27. September 2016 | 18:30 Uhr
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Mailen

Schweizer Touristiker schlagen Alarm

Es sei "fünf vor zwölf", mahnen Vertreter des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV) und der Branchenverbände von Hotellerie, Gastronomie und Bergbahnen. Anlass für den eindringlichen Appell war einTreffen mit dem schweizerischen Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann am Montag. Dem alpinen Tourismus im Land attestiert der STV eine "anhaltende Schwäche". Mit Recht: Während die Übernachtungszahlen in den größeren Städten des Landes in den vergangenen zehn Jahren um knapp ein Viertel zulegten, gingen sie in den Bergregionen um rund zehn Prozent zurück. Schuld daran ist laut STV vor allem der starke Schweizer Franken, dessen Wert im Vergleich zum Euro seit 2008 von 1,65 Franken pro  Euro auf 1,10 gesunken ist. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass die Wechselkurs-Effekte die Bergregionen stärker träfen als den urbanen Bereich, da die Gäste in preisgünstigere Nachbarländer auswichen, und weil zudem die Schweizer selbst verstärkt Urlaub in Österreich, Frankreich oder italien machten, erklärt der Verband. Der bevorstehende Brexit dürfte die Problematik noch verstärken, da das britische Pfund durch den Austritt geschwächt werde und sich so die Kaufkraft der drittstärksten Besuchergruppe weiter verringere.

Für das Land sei diese Entwicklung deshalb besonders problematisch, weil der Tourismus in den Bergen einen Anteil von rund 27 Prozent an der Gesamtbeschäftigung habe und für 21 Prozent der Bruttowertschöpfung sorge. In den Städten liege der Anteil mit 7,3 Prozent der Jobs und 4,6 Prozent der Bruttowertschöpfung erheblich niedriger.

Dass sich Touristik vor allem selbst aus ihrer Misere befreien muss, ist den Verbandsvertretern offenbar klar. Die Branche sei entschlossen, die Dinge selbst in die Hand nehmen – "allen voran die Qualitätssicherung und Förderung von Kooperation", heißt es. Diese Aktivitäten müssten aber politisch unterstützt werden. Dafür sei "insbesondere eine departementsübergreifende Koordination für den Schweizer Tourismus" erforderlich. Die Erkenntnis, dass ein Kirchturmdenken, das den unmittelbaren Nachbarn zum Hauptfeind erklärt, am Ende allen schadet, beginnt sich offenbar auch bei den Eidgenossen langsam durchzusetzen.

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