29. Juli 2019 | 07:00 Uhr
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Reisebüros kritisieren Schließung von TUI-Flughafenstationen

Für scharfe Kritik aus dem Vertrieb sorgt der Schritt von TUI, sämtliche Stationen auf den deutschen Flughäfen zu schließen. Auf Social Media beklagen Reisebüros die weitere Einschränkung des persönlichen Service und befürchten zusätzliche Arbeit durch verunsicherte Kunden, bei denen am Airport etwas schiefläuft.

TUI Flughafenstation Stuttgart

Vor dem Aus: TUI Flughafenstation Stuttgart

"Unsere Präsenz am Frankfurter Flughafen macht es möglich Sie vor und nach Ihrer Reise individuell zu betreuen. Bei unerwarteten Problemen stehen wir Ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit als Ansprechpartner zur Verfügung." So wirbt die Flughafenstation, die im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens untergebracht ist, für ihre Dienste. Damit ist es bald vorbei. Denn wie berichtet, macht TUI Deutschland Anfang nächsten Jahres alle 18 Stationen an den Airports dicht und preist den Kunden ihre Dienste via Hotline und Internet an. Das veränderte Kundenverhalten mache diesen Schritt sinnvoll, erklärte Vertriebsgeschäftsführer Hubert Kluske dazu. Entscheidend seien für die Kunden die Qualität, das Serviceversprechen und die Erreichbarkeit unabhängig von Ort und Zeitpunkt. 

An den Kundenwünsche vorbei

Dass Kunden statt persönlicher Ansprechpartner nur noch digitale Kommunikationskanäle nutzen wollen, bezweifeln indes viele Vertreter des stationären Vertriebs. In Facebook-Foren machen sie ihrem Ärger Luft. "Die Handling Agents der Airports sind ohnehin überlastet, die Security im Dauerkrisenmodus, was Personalstärke betrifft, und Oma möchte den Flieger zur 'Mein Schiff' erreichen, der leider Trouble hat. Und dann braucht die Arme die Servicenummer der TUI. Wartezeit 25 Minuten“, skizziert ein Reisebüromann sein Szenario. Dass die Servicenummer des Marktführers stets sofort erreichbar sei, stellen zahlreiche Kommentare in Abrede. Zudem seien gerade für ältere Kunden, deren Zahl ja weiter wachse, persönliche Helfer wichtig.

"Steilvorlage" für die Konkurrenz

Ein anderer meint, TUI mache sich durch Entscheidungen wie diese austauschbar: "Welch eine Steilvorlage für gute, serviceorientierte und kundenfreundliche Reiseveranstalter, die es parallel zur Digitalisierung schaffen, ihren Kunden auch noch menschliche Ansprechpartner zur Seite zu stellen", schreibt er. Und eine weitere Reiseverkäuferin schildert ihre persönlichen Erfahrungen: "Ich arbeite am Flughafen und weiß aus eigener Erfahrung wie froh und dankbar die sogenannten Stehenbleiber sind wenn sie einen persönlichen Ansprechpartner haben der ihnen auch hilft. Das ist auch aus eigener Erfahrung mit so genannten telefonischen und Online-Hilfen zu 99 Prozent nicht der Fall. Ich frage mich, warum die Kunden überhaupt noch eine Pauschalreise buchen sollen, wenn sie sich eh um alles selbst kümmern müssen."

Christian Schmicke

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