist dabei, wo geht das zu einem vernünftigen Preis-/Leistungsverhältnis? Acht Tage an der Loire für 8.000 Euro aufwärts lässt sich sicher nicht verkaufen." Hier sind die Selbstfahrerreisen eine kostengünstige Alternative.

Maßgeschneiderte Reisen nur wenig teurer

Generell spiele der Preis bei Individualreisen eine wichtige Rolle und führe zu einigen Denkfehlern bei Reisebüros und Kunden, so der Marco-Polo-Manager. "Das größte Vorurteil ist, dass die maßgeschneiderten Privatreisen zu teuer sind, weil sie viele Mitbewerber individuell mit Luxus kombinieren. Das gilt nicht für uns. Wir können auch mit Budgets arbeiten."

"Im Vergleich zu anderen Mietwagenrundreisen kommen bei uns an einzelnen Orten die lokalen Guides dazu", beschreibt Schwotzer sein Konzept. "Die Reiseleiter in den Städten sind der Mehrwert, den wir bieten. Sie sind am Ball, können nicht nur die Kirchen und Geschichte erklären, sondern auch etwas zur Politik und zu aktuellen Situation und über Land und Leute erzählen."

Scouts vermitteln Herz und Seele ihrer Landsleute

Litauen Kurische Nehrung Strand iStock samael334.jpg

Tatsächlich erfahren wir von unseren Scouts in Riga, Vilnius und Tallinn viel über die Gefühlswelt der Menschen im Baltikum. Seitdem Russland die Ukraine überfallen hat, sind die Menschen hier deutlich stärker besorgt als in Deutschland. Es gibt schließlich eine direkte Grenze mit Lettland und Estland. Vom Grenzbalken in Lettland sind es nur 700 Kilometer bis Moskau. Von der estnische Hauptstadt Tallinn nach St. Petersburg nicht mal 400 Kilometer. Auch auf der Kurischen Nehrung (Foto oben) in Litauen erinnert das Schild Sperrgebiet an die russische Exklave Kaliningrad und warnt vor der Weiterfahrt.

Der Ukraine-Krieg ist überall präsent. Ukrainische Flaggen überall, Protest wird offen und direkt geäußert. Die Absperrung rund um die russische Botschaft in Tallinn hängt voll mit selbstgemalten Plakaten, dazwischen ein in blutrote Farbe getränkter Teddybär. Und der Krieg in der fernen Ukraine bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Tourismus. Besonders Gruppenreisen aus Deutschland sind stark zurückgegangen.

Ihre Lebensfreude lassen sich die Esten, Letten und Litauer trotz allem nicht nehmen. Sie feiern gerne und Gäste sind immer willkommen. Etwa zum Tango tanzen – einfach so nach Feierabend am Straßenrand in Vilnius (Foto unten). Auf einem kleinen Platz legt ein DJ die passende Musik auf, und jeder der Lust hat, schiebt seinen Partner im Rhythmus über den Bürgersteig. Dazu serviert eine mobile Bar erfrischende Cocktails.

Litauen Vilnius Tango Tanzstunde Foto Hartung.jpg

Hotels oft so individuell wie ihre Gäste

Unsere Hotels liegen immer mittendrin. Keine großen, anonymen Ketten, sondern private und mitunter Häuser, die aus dem Rahmen fallen. Etwa in Tallinn, wo Marco Polo Individuell das "Merchants House" gleich um die Ecke des historischen Rathausplatzes ausgewählt hat. Mehrere alte Kaufmannshäuser, die ein Brite gekauft und zu einer verwinkelten Unterkunft umgestaltet hat. Jedes Zimmer ist anders und individuell gestaltet.

In Vilnius ist es stylisch. Ein Businesshotel mit 50 Zimmern und äußerst praktischer Lage im Zentrum des Geschehens. In Klaipeda wohnen wir in einem renovierten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, dem National Hotel direkt am Fluss. In einem Altbau mit hohen Decken und Stuck residiert das Soho Hotel in der Kulturhauptstadt Tartu (Foto unten).

Estland Tartu Foto Hartung.jpg

Und was sind die Learnings nach zwei Wochen Rundreise: Die baltischen Staaten sind nicht klein, mit 175.000 Quadratkilometern immerhin halb so groß wie Deutschland. Rund 3.000 Kilometer hat der Mietwagen nach der Tour mehr auf dem Tacho. Und: das Baltikum gibt es eigentlich nicht. Die drei Länder sind sehr unterschiedlich, von der Geschichte, ihrer Kultur und ihrer Sprache. Und sie mögen den Begriff Baltikum auch nicht, verrät Maija.

Thomas Hartung

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