1. Juli 2020 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Die Algarve und ihre Kontraste

Lange, breite Strände und schroffe Felsen, lebhafte Städte und verträumte Dörfer Haute Cuisine und Hausmannskost – Reisereporterin Heike Howold hat sich auf die Spuren der Kontraste der südwestlichsten Region des europäischen Festlands begeben. Im zweiten Teil ihre Berichts erkundet sie die Region abseits der Wasserlinie.

Jeeptour

Über Stock und Stein ging es für die Reisereporter im Hinterland der Algarve

Weg von der Küste und Badeurlaub, lohnt es sich, den nächsten Kontrast zu suchen. Vom legeren Badeurlaub zum leichten Abenteuer mit einer geführten Jeep-Tour kann man das Hinterland erkunden und sich zeigen lassen. Kaum 15 Kilometer von der Küste entfernt in die erste Hügelkette gefahren, hat sich die Landschaft komplett gewandelt. Orangenhaine, Mandelbäume und Korkeichen säumen die befestigten und später eher unwegsamen Straßen und Wege. Hier erlebt man die Vielfalt und Fruchtbarkeit dieses wunderschönen Landstrichs. Auch Olivenbäume, Zitronenbäume und die so genannten Erdbeerbäume wachsen hier.

Aus letzteren gewinnt man den berühmten Schnaps "Medronho", der sehr stark ist, aber auch wunderbar fruchtig. Der Baum wird im deutschen daher Erdbeerbaum genannt, weil die Früchte rot und erdbeerartig aussehen, sie sind aber runder als man das von unseren Erdbeeren kennt. Die Blüten sind gelb und haben einen runden Blütenstand. Die Mandelbäume blühen überwiegend im Januar. Es gibt weiß- und rosablühende Mandelbäume. Bei den rosafarbenen Bäumen handelt es sich um die Bittermandeln, die für die Marzipanproduktion zur Verwendung kommen. Im Hinterland der Algarve ist eine Pflanzenvielfalt zu sehen, von der die Bienen profitieren und Nektar sammeln können, so dass auch Honig hier ein heimisches Produkt ist, das rein und unverfälscht schmeckt.

Trockenheit zehrt die Landschaft aus

Vieles muss bewässert werden, weil inzwischen sogar die regenreicheren Winter zu trocken sind, um die Pflanzen ausreichend mit Wasser zu versorgen. So sieht man deutlich, wer kein Geld mehr für das Wasser hat. Die Orangenhaine drohen daher zu vertrocknen. Der reichlich vorhandene Sonnenschein an der Algarve, ist den Touristen dagegen sehr recht, weil sie ja Urlaub in der Sonne machen wollen. Dass das Wasser vom Regen für die Pflanzen und deren Überleben aber auch für das Überleben der Landwirte dringend notwendig wäre, sehen die wenigsten.

Die grünen und das ganze Jahr lang blühenden und Früchte tragenden Orangenbäume zeigen, dass nur mit Bewässerung ein Gedeihen möglich ist. Statt mehrerer Monate mit Regenfällen, wie es sonst im Winter üblich ist, hat es im laufenden Winter 2020 nurmehr eine Woche mit nennenswerten Regenfällen im Dezember gegeben.

Daher sieht man sehr viele Bäume, die nicht soviel Wasser zum Überleben brauchen, wie die Korkeichen, Oliven-,  Feigen-, sowie Erdbeerbäume. Leider hat man aus Profitgründen zur Papiergewinnung die schnell wachsenden Eukalyptusbäume dazu gepflanzt. Eukalyptus vermehrt sich rasant, so dass Korkeichen und andere Bäume von ihm verdrängt werden könnten. Noch macht die Korkproduktion Portugals 50 Prozent des gesamten Weltmarkts aus. Wenn die Regierung nicht aufpasst, werden die Erträge durch Kork wegen Eukalyptus-Vermehrung schnell zurückgehen können.

Durchs Gebirge

Das Monchique-Gebirge, das wir auf unserer Jeep-Tour nur von weitem sehen, ist die höchste Erhebung der Algarve mit Bergen bis zu 900 Metern Höhe. Der höchste Berg ist der Foía, mit 902 Metern. Auch das erwartet man eigentlich nicht, wenn man von der Algarve spricht. Das Hinterland und die Berge sind eher unbekannt, lohnen aber eine Erkundung, ob mit geführter Tour oder mit Mietwagen. Für die unbefestigten Wege bietet sich eine geführte Jeep-Tour an, mit vielen Informationen des örtlichen Begleiters. Eine gute Möglichkeit, mehr von Land und Leuten zu erfahren.

Vielfältige Einflüsse

Wenn man genauer auf das Essen und die Spezialitäten der Algarve schaut, sieht man, dass viele Einflüsse aus anderen Ländern auch die Küche der Algarve prägen. Denn Portugal war eine Seefahrernation und hat daher durch ihre in die Heimat zurückkehrenden Seefahrer Rezepte und Zutaten aus vielen, verschiedenen Ländern mit in die Küche integriert. Fisch und Meeresfrüchte sind ein Hauptbestandteil der Gerichte. Ob als Vor- oder Hauptspeise, irgendetwas aus dem Meer gefischtes gehört an der Küste der Algarve immer zum Essen dazu. Aber natürlich stehen auch Schweine- und Lammfleisch sowie Geflügel auf dem Speiesplan, gerade in ländlichen Gegenden, denn dort werden viele Schweine, Schafe und Hühner gehalten.

Hier zeigt sich der Kontrast der verschiedenen Gegenden, ob Küste oder Hinterland, das spielt eine große Rolle. Gemüse und Obst gibt es reichlich und frisch in vielen, verschiedenen Zubereitungsformen. Egal ob ganz frisch als Obstteller zum Nachtisch, oder getrocknet, wie im Feigenkäse, der keinen Käse enthält, sondern nur seiner runden Form wegen, an Weichkäse erinnert. Ebenfalls beliebt der Feigenstern mit Mandeln. Die Orangen sind sogar so süß, dass sie nicht in die übrige EU exportiert werden dürfen, denn sie entsprechen nicht den dortigen Bestimmungen. So kann Portugal zwar Orangensaft, aber nicht die Früchte selbst exportieren.

Der schönste Kontrast, den ich auf dieser Reise erlebt habe und den man auf einen Blick sehen kann, ist der Anblick von den traditionell weiß gestrichenen Häusern zum strahlend blauen Himmel der Algarve!

Howold Heike

Über die Autorin: Heike Howold ist mobile Reiseverkäuferin beim TUI-Vertriebssystem Take Off

Anzeige FTI