Vom Haushaltsgeräte- zum Afrika-Spezialisten
Der Name Severin dürfte vielen für Kaffeemaschinen, Toaster und Grills bekannt sein. Die Gründerfamilie hat sich aus diesem Geschäft jedoch vollständig zurückgezogen und konzentriert sich auf Tourismus. Der Generationswechsel ist gelungen, seit 2019 führen Sebastian Severin Schulte (links) und Phil Sell (rechts) das Reisegeschäft. Dazu gehören Severin Travel und zwei Häuser in Kenia.
Severin Lodge
Die Geschäftsführer Sebastian Severin Schulte (links) und Phil Sell (rechts) kennen sich von der Uni und sind jetzt ein eingespieltes Team
Die Verbindung der Familie mit Kenia begann lange vor dem Generationswechsel, erzählt Sebastian Severin Schulte im Gespräch mit Counter vor9. Denn Uropa Rudolf Schulte Senior reiste 1968 erstmals in das ostafrikanische Land, kaufte nördlich von Mombasa ein Grundstück am Indischen Ozean und baute dort zunächst ein kleines Hotel für sich und Freunde. 1972 entstand daraus die Severin Sea Lodge. "Er hat sich dort direkt in Land und Leute verliebt", sagt der 37-jährige Urenkel.
Sebastian Severin Schulte wuchs mit diesem Geschäft auf und reiste bereits als Kind regelmäßig nach Kenia. "Ich bin mit drei Jahren das erste Mal dort gewesen und bin in Kenia quasi groß geworden", sagt er. Heute kümmert sich Schulte vor allem um die beiden Häuser und das operative Geschäft vor Ort. Sein Geschäftspartner Phil Sell verantwortet schwerpunktmäßig den Reiseveranstalter in Deutschland, mit Sitz im sauerländischen Sundern. Hier hat auch Severin Haushaltsgeräte weiterhin den Firmensitz.
Generationswechsel kam kurz vor Corona
2019 übernahm das Duo Schulte und Sell das Touristikgeschäft gemeinsam, denn Schultes Vater wollte sich langsam aus der Unternehmensführung zurückziehen. Es habe für ihn auch andere Optionen gegeben, als die Nachfolge anzutreten, erzählt der heutige Geschäftsführer. "Bereits während und auch nach dem Studium, bei dem ich den Phil kennengelernt habe, sind wir ja gemeinsam in ganz anderen Branchen unternehmerisch aktiv gewesen", sagt der 37-Jährige. Unter anderem im E-Commerce, einer Plattform für Autoreifen und mit einer Fitnessstudiokette. Doch die Touristik habe dann den Zuschlag bekommen.
Deutsches Team mit 15 Mitarbeitern, in Kenia bis zu 250
2020 brachte die Corona-Pandemie den Tourismus weitgehend zum Erliegen, das sei kurz nach der Übergabe des Staffelstabes im Vorjahr gewesen. "Nicht das beste Timing", sagt Schulte. Eines der Hotels in Kenia blieb für rund ein Jahr geschlossen. "Das Unternehmen hat die Zeit für Renovierungen, Optimierungen und Digitalisierung genutzt", so der Touristiker. Heute beschäftigt Severin Travel in Deutschland rund 15 Mitarbeiter, in Kenia sind es saisonabhängig etwa 250.
Zum dortigen Geschäft gehören die Severin Sea Lodge an der Küste und ein Safari-Camp mit Blick auf den Kilimandscharo. Beide Häuser können nicht nur über Severin Travel gebucht werden. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet das Unternehmen auch mit "allen großen Reiseveranstaltern" zusammen.
Neben den Hotels könne mit Severin Travel ein Großteil des Kontinents bereist werden. Aktuell sind es 16 Ziele, darunter Botswana, Uganda, Ruanda, Malawi, Sambia, Simbabwe und Tansania sowie Seychellen.
Reisesparte und Haushaltsgeräte seit 2018 getrennt
Die touristische Firmengeschichte läuft inzwischen unabhängig von der bekannten Haushaltsgerätemarke Severin. Dieser Geschäftszweig geht auf Anton Severin zurück und wurde schrittweise verkauft. Seit Mai 2018 gehört das Haushaltsgeräte-Unternehmen vollständig der Unternehmerfamilie Knauf. Die ursprüngliche Gründerfamilie ist dort weder operativ noch finanziell beteiligt.
Sie konzentriert sich stattdessen auf ihre touristischen Aktivitäten. Schulte beschreibt die Entscheidung mit einem Satz seines Vaters: Es mache "mehr Spaß, Emotionen zu verkaufen, als mit Einkäufern über die Kabellänge einer Kaffeemaschine zu diskutieren".
Severin Travel prüft weiteres Wachstum
Für den Veranstalter soll laut Sebastian Severin Schulte das Team weiter ausgebaut werden. Zudem prüfe er mit seinem Partner Sell, ob Severin Travel zusätzliche Gruppenreisen und weitere Destinationen aufnehmen werde. "Auch ein weiteres Safari-Camp kommt infrage", überlegt der 37-Jährige. Der geografische Schwerpunkt solle dabei auf Afrika liegen. Schulte und Sell teilen sich die strategische Führung. Einmal im Monat setzen sie sich zu einem Strategietag zusammen, dreimal jährlich beraten sie mit Führungskräften über Ziele und Prioritäten für die kommenden Monate.
Regionale Krisen und Krankheitsausbrüche auf dem Kontinent sieht Schulte dabei als dauerhafte Herausforderung für einen Spezialveranstalter wie Severin Travel, aber auch für Unternehmer generell. Entscheidend sei, auf Veränderungen schnell reagieren zu können und Kunden bei Unsicherheit mit konkreten Informationen zu unterstützen.
Sabine Schreiber-Berger